„Konstruktion des Anderen - Intersektionale Perspektiven auf Rassismus, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus“ - Dr. Zülfukar Çetin

„Konstruktion des Anderen - Intersektionale Perspektiven auf Rassismus, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus“ - Dr. Zülfukar Çetin

Die Dämonisierung der Anderen
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Die  aktuelle Debatte in Politik und Gesellschaft  über Flucht und Migration hat gezeigt, dass offener Rassismus (wieder) salonfähig ist. Es wird gegen  Muslime und Geflüchtete gehetzt und  ein Nationalismus propagiert, der zur Abschottung führt. Dazu kommt die Sehnsucht nach staatlicher Autorität und  einer homogenen „Gemeinschaft“, die Sicherheit verspricht. Die Debatten zeigen, wie groß in Europa die Bereitschaft ist, in Denk- und Handlungsweisen an rassistische Deutungs- und Urteilsmuster anzuschließen. Der „Dämonisierung des Anderen“ kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Personengruppen werden aufgrund ihres Glaubens, einer vermeintlichen Kultur oder Abstammung als “Andere“ konstruiert, abgewertet und ausgegrenzt. Neu ist das nicht. So werden langlebige Vorurteile des Antisemitismus oder wirkungsvolle rassistische-orientalische Bilder der Kolonialzeit aufgegriffen und instrumentalisiert. Die Angst vor „dem Anderen“ zu schüren,  ist ein nützliches Mittel, um die eigenen Vorrechte und Privilegien zu schützen, wenn die soziale Ordnung scheinbar ins Wanken gerät.

 

21.11.2017
„Konstruktion des Anderen - Intersektionale Perspektiven auf Rassismus, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus“ 
Dr. Zülfukar Çetin

Die Konstruktion eines „Anderen“ ist ein Kernbestandteil von Rassismus. Mithilfe naturalisierter Gruppenkonstruktionen werden Einstellungen gefestigt, dass Menschen aufgrund ihrer Abstammung, Religion oder Kultur mehr oder weniger wert wären als andere. Die Zugehörigkeit zu den „Anderen“ wird im Alltag besonders häufig über die Hautfarbe oder Aussehen hergestellt. Schwarze Menschen erfahren Rassismus im Alltag in Speisekarten, Kinderbüchern und an Straßenschildern. Rassistische Zuschreibungen speisen sich noch heute aus Bildern und Vorurteilen der Kolonialzeit. In ähnlicher Weise werden in der aktuellen Debatte gerade Muslime Ziel von rassistischen Zuschreibungen - eine Debatte, die  Parallelen zum Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts aufweist. Mit dem Politikwissenschaftler Ozan Keskinkilic sprechen wir über die Konstruktion des „Anderen“ als Gegenbild und Wesensmerkmal von Rassismus. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede verbinden die Konstruktion der Figuren „Schwarzer“, „Jude“ und „Muslim?“ Welche grundlegenden Strukturen sozialer Exklusion lassen sich nachzeichnen? Welche Wechselwirkungen sowie Projektionen auf die jeweils anderen Minderheiten gibt es? Wie können intersektionale Perspektiven helfen, Rassismus die Stirn zu bieten?

Dr. Zülfukar Çetin arbeitet an der Universität Basel im Department Geschichte und lehrt an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin im Bereich Soziale Arbeit. Seine Doktorarbeit zu Homophobie und Islamophobie wurde 2014 im Rahmen des Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahrs mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Er publizierte 2015 gemeinsam mit Savaş Taş das Interviewband „Gespräche über Rassismus. Perspektiven & Widerstände (Verlag Yilmaz-Günay)" und 2016 das Buch "Schwule Sichtbarkeit, schwule Identität. Kritische Perspektiven (gemeinsam mit Heinz-Jürgen Voß beim Psychosozial Verlag)".  Zurzeit ist er Vorstandsmitglied und Sprecher des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg.

Veranstaltungsdatum:
Dienstag, 21.11.2017
18 Uhr

Veranstaltungsort:
Soziokulturelles Zentrum, R. 1.05
Zielona-Gora- Str. 16, 03048 Cottbus

Der Eintritt ist kostenfrei, eine Anmeldung (rechte Spalte) ist erforderlich.

Kontakt und Informationen:

Simone Klee/Birte Kaspers
klee@boell-brandenburg.de /kaspers@boell-brandenburg.de
Tel: 0331 200 578 16
www.boell-brandenburg.de

Die Veranstaltungsreihe ist Teil des Projektes CUCHA - Cultural Challenges – Fairness und Verantwortung für unsere Kommunen”. Sie findet in Kooperation mit der Stadt Cottbus statt und wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert.