Podiumsdiskussion Donnerstag, 20. September 2018 in
Dresden

Ein Netzwerk der Komplizen?

Der NSU und seine Mitwisser

Urheber/in: Ute Langkafel MAIFOTO. All rights reserved.
Datum, Uhrzeit
Donnerstag, 20. September 2018, 19.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen - Weiterdenken

Über mehr als 10 Jahre beging eine rechtsextreme Terrorgruppe unerkannt und unbehelligt rassistische Morde, Raubüberfälle und Sprengstoffanschläge. Das Strafverfahren gegen die einzige noch lebende der drei Haupttäter*innen, Beate Zschäpe, und einige wenige Gehilfen der Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ kommt 2018 wohl zu einem vorläufigen Ende. Einige Teile des Netzwerkes standen vor Gericht, einige Unterstützer werden wohl nie belangt werden. Denn zahlreiche Beobachter*innen sind sich einig darüber, dass hinter dem NSU ein breites Netzwerk stand, das durch aktive Förderung mit Infrastruktur, Geld und Informationen, aber auch durch Verschweigen und Verschleiern, die Terrorattentate des NSU erst ermöglichte. Dazu zählen aber nicht nur Mitglieder der rechtsextremen und gewaltbereiten Neonazisubkultur. Auch die Verfassungsschutzbehörden sind durch ihre Aktivitäten zu Komplizen desselben geworden und haben verhindert, dass dieser bereits früher erkannt und verfolgt wurde.

In welchem Umfeld konnten die rassistischen Morde des NSU so lange unerkannt stattfinden? Wie wurden die einzelnen Personen und Institutionen zu Komplizen? Auf welche rechtsextremen Strukturen konnte das Trio in Thüringen und Sachsen zurückgreifen und welche Netzwerke waren relevant? Welche Rolle spielten Verfassungsschutz und Polizeibehörden? Wie wirkte sich gesellschaftlich verbreiteter, alltäglicher und institutionell verankerter Rassismus aus, der lange die Opfer des Terrors als Täter in den Blick nahm? Und welche Form der Aufarbeitung ist nun gefordert, damit in Zukunft ein Entstehen weiterer rechtsextremer Terrornetzwerke verhindert wird?

Es diskutieren:
Doris Liebscher, Juristin, Humboldt-Universität zu Berlin, Mitherausgeberin des Bandes Den NSU-Komplex analysieren. Perspektiven aus der Wissenschaft (2017)
Dr. Mehmet Daimagüler, Anwalt der Nebenklage im NSU-Prozess
Lars Rohwer, seit 2015 Vorsitzender des 1. NSU Untersuchungsausschusses in Sachsen, Mitglied des Sächsischen Landtages
Moderation:
Heike Kleffner, Journalistin (angefragt)

Ort: Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Eine Kooperation des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen und von Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen im Rahmen der Reihe „Täter und Komplizen“.