L3 Lebensstile, Landwirtschaft Lebensmittel

L3 Lebensstile, Landwirtschaft Lebensmittel

Wie jetzt, nur besser? Öffentliche Ringvorlesung

„Wie kann die Land- und Ernährungswirtschaft auch zukünftig umwelt- und sozialverträglich produzieren und die wachsende Weltbevölkerung ernähren?“

Die moderne Landwirtschaft ist in einem Dilemma, das seinen Ausdruck in Missständen und Unzufriedenheit seitens der Verbraucher_innen, aber auch der Landwirt_innen findet. Auf der einen Seite soll möglichst effizient und kostengünstig und auf der anderen Seite nachhaltig, tierfreundlich und artgerecht produziert werden. Hier setzt die Ringvorlesung an: Wie kann Land- und Ernährungswirtschaft neu gedacht werden, zwischen ökologischer und industrieller Produktion? Die Referierenden aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft stellen aktuelle Trends und Denkmodelle vor und skizzieren künftige Veränderungen und Problematiken.

Die Ringvorlesung wird Kompromisse aufzeigen und die Thematik facettenreich beleuchten, um so eine neue Erzählung einer Land- und Ernährungswirtschaft mit Zukunftsperspektive zu entwickeln. Weg von dogmatischem Schlagabtausch, in zu einer kontroversen Debatte über eine sozial- und umweltverträgliche Landwirtschaft.

19. Okt. 2015
Ernährung und Landwirtschaft - Aufgaben bis 2042
Die Agrarpolitik Anfang 2000 unter Rot-Grün gilt als wichtiger Schritt für eine Umstellung der Landwirtschaft auf ökologischen Landbau. Wie zukunftsweisend waren die Impulse von damals? Welche Herausforderungen ergeben sich mit Blick auf die nächste europäische Agrarreform 2020 und welche Neuausrichtung braucht die Agrarpolitik bis 2042? Renate Künast, Bundeslandwirtschaftsministerin a.D., spricht über die Herausforderungen für die Land- und Ernährungswirtschaft und den Lebensmittelhandel, in Zukunft für eine ausgewogene Ernährung zu sorgen, die auf nachhaltig hergestellten Lebensmitteln beruht und damit den Anforderungen eines wachsenden „foodmovement“ gerecht wird.
Referentin: Renate Künast MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz

26. Okt. 2015
Eine Frage der Kultur. Dürfen wir Tiere essen?

Haben Tiere Rechte? Und wenn ja, welche? Seit Jahren bestimmen diese und weitere Fragen die Diskussion um das hoch widersprüchliche Mensch-Tier-Verhältnis. Eine tragende
Rolle spielt dabei die vegetarische und vegane Bewegung, die ein wachsendes Interesse verbucht. Der Bewegung angeschlossene Tierschützer_innen fordern eine ethische Aufwertung der Tiere. Im starken Kontrast dazu stehen vor allem der hohe Konsum von Fleisch und weiteren tierischen Produkten. Doch wie genau können wir annehmbar mit Tieren umgehen? Sind Menschen, die keine tierischen Produkte essen, die besseren Menschen? Und was bedeutet all das für die zukünftige Landwirtschaft? Konstantinos Tsilimekis wird auf diese Fragen eingehen und dabei die Forderung nach einer nachhaltigen Ernährungskultur stellen.
Referent: Konstantinos Tsilimekis, Leiter Wissenschaftsressort der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Berlin
(!) Die Veranstaltung findet abweichend um 19.30 Uhr im Glockenhaus statt.

02. Nov. 2015
Wege zu einer nachhaltigen Agrar- und Ernährungskultur
Landwirtschaft und hier vor allem die Nutztierhaltung spielen eine wichtige Rolle für die deutsche Agrarwirtschaft und auch für den Natur- und Kulturlandschaftsschutz. Der ökonomisch guten Entwicklung stehen allerdings Defizite in vielerlei Hinsicht entgegen. Die Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft setzt vor allem einen Diskurs über Handlungsmöglichkeiten und Methoden in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft voraus. Prof. Dr. Achim Spiller zeigt aktuelle Trends in Wissenschaft und Politik auf. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim BMEL, u.a. Mitverfasser des Gutachtens über „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ und Entwickler des Tierwohl-Labels für den Tierschutzbund.
Referent: Prof. Dr. Achim Spiller, Georg-August Universität Göttingen

09. Nov. 2015
„Otto-Moralverbraucher. Vom Sinn und Unsinn engagierten Einkaufens“
Nirgendwo stellt sich die Frage offensichtlicher als im Supermarkt: „Greife ich zu biologisch oder konventionell hergestellten Produkten?“ Beim Einkauf ist immer noch der Preis vor der Qualität der Lebensmittel ausschlaggebend. Viele Skandale haben das Misstrauen gegenüber der Lebensmittelindustrie wachsen lassen. Wenn ich „Bio“ kaufe – ist dann auch wirklich „Bio“ drin? Wie kann man sicher sein, tatsächlich hochwertige Produkte in den Händen zu halten? Wie kann vor diesem Hintergrund das Bewusstsein der Verbraucher_innen gestärkt werden, das eigene Einkaufsverhalten stärker zu reflektieren? Und vor allem: Was kann ich als Konsument_in erreichen und wo bin ich als Bürger_in gefragt?
Referent: Caspar Dohmen, Wirtschaftsautor für Print, Hörfunk und Online

16. Nov. 2015
Leitbilder für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungskultur

Die Politik sieht sich mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontroversen konfrontiert: Verbraucherinnen und Verbraucher legen immer mehr Wert auf regionale und tiergerecht erzeugte Produkte, gleichzeitig geben deutsche Haushalte im Vergleich immer weniger für Nahrungsmittel aus. Wie passt das zusammen? Politiker_innen müssen bei ihren Entscheidungen nicht nur gesellschaftliche Erwartungen erfüllen. Klima, Böden, Gewässer und die Tier- und Pflanzenwelt erzeugen ihrerseits Handlungszwänge. Wohin entwickelt sich die Landwirtschaft und welche Rolle spielt dabei die Politik? Wie kann sie sicherstellen, dass nicht entweder ökonomisch oder ökologisch produziert wird, sondern dass das eine das andere nicht mehr ausschließt?
Referent: Dr. Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein

23. Nov. 2015
Die industrielle Landwirtschaft: Effizient oder verschwenderisch?
Das größte Argument der Agrarindustrie: Effizienz. Immer mehr Fleisch, Milch und Eier. Immer stärker setzt die Landwirtschaft auf „Masse statt Klasse“ und produziert ein System der Hochleistungslandwirtschaft. Zugleich sind viele Bäuerinnen und Bauern hoch verschuldet und abhängig von Preis, Markt und Großkonzernen, die Futter und Medikamente verkaufen. Ein alternativloses System? Tanja Busse zeigt, warum die sogenannte effiziente Landwirtschaft auf Verschwendung beruht und zeigt Möglichkeiten einer nachhaltigen Landwirtschaft und Handlungsalternativen auf.
Referentin: Dr. Tanja Busse, Journalistin und Autorin („Die Wegwerfkuh“)

30. Nov. 2015
Agrarwende selber machen?

Druck machen und kreativ verändern – wie geht das eigentlich? Die „Aktion Agrar“ kritisiert mit Aktionen und Kampagnen die industrielle Landwirtschaft und kämpft für eine sozialverträgliche und tiergerechte Ausgestaltung einer zukünftigen Ernährungswirtschaft. Die Ansatzpunkte und Perspektiven sind vielfältig: Die Zukunft von Klima und Artenreichtum verlangen Denken in großen Maßstäben und Handeln in kleinen Mustern. Wenn lokales Tun globale Auswirkungen hat, bekommt persönliche Verantwortung mit Blick auf Konsumverhalten und Aktionismus eine neue Perspektive. Jutta Sundermann zeigt Möglichkeiten auf, bei der Gestaltung zukünftiger Landwirtschaft selbst mit anzupacken.
Referentin: Jutta Sundermann, Aktion Agrar - Landwende jetzt!

07. Dez. 2015
Genug statt mehr - Paradigmenwechsel
in der internationalen Agrardebatte
Bodenpreise explodieren weltweit. Den Boden gewinnbringend zu verpachten, ist oft lukrativer als ihn selbst zu bewirtschaften. Betriebsgrößen wachsen, gefördert durch eine entsprechende Agrarsubventionspolitik. Landwirtschaft ist erst mal ein Geschäft. Sie muss Gewinn abwerfen. Welche soll sich zukünftig rechnen, welche nicht? Benedikt Haerlin schlägt einen Bogen vom Status Quo zu Konsum, Agrarwende, den Anforderungen an politisches Handeln, aber auch den Möglichkeiten, die der eigene Lebensstil und Konsum bieten.
Referent: Benedikt Haerlin, Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Berlin

14. Dez. 2015
Ohne Bodenschutz, keine zukunftsfähige Landwirtschaft

Zukunftsfähige Landwirtschaft setzt nachhaltiges Bodenmanagement und einen gerechten Zugang zu Land voraus. Der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Böden nimmt in der Debatte um eine nachhaltige Ernährungspolitik aber nur eine untergeordnete Rolle ein. Bindende internationale Vereinbarungen zum Schutz der Böden adressieren nur Teilbereiche. Dr. Jes Weigelt vom IASS konstatiert: Boden und Land müssen als Querschnittsthema in der post-2015 Agenda behandelt werden, um so zu ihrer nachhaltigen Nutzung beizutragen.
Referent: Dr. Jes Weigelt, Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

04. Jan. 2016
Das ist unsere Zukunft! Chancen, Ängste und Entwicklung der Landwirtschaft aus Sicht der jungen Generation
Welche Zukunftsperspektive hat die Jugend in der Landwirtschaft und auf dem Land? Zwischen einer prekären Landvergabepolitik vieler Regionen und der wachsenden Konkurrenz mit Großbetrieben bewegt sich die finanzielle Zukunft klein- und mittelständischer Höfe und Betriebe. Der romantischen Verklärung des idyllischen Landlebens stehen außerdem die Imageprobleme junger Landwirt_innen entgegen. Wie attraktiv ist eine Zukunft in landwirtschaftlicher Produktion und Erzeugung für junge Landwirt_innen? Welche Anreize müssen gesetzt werden, um junge Menschen auch für nachhaltiges Wirtschaften zu begeistern?
Referentin: Julia Bar-Tal, Organischer Landbau in Bienenwerder e.V. (angefragt)

11. Jan. 2016
Land, Leben, Zukunft. Landwirtschaft und Ernährung im 21. Jahrhundert am Beispiel des Südlichen Afrika.

Diese Vorlesung will die in den letzten Jahren im Südlichen Afrika erfolgten Veränderungen in der Landwirtschaft untersuchen und deren Auswirkungen auf die Versorgungssysteme und auf die Lebensstile analysieren. Ist die Landwirtschaft in ihren aktuellen globalen Trends zukunftsfähig? Diese Frage und viele mehr sollen in dieser Vorlesung diskutiert werden.
Referent: Dr. Boniface Mabanza, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA, Heidelberg
(!) Die Veranstaltung findet abweichend um 19.30 Uhr im Glockenhaus statt.

18. Jan. 2016
Wir holen die Landwirtschaft in die Stadt!
Landwirtschaften in der Stadt? Und das auch noch biologisch? Hinter dem Schlagwort „Urban Gardening“ verbirgt
sich der Wunsch, die Natur zurück in die Stadt zu holen. Sind diese Projekte Zukunftsmodelle, um Brücken zu schlagen zwischen urbanen und ländlichen Räumen? laden ein
Kann gar eine innerstädtische Selbstversorgung mit grünen Oasen und neuem soziokulturellen Raum, abseits der Agrarindustrie gelingen? Kasia Klein und Marco Clausen zeigen
Chancen, Tendenzen und Widrigkeiten der Urban-Gardening-Bewegung auf, und diskutieren über ihr Zukunftsmodell moderner Landwirtschaft.
Referent_innen: Kasia Klein, Gartendeck Hamburg, und Marco Clausen, Prinzessinnengärten Berlin

25. Jan. 2016
Science meets Politics
Ein Abschlusspanel diskutiert die Kernaussagen und zentralen Themen der Ringvorlesung.
Prof. Dr. Peter Pez, Leuphana Universität Lüneburg, diskutiert mit Christian Meyer, nds. Landwirtschaftsminister,
Dr. Christine Chemnitz, Referentin für Internationale Agrarpolitik in der Heinrich-Böll-Stiftung und Prof. Dr. Carola Strassner, FH Münster

Veranstaltungsort: Hörsaal 4, Campus Scharnhorststraße | Am 26.10.2015 und 11.01.2016, jeweils um 19.30 Uhr im Glockenhaus, Glockenstraße 9, Lüneburg | Die Veranstaltungsorte sind barrierefrei zugänglich.

Veranstalterinnen: Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Nds.
Leuphana Universität Lüneburg, www.leuphana.de und Leuphana Universitätsgesellschaft e.V., www.leuphana.de/universitaetsgesellschaft

Information und Kontakt: Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Nds. | Warmbüchenstraße 17 | 30159 Hannover | info@slu-boell.de | www.slu-boell.de