Buchvorstellung und Diskussion Dienstag, 28. August 2018 in
Bremen

Jindřich trifft Heinrich

Mann-Besuch aus Prag in Bremen

Urheber/in: Armin S Kowalski. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons License.
Datum, Uhrzeit
Di., 28. Aug. 2018,
19:00  – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Bremen

Unter den Ländern Mittel- und Osteuropas, in denen der Kampf um die Verteidigung rechtsstaatlicher Grundsätze und die Erhaltung einer offenen demokratischen Kultur geführt wird, steht dieses Jahr besonders die tschechische Republik im Blickpunkt. Grund ist nicht nur die Präsidentschaftswahl 2018, sondern auch die 50. Wiederkehr des Prager Frühlings.

Mit bereits zwei Veranstaltungen ist die Heinrich Böll Stiftung Bremen der Frage nachgegangen, in welchem Zusammenhang der damalige demokratische Aufbruchsversuch mit den heutigen politischen Bemühungen um ein offene Republik - als Teil eines gemeinsamen europäischen Projekts - steht. Wir wollen also nicht nur aus '68 lernen, sondern länderübergreifend nach gemeinsamen zivilgesellschaftlichen Perspektiven suchen.

Am 28. August folgt die dritte Veranstaltung der Reihe. Die Heinrich Böll Stiftung Bremen läd hierzu Jindřich Mann nach Bremen ein. Der Enkel Heinrich Manns reflektiert die gesellschaftlich-politische Entwicklung seines Heimatlandes in dem stark autobiographisch geprägten Roman "Prag, poste restante – Eine unbekannte Geschichte der Familie Mann", den er um 19 Uhr in der Villa Sponte vorstellt. Darin berichtet er von den dramatischen Ereignissen vom August 1968, die auch beim seinerzeit ebenfalls in Prag präsenten Heinrich Böll tiefe Spuren hinterließen. Großen Raum nimmt ferner Manns Kindheit mit Mutter Leonie ein, der Tochter Heinrich Manns, und seinem Vater, dem genialen Erzähler Ludvík Aškenazy.

Die „unbekannte Geschichte der Familie Mann“ beginnt mit Jindřich Manns Großmutter Maria, die aus einer deutschböhmisch-jüdischen Familie in Prag stammt. Als Schauspielerin lernte sie Heinrich Mann 1913 in Berlin kennen. 17 Jahre später, nach der Scheidung, kehrte Maria „Mimi“ Mann nach Prag zurück. 1940 wurde sie nach Theresienstadt deportiert.

Nach der Flucht seiner Familie 1968 in die Bundesrepublik studierte Jindřich Mann an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in West-Berlin. Nach eigenem Bekunden verstand er sich nicht allzu gut mit den Kommiliton*innen der 68-Generation: „Sie verwarfen die mir eigene böhmische Fantasie und wollten alle umerziehen!“  Vor dem Hintergrund seiner Diktatur-Erfahrungen in der ČSSR irritierte ihn die prinzipienfeste Rigorosität vieler westdeutschen Altersgenoss*innen, er fühlte sich „als Exot am richtigen Ort (der Filmstadt Berlin) zur falschen Zeit“.

1989 kehrte Jindřich Mann in seine Geburtsstadt Prag zurück, wo er mit großem Erfolg für das Fernsehen arbeitet.

Für die Bremer Lesung hat Mann einen Teil seines ersten Erzählbands „Lední medvěd“ (Der Eisbär) übersetzt, der Anfang des Jahres auf Tschechisch erschien. Die Moderation des Abends übernimmt Dr. Ivo Bock aus Bremen/Brno, langjähriger Mitarbeiter Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen.

Eintritt: frei

Ort: Villa Sponte