Landlust: Über die neue Sehnsucht nach der Provinz

Landlust: Über die neue Sehnsucht nach der Provinz

Wohlfühlzeitschriften wie Landlust, Flow und Weekender boomen. Die Datsche in der Uckermark ist für Berliner Kultur- und Medienmenschen der Sehnsuchtsort der Saison. Und auf dem Tempelhofer Feld ziehen sie Zucchini und Tomaten. Vielleicht wecken unruhige Zeiten ganz selbstverständlich den Wunsch nach einem Rückzug ins Idyll. Dann wäre Urban Gardening eine hochplausible Reaktion auf das Regiment des digitalen Freelancerkapitalismus, der sich vor allem durch zwei Dinge auszeichnet: Unsicherheit und Abstraktion. Dreht man den Gedanken noch etwas weiter, flackern hinter jedem Eintopfrezept aus der Landlust eigentlich die verdrängten Nachrichtenbilder von Bürgerkriegen, Flüchtlingsbooten und europäischer Schuldenkrise.

Wo aber verläuft die Grenze zwischen legitimen Pausen, ohne die noch die engagierteste Menschenrechtsaktivistin keine drei Wochen durchhält, und apolitischer Weltflucht? Was unterscheidet den Nachmittag im Gemeinschaftsgärten vom Freibad- oder Kinobesuch?

Wir sprechen mit der Journalistin Julia Friedrichs über die neue Sehnsucht nach der Provinz, über Inseln des Eskapismus, selbstgemachten Apfelkuchen und den Langstreckenlauf des politischen Engagements.

Mit:

  • Julia Friedrichs, Journalistin und Buchautorin. Ihr jüngstes Buch "Wir Erben - Was Geld mit Menschen macht" erschien im Frühjahr 2015 im Berlin Verlag

Moderation: Peter Siller, Heinrich-Böll-Stiftung

 

Hinweis: Die Veranstaltung wird als Livestream übertragen.

 

Hintergrund
In welcher Welt leben wir? So banal es klingt, es gehört zum Schwierigsten, Abstand zu gewinnen – auf die Höhe zu gehen – um das eigene Jetzt klarer zu sehen. Zeitgeistige Bestseller gibt es viele, erhellende Zeitdiagnosen sind selten. Schauen wir also, wo interessante Perspektiven auf unsere Gegenwart eröffnet werden. Versuchen wir einen ungewohnten, gerne auch schrägen  Blick, der uns die Gegenwart anders sehen lässt. 35 Jahre nach den "Stichworten zur 'geistigen Situation der Zeit'" nehmen wir mit der Vortragsreihe "Auf der Höhe" das Experiment nochmals auf. Abermals fragen wir Intellektuelle zu zentralen gesellschafts- und kulturdiagnostischen Stichworten unserer Zeit. In den nächsten Monaten und Jahren buchstabieren wir das Alphabet durch, von A wie Authentizität über D wie Drastik, J wie Jugend, ewige bis R wie Retro und Z wie Zombie.

In Medienpartnerschaft mit taz und der Freitag.

 

Information:
Stephan Depping
Grüne Akademie
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Email: depping@boell.de
Telefon: 030 - 285 34223