Diskussionsabend Donnerstag, 20. September 2018 in
Berlin

Echos aus der Kampfzone

Politische Narrative seit dem Ende der Balkan-Kriege

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Datum, Uhrzeit
Donnerstag, 20. September 2018, 19.00 Uhr – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sprache
Bosnisch - Kroatisch - Serbisch
Deutsch
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In Kroatien wird im August 2018 die Operation Sturm gefeiert, der Hunderte serbische Zivilisten zum Opfer fielen. In Srebrenica wurden am 11. Juli 2018, dem nationalen Gedenktag, weitere 35 Opfer beigesetzt, während in Belgrad Gegendemonstranten bei einer von NGOs initiierten Gedenkveranstaltung den "Stopp der anti-serbischen Propaganda" fordern… Und auf den Tod von Hatidza Mehmedovic, einer der "Mütter von Srebrenica", die Ehemann, zwei Söhne und ihren Bruder verlor, reagiert die serbische Parlamentssprecherin Vjerica Radeta von der Radikalen Partei am 24. Juli 2018 mit dem Tweet: "I wonder who will bury her. Her husband or her sons?"(Ich frage mich, wer sie beerdigen wird: ihr Mann oder ihre Söhne?).

In den Ländern des Westlichen Balkans dominieren mehr als 20 Jahre nach den Kriegen patriarchalische, homophobe und exklusive Tendenzen, die ein Klima der Intoleranz, der Ausgrenzung, der radikalen Abschaffung von Werten prägen. Die Folge sind rigide Abwehrmechanismen gegen aufklärerische und weltliche Ansätze. Statt Modernität, statt Wohlfahrt für alle werden die Bürger in einer Kampfzone gehalten, aus der Hunderttausende fliehen – auch ohne Krieg – um ihr Glück anderswo zu machen, jenseits der heimischen Radikalisierungen. Was anormal ist, was Leben auslöscht, was Leben bedroht oder verletzt, gilt als normal, ja gar als heldenhaft - Hauptsache es ist der eigenen Gruppe, dem eigenen Interesse dienlich. Demgegenüber werden Menschen oder Lebensweisen, die nicht diesen Stereotypen entsprechen, zu „Kranken“ erklärt. Die Folge ist eine rigorose Abwertung von Individuen und ihren Rechten.

Was Recht und Ordnung ist, bestimmt eine kleine korrupte Klasse – mit diesem Ansatz wird seit Jahren die Ausbildung funktionaler demokratischer Systeme behindert, in denen jede/r die Möglichkeit hätte, seine oder ihre Rechte einzuklagen. Die Behinderung der Ausbildung rechtstaatlicher Strukturen macht es den nepotistischen Eliten einfach, ein Vakuum aufrecht zu erhalten, in denen einige wenige Clans das Sagen haben, die staatlichen Mittel unter sich und ihren Günstlingen verteilen, auf feudale Art und Weise Jobs vergeben.

Auf diese Weise wird die südöstliche Peripherie Europas dauerhaft in Krisenstimmung gehalten – nicht zuletzt angesichts einer schwach aufgestellten EU. Und auch das ist ein gern verwendetes Narrativ, um den Vertretern der internationalen Gemeinschaft Sand in die Augen zu streuen: Man sei, versichern die Polit-Vertreter aller Couleur auf dem Balkan gerne, auf „europäischem Weg“. Hände schütteln, ein aufmunterndes: „Weiter so!“ Anschließend gehen sie zurück in ihre Kampfzone.

In der Publikationsreihe "Perspectives Southeastern Europe", die im Wechsel von den Büros Belgrad und Sarajevo der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wird, erschien jetzt eine Ausgabe unter dem Titel " Narrative auf dem Balkan: In der Kampfzone". Autor/innen der Ausgabe sprechen auf dem Podium über die Wurzeln und die Auswirkungen dieser Narrative auf die Entwicklungschancen in der Region.

Mit:

  • Hana Ćurak (Politologin, Sarajevo / Berlin)
  • Đurđa Knežević  (Publizistin, Schriftstellerin, Zagreb)
  • Zarije Seizović (Völkerrechtler und Politikwissenschaftler, Sarajevo)

Moderation: Marion Kraske (Heinrich-Böll-Stiftung Sarajevo)

Sprache: Deutsch / Bosnisch(-Kroatisch-Serbisch)

Es wird einen zweisprachigen Livestream geben.

Eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit Südosteuropa-Gesellschaft e.V., Humboldt-Universität zu Berlin, Centre international de formation européenne (CIFE)

Information:    
Gudrun Fischer, Programmkoordination Ost- und Südosteuropa
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
E-Mail: fischer@boell.de
Telefon: +49(0)285 34 -382