Tagung Samstag, 21. Oktober 2017 in
Berlin

„Glaube an das Veränderbare“ – 40 Jahre Rudolf Bahros Alternative und die Gemeinschaft seiner Unterstützer

Datum, Uhrzeit
Samstag, 21. Oktober 2017, 10.00 Uhr
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Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Veranstalter/in
Externe Veranstaltung

Am 21. Oktober von 10-17 Uhr lädt das Museum Lichtenberg gemeinsam mit dem Christoph Links Verlag, der Robert Havemann Gesellschaft und der Heinrich Böll-Stiftung zu einer Tagung auf das Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Lichtenberger Ruschestraße ein.

Die Tagung befasst sich mit Entstehung, Wirkung und heutigen Relevanz von Rudolf Bahros Schrift „Die Alternative“. Das Buch des bekannten DDR-Dissidenten erschien 1977 zunächst als Vorabdruck im „Spiegel“ und wenig später in der Europäischen Verlagsanstalt. Es erlangte in Ost und West schnell Kultstatus. Für Rudolf Bahro hatte die Veröffentlichung seiner Sozialismuskritik dramatische persönliche Folgen: der Verhaftung und Inhaftierung folgte die Ausweisung in die Bundesrepublik.

Wenigen ist bekannt, dass das Buch nicht allein das Werk Rudolf Bahros ist. Wer ihn beim Verfassen unterstützte, wie die gemeinsame Erarbeitung aussah, möchte die Tagung in Lichtenberg ebenso ergründen, wie die Frage, was die formulierte Kritik am Sozialismus in der DDR bewirkte und wie sie mit historischem Abstand zu bewerten ist. Zu Wort kommen dabei unter anderem der damalige Philosophiestudent und heutige Verleger Christoph Links, der Autor Thomas Schubert, der damalige Spiegelredakteur Ulrich Schwarz, Rudolf Bahros Biograf Guntolf Herzberg sowie die Autorinnen Tina Krone und Ines Weber.

Der im „Grünen Gedächtnis“ der Heinrich-Böll-Stiftung aufbewahrte, vollständig archivisch verzeichnete und erschlossene Nachlass Rudolf Bahros wird im Rahmen der Tagung ebenfalls vorgestellt.

Die Konferenz wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Teilnahme ist kostenfrei, nur für die Verpflegung wird ein Selbstkostenbeitrag erhoben.

Anmeldung unter: www.museum-lichtenberg.de

Hinweis: Der Zugang zum Veranstaltungsort ist leider nicht barrierefrei. Wir bitten das zu entschuldigen.

Ort: Ort: Ruschestraße 103, 10365 Berlin, Haus 22

Für die Verpflegung (Mittagessen, Kaffeepausen) wird ein Selbstkostenbeitrag erhoben.
Bei Anmeldung bis 05.10.2017: 10 € / ermäßigt* 7 €
bei Anmeldung ab 06.10.2017: 15 € / ermäßigt* 10 €
*Ermäßigungen gelten für SchülerInnen, StudentInnen sowie InhaberInnen eines Berlin-Passes.

Programm

10.00 Uhr: Einlass und Registrierung

10.15 Uhr: Begrüßung

Grußwort: Michael Grunst, Bezirksbürgermeister

10.30–11.30 Uhr: Einführungsvorträge

Dr. Thomas Schubert, Politikwissenschaftler, TU Chemnitz: „Die Alternative“ - Dokument einer politischen Religion und Theologie?
Dr. Guntolf Herzberg, Philosoph und Bahro-Biograf, Rudolf Bahros „Alternative“ – Größe und Grenzen einer Konzeption

11.30–12.30 Uhr:  Panel 1: „Wessen Alternative – ein tragfähiges Konzept?“
Welche Rolle nimmt die „Alternative“ in der marxistischen Systemkritik ein und war sie mehr als politische Utopie? Welchen Bezug hatte sie zu anderen Reformideen, so zu denen Robert Havemanns oder osteuropäischer „Dissidenten“?

Dr. Alexander Amberger, Politikwissenschaftler
Wolfgang Templin, aktiv in der DDR- Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung, Verbindungen zu polnischen Charta- und Solidarność-Gruppen
Dr. Ines Weber, Politikwissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften - Bereich Politikwissenschaft - der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Moderation: NN

12.30–13.30 Uhr: Mittagspause

13.30–14.30 Uhr: Panel 2: „Offener Kreis – geschlossener Zirkel?“
Welche Wege nahm das Manuskript bis zur Veröffentlichung, wer unterstütze Bahros Arbeit und wer erhielt aus welchen Gründen Zutritt zu den unterstützenden Personenkreisen?

Dr. Thomas Thiele, Leiter des Museums Lichtenberg stellt neuste Forschungsergebnisse über Bahros Unterstützerkreis vor.

Diskutierende:
Dr. Guntolf Herzberg
Ulrich Schwarz, Journalist, 1976/77 und 1985-89 Korrespondent bei DER SPIEGEL in Ostberlin

Moderation: Dr. Bernd Florath, Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesbehörde der Unterlagen der Staatssicherheit.

14.30–14.45 Uhr: Kurze Pause
 
14.45–15.45 Uhr: Panel 3: „Und schweigt ihr Bahro dreimal tot …“
Wie gingen der Staat und die SED mit der öffentlich gewordenen Systemkritik um? Welche Resonanz hatten die Thesen Bahros auf Diskussionen in reformorientierten oder systemkritischen Kreisen?

Hannes Schwenger, Literaturwissenschaftler, Publizist und Schriftsteller, Mitbegründer des Schutzkomitees Freiheit und Sozialismus
Tina Krone, aktiv in der DDR-Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung,
Gerd Poppe (angefragt), Physiker, aktiv in der DDR-Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung
N.N.

Moderation: Dr. Christoph Links, Verleger

15.45–16.00 Uhr: Kurze Pause

16.00-16.15 Uhr: Vorstellung des Nachlasses von Rudolf Bahro

Der Nachlass befindet sich im Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung und wurde vollständig archivisch verzeichnet sowie erschlossen.

Dr. Christoph Becker-Schaum, Archivleiter Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung

16.15–17.00 Uhr: Abschlussdiskussion: „Was bleibt von Bahros Alternative?“
Welche Relevanz haben Bahros Thesen heute und gibt in der Gegenwart Gesellschaftsmodelle und -entwürfe oder Utopien mit vergleichbaren Intentionen

Dr. Rainer Land, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler
Andreas Simoneit, Physiker und Wirtschaftsingenieur, Förderverein Wachstumswende
Mitarbeiter/innen der Berliner Attac-Gruppe Degrowth – Solidarisches Postwachstum (angefragt)

Moderation: Dr. Dirk Moldt, Historiker, Museum Lichtenberg

Eine Konferenz des Museums Lichtenberg in Zusammenarbeit mit dem Christoph Links Verlag, der Robert Havemann Gesellschaft und der Heinrich-Böll-Stiftung, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.