Diskussionsabend Donnerstag, 31. Mai 2018 in
Leipzig

Abschied ohne Tränen

Warum sich die Linke angesichts der Krise des Westens so ungerührt zeigt

Urheber/in: wiki commons. Public Domain.
Datum, Uhrzeit
Donnerstag, 31. Mai 2018, 19.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen - Weiterdenken

Abschied ohne Tränen
Warum sich die Linke angesichts der Krise des Westens so ungerührt zeigt

Gespräch mit Andrei S. Markovits (Politologe, Ann Arbor/Michigan)

Ort:
Conne Island, Koburger Straße 3, Leipzig

Die Anzeichen für eine innere Krise des Westens häufen sich: der Aufstieg des sogenannten Rechtspopulismus, Salafismus als Jugendkultur, Ethnonationalismus, Friktionen in Institutionen wie EU und NATO, um nur einige zu nennen. Zugleich wird der Westen von außen, von autoritären Mächten wie China, Russland und der Türkei, herausgefordert. Ein Großteil der Linken zeigt sich darüber allerdings nicht betrübt. Zwar wird allenthalben vor nationalistischen Entwicklungen, mit Blick auf Trump und die AfD gar einer drohenden faschistischen Machtübernahme, gewarnt. Doch die manische Feststellung von Fehlentwicklungen der Demokratie lässt unweigerlich die Grenzen zwischen dem vermeintlich »autoritärem Etatismus« im Westen und den tatsächlich autoritären Regimen der Chameneis, Erdogans, Putins und Xi Jinpings verschwimmen. Der Effekt solcher Vereinfachung ist klar: Ein positiver Bezug auf den Westen scheint unmöglich, vielmehr wird er als Synonym für imperialistische Ausbeutung und kulturelle Vorherrschaft bekämpft.

Die Weigerung, westliche Errungenschaften als Zivilisationsmodell zu akzeptieren, hinter das linke Utopie und Praxis nicht zurückfallen darf, stammt aus dem Kalten Krieg. Die Solidarität mit antikolonialen Befreiungsbewegungen als Ersatz für enttäuschte revolutionäre Hoffnungen in den kapitalistischen Metropolen machte den Westen und insbesondere seine Führungsmacht, die Vereinigten Staaten von Amerika, zum Feindbild. Die Linke hielt daran auch nach dem Ende des Systemkonflikts fest – ungeachtet geopolitischer Transformationen und der antiwestlichen Offensive konservativer Intellektueller sowie wiederkehrender Bemühungen der deutschen Politik, sich aus dem engen transatlantischen Bündnis zu lösen.

Im Gespräch mit dem amerikanischen Politologen Andrei S. Markovits möchten das Verhältnis der Linken zum Westen in seiner historischen Entwicklung und gegenwärtigen Dimension erörtern. Wir freuen uns auf einen Gast, der die deutsche Linke über Jahrzehnte beobachtet und ihre Positionierungen immer wieder kritisch kommentiert hat. Nicht zuletzt sein emphatischer Bezug auf die Westbindung als Bedingung gesellschaftlicher Zivilisierung im Nachfolgestaat der Nazis macht Markovits für uns zu einem interessanten Gesprächspartner.

Die Veranstaltung ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Roten Salon im Conne Island und Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen.