Diskussionsreihe Donnerstag, 26. April 2018 in
Berlin

Lesekreis: "Auf der Suche nach dem kritischen Bewusstsein"

2. Block, 4. Sitzung

Datum, Uhrzeit
Donnerstag, 26. April 2018, 19.00 Uhr – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

In diesem alle zwei Wochen stattfindenden Lesekreis setzen wir uns mit kritischen Texten auseinander, in denen die bestehende Gesellschaft als eine zu verändernde begriffen wird. Perspektiven der Befreiung zu finden und zu entwickeln ist dabei unser leitendes Motiv. Fristet die radikale Gesellschaftskritik an den Universitäten und Schulen nur ein Schattendasein, soll sie in diesem Lesekreis im Mittelpunkt stehen. Alle sind eingeladen sich an dieser Suche zu beteiligen. Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung - die Bereitschaft zu lesen und sich auseinanderzusetzen schon. Für einen leichteren und überschaubareren Zugang haben wir den Lesekreis in Blöcke à 4-5 Sitzungen eingeteilt.

Es können auch nur einzelne Sitzungen besucht werden, aber da sich die Texte mitunter aufeinander beziehen, bietet es sich jedoch an, einen ganzen Block zu besuchen und dann am liebsten immer wieder zu kommen.


Block: Antisemitismus

Ob es einen zunehmenden Antisemitismus in der heutigen Gesellschaft gibt ist höchst umstritten. Manche sehen ihn mit dem Ende des NS-Faschismus als beendet an. Andere Positionen sehen im Antisemitismus eine Unterart des Rassismus. Die Kritische Theorie sieht die Verknüpfung von Jüd*innen mit der Zirkulationssphäre als spezifisch antisemitisch an. Auch wenn der Antisemitismus nach der Niederlage des NS-Faschismus verschiedene Wandlungen durchlaufen hat, tauchen die Bilder von den Jüd*innen als weltbeherrschender Macht und ihre Verknüpfung mit der Finanzsphäre auch immer noch in der klassischen Form auf.

Daneben haben sich als Reaktion darauf, zusätzlich verschiedene andere Formen entwickelt.

Der strukturelle Antisemitismus, der ganz ohne Jüd*innen als Hassobjekt auskommt, aber dessen Denkstruktur zutiefst antisemitisch ist.

Der sekundäre Antisemitismus, der gerade weil es den Holocaust gab, durch Schuldabwehr und Projektion mit permanenten Holocaustvergleichen den Staat Israel attackiert.

Der antizionistische Antisemitismus, der durch Dämonisierung, Delegitimierung und Double Standards den Staat Israel zum primären Hassobjekt gemacht hat und mit dem Argument der berechtigten Israelkritik allen Antisemitismus von sich weist.

In diesem Block werden wir uns vor allem mit der Theorie des Antisemitismus beschäftigen:


Am 26. April ist die Textgrundlage ein Kapitel aus dem Buch "Die Sprache der
Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert" von Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz .

Die beiden Autor*innen unterscheiden zunächst Kritik an Israel von Antiisraelismus, der antisemitisch ist. Von der Art der Argumentation ist dies leicht möglich und durch die vielen realen Beispiele sehr anschaulich belegt. Die Auswertung von tausenden von Zuschriften/mails usw. an die israelische Botschaft in Berlin und an den Zentralrat der Juden in Deutschland bildet bei ihrer Untersuchung die breite empirische Basis.

Mit: Micky Haque

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin