Lesekreis »Auf der Suche nach dem kritischen Bewußtsein«

Lesekreis »Auf der Suche nach dem kritischen Bewußtsein«

Block "Wahn und Befreiung" | 1. Sitzung
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In diesem alle zwei Wochen stattfindenden Lesekreis setzen wir uns mit kritischen Texten auseinander, in denen die bestehende Gesellschaft als eine zu verändernde begriffen wird. Die Suche Perspektiven der Befreiung zu finden und zu entwickeln ist dabei unser leitendes Motiv. Fristet die radikale Gesellschaftskritik an den Universitäten und Schulen nur ein Schattendasein, soll sie in diesem Lesekreis im Mittelpunkt stehen. Alle sind eingeladen sich an dieser Suche zu beteiligen. Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung – die Bereitschaft zu lesen und sich auseinanderzusetzen schon.

Der gewöhnliche Ablauf wird sein, dass wir die Texte zu Hause lesen, ich sie in der Sitzung kurz zusammenfasse, und wir sie dann gemeinsam diskutieren. Für einen leichteren und überschaubareren Zugang haben wir den Lesekreis in Blöcke a 4-5 Sitzungen eingeteilt.

Nachdem der 1. Block »Psychologie der Befreiung« abgeschlossen wurde, beginnen wir nun mit einem neuen Block: "Wahn und Befreiung"

 

Im Block "Wahn und Befreiung" geht es vor allen Dingen um die zunehmende Bereitschaft vieler Menschen in der sogenannten westlichen Welt,  übermächtig erscheinende und unbegriffene gesellschaftliche Entwicklungen in einfache Erklärungsmuster mit klaren Feindbildern umzuwandeln.

Ist für das Erkennen der Welt intensive kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen notwendig, erlaubt der Wahn die eigene Ohnmacht durch das Verschmelzen mit einem starken Kollektivsubjekt zu überwinden und die vermeintliche Verbesserung der eigenen Lage durch das Bekämpfen einer als Ursache für das Elend verantwortlich gemachten Gruppe, zu erreichen. Oft stecken vermeintlich im Verborgenen wirkende Kräfte dahinter, die als unberechenbar mächtig wahrgenommen werden.  Alles zusammen wird zu einem wahnhaften System zusammengefügt, das durch vernünftige Argumente kaum mehr zu erreichen ist.

Beginnen werden wir am 23. März mit dem Text „Rechtsextremismus der Mitte und sekundärer Autoritarismus“ von Oliver Decker, Mitherausgeber der Leipziger Studie „Die enthemmte Mitte“, die als weitere Grundlage dienen wird. Er betrachtet darin die aktuellen Tendenzen eines neuen Autoritarismus, der ohne einen Führer auskommt. An seine Stelle treten Identifikationsobjekte wie die D-Mark oder die starke Wirtschaft. Alle Menschen, die als Bedrohung oder „Schmarotzer“ wahrgenommen werden, gelten dabei als zu bekämpfende Feinde.

Am 13. April geht es weiter mit dem Text „Der antisemitische Wahn - Aktuelle Ansätze zur Psychoanalyse einer sozialen Pathologie“ von Rolf Pohl, einem Soziologen und Sozialpsychologen. Er setzt sich darin mit dem Antisemitismus aus der Sicht der neueren Psychoanalyse und der Kritischen Theorie auseinander.

Beim dritten Termin, dem 27.4. beschäftigen wir uns mit der Seite des Demagogen. In seinem Buch „Falsche Propheten“ beschäftigt sich Leo Löwenthal mit der Struktur und den Ressentimentfördernden Reden von Hasspredigern und wie diese Reden auf die Menschen wirken.

Der Abschluß des Blocks wird vermutlich am 18. Mai stattfinden. Das Thema ist noch nicht ganz klar. Vielleicht etwas von Foucault oder etwas zu Verschwörungstheorien. Das kommt auch auf die Interessen der Teilnehmenden an.

 

Mit: Micky Haque

 

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.