Diskussionsreihe Donnerstag, 17. Mai 2018 in
Berlin

Lesekreis: "Auf der Suche nach dem kritischen Bewusstsein"

2. Block, 5. Sitzung

Datum, Uhrzeit
Do.., 17. Mai. 2018,
19:00  – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)

In diesem alle zwei Wochen stattfindenden Lesekreis setzen wir uns mit kritischen Texten auseinander, in denen die bestehende Gesellschaft als eine zu verändernde begriffen wird. Perspektiven der Befreiung zu finden und zu entwickeln ist dabei unser leitendes Motiv. Fristet die radikale Gesellschaftskritik an den Universitäten und Schulen nur ein Schattendasein, soll sie in diesem Lesekreis im Mittelpunkt stehen. Alle sind eingeladen sich an dieser Suche zu beteiligen. Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung - die Bereitschaft zu lesen und sich auseinanderzusetzen schon. Für einen leichteren und überschaubareren Zugang haben wir den Lesekreis in Blöcke à 4-5 Sitzungen eingeteilt.

Es können auch nur einzelne Sitzungen besucht werden, aber da sich die Texte mitunter aufeinander beziehen, bietet es sich jedoch an, einen ganzen Block zu besuchen und dann am liebsten immer wieder zu kommen.


Block: Antisemitismus

Ob es einen zunehmenden Antisemitismus in der heutigen Gesellschaft gibt ist höchst umstritten. Manche sehen ihn mit dem Ende des NS-Faschismus als beendet an. Andere Positionen sehen im Antisemitismus eine Unterart des Rassismus. Die Kritische Theorie sieht die Verknüpfung von Jüd*innen mit der Zirkulationssphäre als spezifisch antisemitisch an. Auch wenn der Antisemitismus nach der Niederlage des NS-Faschismus verschiedene Wandlungen durchlaufen hat, tauchen die Bilder von den Jüd*innen als weltbeherrschender Macht und ihre Verknüpfung mit der Finanzsphäre auch immer noch in der klassischen Form auf.

Daneben haben sich als Reaktion darauf, zusätzlich verschiedene andere Formen entwickelt.

Der strukturelle Antisemitismus, der ganz ohne Jüd*innen als Hassobjekt auskommt, aber dessen Denkstruktur zutiefst antisemitisch ist.

Der sekundäre Antisemitismus, der gerade weil es den Holocaust gab, durch Schuldabwehr und Projektion mit permanenten Holocaustvergleichen den Staat Israel attackiert.

Der antizionistische Antisemitismus, der durch Dämonisierung, Delegitimierung und Double Standards den Staat Israel zum primären Hassobjekt gemacht hat und mit dem Argument der berechtigten Israelkritik allen Antisemitismus von sich weist.

In diesem Block werden wir uns vor allem mit der Theorie des Antisemitismus beschäftigen:


Am 17. Mai lesen wir von Bassam Tibi : "Der djihadistische Islamismus - nicht der Islam - ist die zentrale Quelle des neuen Antisemitismus"

In diesem Text versucht Tibi nachzuweisen, dass der zunehmende Antisemitismus in der islamischen Welt historisch kein wesentlicher Bestandteil des Islam war, sondern erst Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts durch verschiedene religiöse Führer ins Leben gerufen wurde. Westliche antisemitische Verschwörungstheorein wie die "Protokolle der Weisen von Zion" werden dabei als zentrale Bausteine in einen entstehenden djihadistischen Islamismus integriert und verbreitet.

Neben der Verfolgung dieser Entwicklung bis heute und seine Auswirkung auf die islamischen Menschen in Europa - wobei Tibi klar zwischen Islam und Islamismus unterscheidet - setzt er sich auch kritisch und differenziert sowohl mit der Überhöhung als auch mit der Verharmlosung des "Feindbild Islam" auseinander.

Seine Hoffnung ist an die tolerante Tradition des Islams aus den Zeiten Cordobas anzuknüpfen und ihn in einer liberalen Art und Weise in die heutige Zeit zu überführen. Dafür müßten aber dringend die weit verbreiteten Vorstellungen einer jüdisch-amerikanischen Weltverschwörung überwunden werden.


Mit: Micky Haque

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin