Literatur sucht WG

Literatur sucht WG

Lesungen
Creator: Mathias Bothor. All rights reserved.

Mit der Reihe "Literatur sucht WG" bringen wir die Autor*innen direkt zu den Zuhörer*innen nach Hause in Küche oder Wohnzimmer: Den ganzen Abend wird gelesen, diskutiert, gegessen und getrunken.

Zum 100. Geburtstag von Heinrich Böll laden wir Böll-Stipendiat*innen und Gäste von Haus Langenbroich ein. Seit mehr als 20 Jahren beherbergt das ehemalige Haus der Familie Böll Stipentiat*innen, deren Schaffen in ihren Heimatländern meist aus politischen Gründen behindert wird. Derzeit sind es Kulturschaffende aus Syrien. Autor*innen, die nach Deutschland geflohen sind, berichten nicht nur über ihre persönlichen Gründe der Flucht und über ihre Fluchterfahrungen, sondern auch über ihre Begegnungen mit dem Leben in der neuen Heimat. Sie vergleichen die Vergangenheit mit dem gefühlten bzw. dem erlebten Jetzt und möchten in einen Dialog treten.

 

In Kooperation mit dem Kulturhaus Karlstorbahnhof Heidelberg,
der Heinrich-Böll-Stiftung (Bund) und
der Freunde Arabischer Kunst und Kultur e.V.

Ort: Verschiedene WGs in Heidelberg

Sa, 16. September 2017

Widad Nabi
1985 in Kobani/Syrien geboren, lebt heute in Berlin. Die kurdisch-syrische Lyrikerin und Autorin absolvierte einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Aleppo. Sie hat für zahlreiche arabische Zeitschriften und Zeitungen geschrieben. Einige ihrer Texte erschienen auf Englisch, etwa im Tulips Magazine in Washington, und auf Französisch, zum Beispiel in der Anthropologie „L’amour au temps de l’insurrection et de la guerre“ (herausgegeben von Maram Al-Masri im Verlag Le Temps des Cerises). 2013 erschien ihr Buch „Zeit fūr Liebe, Zeit fūr Krieg“ in Aleppo. 2016 folgte „Syrien und die Sinnlosigkeit des Todes“ in Beirut (beide in arabischer Sprache). In Deutschland wurden erste Texte in der Anthologie „Weg sein – hier sein“ im Secession Verlag und in der von Khalid Al-Maaly herausgegebenen Anthologie „Die Flügel meines schweren Herzens“ bei Manesse veröffentlicht. 2017 nahm Widad Nabi am Poesiefestival in Berlin teil und gehört zu den Autor*innen des literarischen Portals „Weiter Schreiben. Jetzt“ , das Schreibenden aus Krisen- und Kriegsgebieten die Möglichkeit des literarischen Austauschs und der Fortführung ihres literarischen Schaffens gibt.

Lina Atfah
wurde 1989 in Salamiyyah/Syrien geboren und hat in Damaskus arabische Literatur studiert. Sie hat für verschiedene Zeitungen und Kulturmagazine geschrieben und einen Gedichtband mit dem Titel „Am Rande der Befreiung“ veröffentlicht. Als Autorin, die sich von Beginn an mit sozialen und politischen Fragen auseinandergesetzt hat, geriet Lina Atfah immer mehr in Konflikt mit dem Assad-Regime. 2006, im Alter von siebzehn Jahren, wurde sie der Gotteslästerung und der Beleidigung des Staates beschuldigt und von allen kulturellen Veranstaltungen ausgeschlossen. Als Teilnehmerin an den Demonstrationen gegen das Regime und nach mehreren Untersuchungen und Drohungen der Sicherheitsbehörden erhielt sie schließlich die Erlaubnis, das Land zu verlassen. Über den Libanon ist Lina Atfah nach Deutschland gekommen, wo ihr Mann zu dieser Zeit bereits lebte. Auch von Lina Atfah wurden erste Texte in der Anthologie „Weg sein – hier sein“ auf Deutsch veröffentlicht. Durch „Weiter Schreiben. jetzt“ bringt auch sie sich in einen transkulturellen Dialog ein.

Do, 26. Oktober 2017

Galal Alahmadi
1987 in Saudi-Arabien geboren und im Jemen aufgewachsen, ist einer der bekanntesten Dichter des Jemen und hat es in der arabischsprachigen Welt schon zu einigem Ruhm gebracht. 2010 gewann er den „Preis des Präsidenten“ auf lokaler, ein Jahr später dann auf nationaler Ebene. 2014 wurde er mit dem Abdulaziz-Al-Makaleh-Preis ausgezeichnet. Zudem hat Galal Alahmadi als Journalist und Redakteur für verschiedene arabische Zeitungen und Magazine gearbeitet. Bis September 2016 war er Literaturstipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung. Galal Alahmadi hat bislang vier Gedichtbände auf Arabisch veröffentlicht: „Ein Baum zum Bedauern und mehr“ (2011), „Ich kann mit niemandem weinen“ (2012), „Damit der Dschungel aus meiner Brust verschwindet“ (2013) und „Die Stufen des Hauses steigen allein herab“ (2015), außerdem erschienen eine Auswahl seiner Gedichte in der Anthologie "Weg sein – Hier sein" (Secession Verlag). Im August 2017 kürte die Jury des renommierten, nach dem ägyptischen Dichter Mohammed Afifi Matar benannten Dichter-Wettstreit Galal al-Ahmadi zum diesjährigen Preisträger. Der Preis wird in Kairo verliehen.

Noor Kanj
1990 in Suweida/Syrien geboren, hat dort Informatik und Wirtschaftswissenschaften studiert, wechselte wegen des Krieges auf die private International University for Science and Technology in Damaskus. 2014 verließ sie Syrien und zog in den Libanon. 2016 kam sie mit einem Literaturstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung nach Deutschland. Gedichte der Lyrikerin wurden unter anderem im arabischsprachigen Sammelband „Neue Syrische Dichtung“ und der deutschsprachigen Anthologie „Weg sein – hier sein“ veröffentlicht. Noor Kanj hat für verschiedene arabische Zeitungen und Magazine geschrieben. Ihre Lyrik inzwischen bei zahlreichen Lesungen in Deutschland vorgestellt. Zur Zeit nimmt sie am Programm „Verschmuggel“ des Berliner Hauses der Poesie teil, bei dem jeweils ein deutschsprachiger und ein fremdsprachiger Lyriker ihre Texte gemeinsam übersetzten.

Do, 16. November 2017

Ramy Al-Asheq
ist ein syrisch-palästinensischer Lyriker, Schriftsteller und Journalist. Er wurde 1989 in Al Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren und wuchs in Damaskus auf. Ab 2011 beteiligte er sich an der Revolution in Syrien, wurde verhaftet und musste nach seiner Freilassung nach Jordanien fliehen. Dort veröffentlichte er 2014 seinen ersten Gedichtband Walking on Dreams, Al-Ayyam Verlag. Im gleichen Jahr kam Al-Asheq mit einem Autorenstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung nach Deutschland. Im Dezember 2015 gründete er Abwab, die erste arabische Zeitung Deutschlands. Im Februar 2016 wurde er von der Al-Qattan Stiftung in Ramallah mit einem Literaturpreis ausgezeichnet. Im Herbst 2016 erschien seine erste Prosasammlung "Since I Didn’t Die", Bayit Al-Muatan Verlag, im Frühjahr 2017 sein zweiter Gedichtband "My Travel Outfit", Al-Qattan/Al-Ahlieah Verlag. „Seit ich nicht gestorben bin“ erschien 2016 in der Anthologie "Weg sein – Hier sein" (Secession Verlag).