Fortschritt oder Rolle rückwärts?

Fortschritt oder Rolle rückwärts?

Geschlechterverhältnisse im Osten Europas

In einigen Ländern Mittel- und Osteuropas suggeriert die Gesetzeslage zwar eine weitgehende Gleichberechtigung der Geschlechter, doch sieht der Alltag betroffener Gruppen weitaus schlechter aus. Frauen und Angehörige der LGBTI Community werden diskriminiert und benachteiligt. Traditionelle Rollenmuster und patriarchale Denkstrukturen bestimmen zunehmend weite Kreise der Gesellschaft, befördert durch die wachsende Präsenz konservativer Kräfte wie nationalistische Parteien und Teile der orthodoxen Kirche. Die Benachteiligung von Frauen wird als individuelles Problem wahrgenommen, nicht als institutionelles Versagen. Mangelnde soziale Absicherung von Frauen vor allem in ländlichen Regionen, geschlechtsspezifische Gewalt, fehlende sexuelle und reproduktive Selbstbestimmungsrechte sind nur einige Missstände, die eine gleichberechtigte wirtschaftliche und politische Teilhabe für Frauen verhindern.

 

In Georgien warnte in diesem Frühjahr das Oberhaupt der orthodoxen Kirche das Parlament vor der Verabschiedung des Antidiskriminierungsgesetzes, „Anti-Gender“-Initiativen dämonisieren schwul-lesbische Familien in der Ukraine, in Russland gibt es ein Gesetz gegen die Verbreitung von Homosexualität. Die Rechte von LGBTI Gruppen werden in der Region nicht selbstverständlich als Menschenrechte anerkannt. Zugleich herrscht auch unter Betroffenen Skepsis gegenüber Konzepten wie der Gleichberechtigung der Geschlechter und feministischen Ansätzen, die als Westimporte für den eigenen post-sozialistischen Kontext als untauglich gelten. Mit unseren Gästen wollen wir diskutieren, welche Vision sie für ihre Gesellschaft haben, was sie gern verändern würden und welche lokalen Strategien erfolgreich sind.

 

Mit:

Tamara Zlobina, Publizistin, Philosophin, Ukraine
Janette Akhilgova, Vorstandsvorsitzende NGO "Development" Nordkaukasus, Russland
Anna Arganashvili, NGO "Partnership for Human rights, Georgien
Zuzana Maďarová, feministische NGO Aspekt (Slowakei)

Moderation: Gemma Pörzgen, Journalistin

 

 

Information:    
Katja Giebel
Projektmanagerin
Ost- und Südosteuropa
Heinrich-Böll-Stiftung
E-Mail: giebel@boell.de
Telefon +49(0)285 34 - 388