Rohkunstbau Kunstfestival XXIII: Die Schönheit im Anderen

Rohkunstbau Kunstfestival XXIII: Die Schönheit im Anderen

Filmreihe vom 22. Juli bis 9. September 2017
Creator: Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg. All rights reserved.

Ab Samstag dem 22. Juli bis zum 09. September wird der XXIII. ROHKUNSTBAU von einer Filmreihe begleitet, die sich bis zum Ausstellungsende wöchentlich in Porträts mit Künstlerinnen und Künstlern der Vergangenheit und Gegenwart als öffentliche Intellektuelle auseinandersetzt.

Mit der gesellschaftlichen Zuspitzung der in der Ausstellung angesprochenen Themen sind sowohl Intellektuelle als auch Künstler/innen mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gefragt. Wie können durch die Kunst aber auch durch die Kunst des Wortes die Menschenrechte und die freiheitlichen Werte verteidigt werden? Im Filmprogramm, das die Ausstellung begleitet, stehen Porträts von Künstlerinnen und Künstlern im Zentrum, die sich dieser Verantwortung stellen. Für sie ist die Erfahrung der Andersheit bestimmend, sie bewegen sich nicht selten in einer Subkultur, sind ihrer Zeit voraus, sprengen Grenzen oder werden politisch verfolgt. Die ausgewählten Filme zeigen als Essays neben der jeweiligen künstlerischen Entwicklung auch das Umfeld, die gesellschaftlichen Reaktionen und reflektieren ihr Verhältnis zum Kunstmarkt.

Die Termine:

22.07.2017   
HEINRICH BÖLL: EINE DEUTSCHE ERINNERUNG
(D 1992, 90 Min.)
Regie: Adalbert Wiemers, Sprecher: Christian Brückner.

Mit dem Auftaktfilm der Filmreihe HEINRICH BÖLL – EINE DEUTSCHE ERINNERUNG (1992) wird der Schriftsteller, Nobelpreisträger und Präsident des Internationalen PEN-Clubs Heinrich Böll gewürdigt. Im Dezember ist sein hundertster Geburtstag. Böll legte sich mit der politischen Linken wie der Rechten an, mit der katholischen Kirche ebenso wie mit der Presse. Er setzte sich für Flüchtlinge aus Vietnam ein und für Dissidenten in Osteuropa. Er war Humanist, aber kein Moralist, und überzeugt, dass „Sprache, Liebe, Gebundenheit den Menschen zum Menschen machen“.
Ein Künstler und intellektueller, der mit seiner Haltung auch zu aktuellen Konflikten Wesentliches beizutragen hat. So bringt der Film beispielsweise Themen wie die Rechtfertigung von Gewalt oder die Grenze zwischen Meinungsäusserung und Schmähung zur Sprache. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse beim G-20-Gipfel oder den Auseinandersetzungen um Jan Böhmermann’s Satire mag mancher erstaunt sein, wie klarsichtig sich Bölls Position ausnimmt.

29.07.2017    
BEUYS
(D 2017, 107 Min.)
Regie: Andres Veiel
Mit Caroline Tisdall, Rhea Thönges-Stringaris, Franz Joseph van der Grinten, Johannes Stüttgen, Klaus Staeck

Gerade so streitbar ist Joseph Beuys als Person und Künstler in Andres Veiels  BEUYS (2017) zu erleben. Veiel und seine Editoren Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer zeichnen in ihrer furiosen, klugen Collage unzähliger, oftmals bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente das Bild eines einzigartigen Menschen und Künstlers, der in seiner rastlosen Kreativität Grenzen sprengte. BEUYS ist kein klassisches Porträt, sondern eine intime Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Ideenräume, mitreißend, provozierend und verblüffend gegenwärtig.

05.08.2017    
TROMMELN AUF BLECH
(D 1994, S/W, 60 Min.)
Regie: Donald Saischowa
Mit Peter„ Jimi „ Metag (1950- 2013), Jörg Tudyka, Kai- Uwe Kohlschmidt, Bernd  Gosemann (verstorben), Evelyn und Klaus Schreiber, Hans Scheuerecker, Cordula Gast und Auftritten von Dietmar Diesner, Peter Hollinger, Ulrich Gumpert, Stan Red Fox, Dicke Luft, Hermann Naehring, Die Vision, Sandow, Hans- Jürgen Noack, Tadashi Endo, Joe Sachse u.v.a.m.

und ELEGIA RHAPSODY

(D 2017, 30 Min.)
Regie: Donald Saischowa;  Mit Stefan Friedrich    

Ganz anders wenngleich ähnlich reich an Subversionskraft lässt uns Donald Saischowa in seinem Dokumentarfilm TROMMELN AUF BLECH (1994) die subkulturelle (Musik)Szene von Cottbus und Umgebung in den 80ern erleben – im vermutlich einzigen Filmdokument das davon existiert mit Interviews und originalen Mitschnitten. Einen anregenden Kontrast bietet dazu die Preview von ELEGIA RHAPSODY (2017), eines kurzen Films mit Ausschnitten aus dem Live-Filmkonzert "elegia industrial 3d". Gemeinsam mit dem Komponisten und Drummer Stefan Friedrich hat Saischowa 2017 diese Performance auf dem "Unithea#20" deutsch-polnischen Festival der darstellenden Künste in in Slubice, Polen, aufgeführt und aus den Aufzeichnungen dieses aussergewöhnliche Filmdokument montiert.
Donald Saischowa wird zur Vorführung persönlich anwesend sein.

12.08.2017   
FRANK ZAPPA: EAT THAT QUESTION
(D/F 2016, 90 Min., OmdU)
Regie: Thorsten Schütte

Anhand bislang verschollener und vergessener Film- und Ton-Dokumente würdigt Thorsten Schütte in seinem Dokumentarfilm FRANK ZAPPA – EAT THAT QUESTION (2016) das Schaffen des Komponisten, Musikers, Filmemachers, Gesellschaftskritikers und Bandleaders Frank Zappa. "We are the other people. You are the other people, too!" Zappa hat zeitlebens als Anderer gewirkt und war als Komponist und Musiker beeindruckend und legendär; wie auch als Provokateur oder als redegewandter, politisch wacher und unbeirrbarer Kopf.

19.08.2017  
BANKSY: EXIT THROUGH THE GIFT SHOP
(GB 2010, 86 Min.)
Regie: Banksy, Mit Shepard Fairey, Space Invader, Ron English

So wie Zappa sein Verhältnis zu den Medien reflektiert, nimmt sich Banksy den Kunstmarkt vor. Über Banksy weiss man nicht viel mehr, als dass er Brite ist und vermutlich 1974 geboren wurde. Seine Kunst indessen bewegt sich zwar einerseits am Rand oder auch jenseits der Legalität, er ist aber zugleich als Star der Streetart-Szene weltberühmt. In seinem Debütfilm EXIT THROUGH THE GIFT SHOP (2010) – der Titel bezieht sich auf die in Museen inzwischen übliche Ausgangssituation für Besucher mit der sie automatisch durch einen Shop geführt werden, ehe sie das Museum verlassen – führt er vor, wie das Spiel mit Wahrheit und Fälschung auch zum Nachdenken über en Wahrheitsgehalt von Bildern anregen kann. Er setzt in Bildern von Street-Art-Aktionen dieser Kunstform ein Denkmal und zeigt ohne zu moralisieren, wie die ursprüngliche gesellschaftspolitisch orientierte und kritische Gegen- und Underground-Kunst banalisiert, kommerzialisiert und in den Kunstmarkt integriert wird. Ein höchst unterhaltsames Selbstporträt.

oder
AI WEIWEI
(USA 2012, 91 Min.)
Regie: Alison Klayman

Drei Jahre lang begleitete Alison Klayman den weltweit gefeierten chinesischen Künstler und Aktivisten Ai Weiwei. Aus Hunderten Stunden Material montierte sie das erste abendfüllende Filmportät über ihn: AI WEIWEI: NEVER SORRY (2012).

26.08.2017    
DIE STRÄNDE VON AGNÈS
(F 2009, 110 Min., OmU)
Regie: Agnès Varda, Mit Jane Birkin, Yolane Moreau, Zalman King, Agnès Varda

Die Vorstellung, einen Film über das eigene Leben zu drehen, ist der 1928 in Brüssel geborenen Filmemacherin und Künstlerin Agnès Varda fremd. Eigentlich lässt sie sich viel lieber auf andere und deren Geschichten ein. Ein fast grenzenloses Interesse an Menschen und Orten hat sie schließlich immer schon umgetrieben. Eine liebevolle, für alles offene Neugierde prägt dabei ihren Blick auf das Leben und erfüllt ihre lyrischen Dokumentationen („Mauerbilder“, „Die Sammler und die Sammlerin“) genauso wie ihre sensiblen Spielfilme („Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7“, „Vogelfrei“). Doch kurz vor ihrem 80. Geburtstag, schien einfach die Zeit gekommen zu sein, in den Spiegel zu sehen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – und das, was sie dabei sieht, in Filmbilder zu fassen. So ist also DIE STRÄNDE VON AGNÈS (2009) entstanden. Der mit dem César für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnete Film ist, kein Denkmal geworden, sonder ein großes Geschenk an das Publikum. Agnès Varda hat viel eingepackt: ein überbordendes Kaleidoskop aus Bildern und heiter-melancholischen Erinnerungen an Menschen und Orte, die sie prägten.

02.09.2017    
MAN ON WIRE
(GB 2008, 94 Min., OmU)
Regie: James Marsh, nach dem Buch von Philippe Petit „To Reach the Clouds“,
Musik: Michael Nyman, Mitwirkende: Annie Allix, Jean-Louis Blondeau, David Forman, Barry Greenhouse, Jean-François Heckel, Jim Moore, Alan Welner, Philippe Petit;         
Darsteller (in den nachgestellten Szenen): Ardis Campbell, David Demento, David Roland, Aaron Haskell, Paul McGill

Als „künstlerisches Verbrechen das Jahrhunderts“ ging eine Aktion in die Geschichte ein, die von Philippe Petit im Jahr 1974 mit einer Handvoll Vertrauter vorbereitet hatte: da standen die Twin Towers in New York noch, die damals höchsten Türme der Welt.

09.09.2017    
tba

 

Datum & Ort:

Schloss Lieberose
Schlosshof 3
15868 Lieberose

Jeweils samstags vom 22. Juli bis 9. September, 19 Uhr (die Ausstellung ROHKUNSTBAU XXIII. bleibt ebenso bis 19 Uhr geöffnet)

Preis:

Eintritt: EUR 3,00 (im Ausstellungseintritt ist der Filmbesuch enthalten)

Allgemeines:

Die Veranstaltung findet im Rahmen des XXIII. ROHKUNSTBAU statt und wird durch die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg realisiert. Partner ist der Heinrich Böll Stiftung- Stiftungsverbund. Mehr über das Projekt 100 Jahre Böll erfahren Sie auf der Website https://www.boell.de/de/100JahreBoell oder bei Twitter unter dem Hashtag #100JahreBoell.