Copyleft Now! - Neue Spielregeln für das digitale Zeitalter?

Copyleft Now! - Neue Spielregeln für das digitale Zeitalter?

Schlaglichter aus Argentinien und Europa

Podiumsdiskussion und Präsentation der Publikation `Argentina Copyleft!`

Das argentinische Urheberrecht zählt zu den restriktivsten der Welt: Selbst öffentliche und Universitätsbibliotheken müssen Gebühren für eine potentielle Vervielfältigung ihrer Bestände entrichten – diese machen einen erheblichen Teil ihres Budgets aus. Befürworter des derzeitigen Urheberrechtes wollen vor allem die eigene Kultur unterstützt und gefördert sehen, sowohl als bedeutenden Wirtschaftszweig wie auch explizit als identitätsstiftendes Element. Insbesondere als Reaktion auf die Überflutung mit billigen und „frivolisierten“ Produkten und Leitbildern internationaler Produktionen der 90er Jahre soll eine neue kulturelle Diversität garantiert werden.

Doch zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen setzen sich in Argentinien für eine Reform des Urheberrechts ein. Sie befürchten, dass der freie Zugang zu Wissen und Bildung gefährdet und demokratische Grundwerte in Frage gestellt werden. Die Erfahrung, dass künstlerische Werke wie materielle Güter behandelt werden, und dass die Bereitstellung von „Wissen für alle“ im Internet bestraft wird, veranlasst diese Initiativen dazu, neue Strategien zu entwickeln. Dazu zählen Strategien selbstverwalteter Verlage und Autoren, die ihre Lizenzbedingungen selber festlegen. Das Instrument, dessen sich diese Verlage dabei bedienen, heißt „Copyleft“.

Mit ihren Forderungen sind die argentinischen Aktivisten nicht alleine – weltweit werden Debatten um ein zukunftstaugliches Urheberrecht geführt. Der Brückenschlag nach Argentinien im Vorfeld der Buchmesse dient dem Austausch zu zentralen Fragen, die auch in Deutschland ganz oben auf der Agenda stehen:Welche Auswirkungen hat das Urheberrecht auf die Zugangsmöglichkeiten zu Kultur, zu Wissen und zu öffentlich finanzierter Bildung? Verhindert es die Entwicklung von Instrumenten zur Überwindung von Armut und Ungleichheit? Produziert es Einschränkungen der Meinungsfreiheit?

Mit:
Julio Raffo, Anwalt, Experte für Filmrecht, Buenos Aires
Patricio Lorente, Präsident Wikimedia Argentina, Buenos Aires
Beatriz Busaniche, Medienwissenschaftlerin, Organisation Vía Libre, Buenos Aires
Jeanette Hofmann, Politikwissenschaftlerin, London School of Economics und Wissenschaftszentrum Berlin, Sachverständige der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft”, Berlin

Moderation:
Michael Álvarez Kalverkamp, Leiter des Büros Cono Sur der Heinrich-Böll-Stiftung in Santiago de Chile

Ab dem 04.10.2010 kann die Publikation `Argentina Copyleft!` bei der Heinrich-Böll-Stiftung bestellt werden.