EcoFair rules! Die neue Rolle des Agrarhandels im Spannungsfeld der Klima-, Ernährungs- und Wirtschaftskrise

EcoFair rules! Die neue Rolle des Agrarhandels im Spannungsfeld der Klima-, Ernährungs- und Wirtschaftskrise

Konferenz von Misereor und der Heinrich-Böll-Stiftung. Dienstag, 12. Januar 2010 in Berlin

Konferenzprogramm / Conference Programme:

Weltweit hungern eine Milliarde Menschen. Drei Viertel davon leben auf dem Land. Damit ist die globale Ernährungssituation ein trauriges Beispiel dafür, wie langjährige politische Fehlentscheidungen zusammen mit den heutigen Krisen die Ärmsten der Armen am härtesten treffen. Vermutlich wird die Zahl der Hungernden und Mangelernährten weiter steigen.

Die Herausforderungen für die Weltlandwirtschaft sind gewaltig: Auf einer immer kleiner werdenden landwirtschaftlichen Nutzfläche, mit sinkender Bodenfruchtbarkeit, mit weniger verfügbarem Wasser und bei schwindenden fossilen Rohstoffen gilt es, ausreichend Nahrung für eine stark wachsende Weltbevölkerung zu produzieren. Dies geschieht unterimmer unsicheren und extremeren klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Zudem werden veränderte Konsumgewohnheiten und Energiekonzepte zu einer stärkeren Konkurrenz zwischen Nahrungsmitteln, Futtermitteln und Energiepflanzen führen und Verteilungsungleichheiten verschärfen.

 

Die landwirtschaftliche Produktion, ihre Märkte und der Handel mit Agrargütern sind in ihrer heutigen Form diesen Herausforderungen nicht gewachsen. Einen Vorgeschmack darauf haben die Preisentwicklungen für Nahrungsmittel 2007/08 gegeben, in denen die durchschnittlichen Weltmarktpreise in kürzester Zeit um mehr als 100 Prozent anstiegen und dadurch akut mehr als 150 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger betroffen waren.

Der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise hat international zu vielfältigen handelspolitischen Reaktionen geführt. Während viele internationale Akteure auf den Abschluss der Doha-Runde als einen wichtigen Schritt im Kampf gegen den Hunger drängten, verhängten große Produktionsländer ad-hoc protektionistische Maßnahmen. So stoppten einige Länder ihre Exporte, um die Ernährung ihrer eigenen Bevölkerung zu sichern und trieben damit die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel wie etwa Reis zusätzlich in die Höhe.

Es ist an der Zeit, die Regeln und Ströme des internationalen Agrarhandels im Spannungsfeld der großen globalen Krisen (u. a. Klima-, Ernährungs- und Finanzkrise) zu überdenken und neu zu definieren. Müssen bestehende politische und institutionelle Rahmenbedingungen angepasst werden, damit die internationalen Handelsbeziehungen im Agrarsektor die heutigen Krisen nicht noch verschärfen? Welchen Beitrag kann der Agrarhandel zur Lösung der Ernährungskrise leisten? Welche Rolle kann und sollte die WTO bei all diesen Entwicklungen spielen? Welche Alternativen bieten regionale Handelsabkommen? Und wie interagieren das internationale Klimaregime und die Agrarhandelsregeln? Wir möchten Sie im Nachklang zu den drei Großereignissen 2009, dem World Food Summit im November und den WTO- und Klimaverhandlungen im Dezember, herzlich einladen mit uns gemeinsam auszuwerten, zu diskutieren und weiterzudenken.