Engagement und Moral: Das „Nie Wieder“ der deutschen Nachkriegsgesellschaft

Engagement und Moral: Das „Nie Wieder“ der deutschen Nachkriegsgesellschaft

Vortrag von Axel Schildt mit anschließender Diskussion

Heinrich Böll gilt als Repräsentant seiner Generation. In jeder Phase der westdeutschen Nachkriegsgeschichte war er nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als öffentliche moralische Stimme präsent. So auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Aus der Orientierungslosigkeit nach der Niederlage des Nationalsozialismus formierte sich in den 50er Jahren ein Moralkodex des „Nie wieder“. Er wurde besonders von kritischen Intellektuellen in die öffentliche Debatte eingeführt, war zugleich Protest gegen das Versagen der Eliten und tiefes Misstrauen gegen Autoritäten. Dieser Moralkodex grundierte die politische Kultur in Westdeutschland für die folgenden Jahrzehnte.

Während die Gesellschaft sich zunehmend liberalisierte, waren es am Ende dieser Epoche in den 70er Jahren die sozialen Bewegungen, wie die Friedensbewegung mit ihrem Engagement gegen die Raketenstationierung, die Weltanschauungsschlachten und Untergangsszenarien beschworen. Hier fand eine generationenübergreifende Mobilisierung statt, bei der sowohl die Generation Bölls als auch die Nachkriegsgenerationen beteiligt waren, für die Böll eine moralische Instanz blieb. Und das in West und Ost.

Mit:

  • Prof. Axel Schildt, Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Professor für Neuere Geschichte an der Universität Hamburg
     

Die Veranstaltung ist die erste in der Reihe „Heinrich Böll als öffentlicher Intellektueller. Die Bonner Republik als moralische Anstalt“ anlässlich des 100. Geburtstags von Heinrich Böll im Dezember 2017. 

 

Fachkontakt:
Marianne Zepp
E zepp@boell.de
T 030-28534-234