Bildungsreise Samstag, 10. Dezember 2016 in
Weimar

ROMARESPEKT - Gedenkfahrt

Projekttag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Datum, Uhrzeit
Samstag, 10. Dezember 2016, 10.00 Uhr
Adresse
Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen - Weiterdenken

Die Internationale Jugendbegegnungsstätte bietet der Jugendgruppe Romanos Sumnal einen Projekttag mit dem Schwerpunkt zur Verfolgung und Vernichtung von Roma und Sinti in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald.

Im Konzentrationslager Buchenwald, das im Juli 1937 eingerichtet wurde, waren nach offiziellen Angaben nahezu 240.000 Menschen inhaftiert, mindestens 50.000 kamen dort ums Leben. Die Wahl des Standorts am Ettersberg bei Weimar mit seinen Lehm- und Tonvorkommen deutet schon darauf hin, dass die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge bei der Planung des KZ im Vordergrund stand.
Bereits in den ersten Transporten im Jahr 1937 befanden sich einzelne Sinti. Als Folge der Massenverhaftungen im Rahmen der "Juniaktion" 1938 trafen Hunderte vorwiegend deutsche Sinti und Roma im Lager ein. Ebenso wie die jüdischen Häftlinge, die vor allem nach der Reichspogromnacht nach Buchenwald kamen, waren Sinti und Roma in besonderer Weise dem Terror der SS – etwa in Form öffentlicher Auspeitschungen – ausgesetzt. Bei einer Zählung im Frühjahr 1939 lebten nur noch etwa 100 Sinti und Roma im Lager. Wie in anderen Konzentrationslagern, so führten Mitarbeiter der "Rassenhygienischen Forschungsstelle" im Zuge der von Himmler verfügten vollständigen Erfassung der Minderheit auch in Buchenwald Untersuchungen an Sinti- und Roma-Häftlingen durch.
Unmittelbar nach Kriegsbeginn, im September 1939, wurden etwa 600 Sinti und Roma aus dem KZ Dachau nach Buchenwald verlegt. Sie stammten aus dem österreichischen Burgenland, wo Himmler im Juni 1939 die Verhaftung von 3.000 Sinti und Roma – davon ein Drittel Frauen – und ihre Einweisung in die Konzentrationslager Dachau und Ravensbrück angeordnet hatte. Bei dieser Aktion gelangte zum ersten Mal eine große Zahl jugendlicher Sinti und Roma in die Konzentrationslager, so auch nach Buchenwald.
Die burgenländischen Sinti und Roma waren dort gesondert in den Blocks 14 und 15 untergebracht. Die mörderische Zwangsarbeit, verbunden mit völlig unzureichender Ernährung, hatte zur Folge, dass jeder Dritte den Winter 1939/40 nicht überlebte. Der politische Häftling Alfred Hönemann, der im Block 14 als "Blockältester" eingesetzt war, erinnert sich: "Viele Zigeuner hatten im Winter 1939/40 ihre Füße, Hände und Ohren erfroren. Sie waren häufig der Witterung in den Außenkommandos ausgesetzt, und die dünne Häftlingskleidung bot ihnen wenig Schutz. Laufend gingen sie in den Häftlingskrankenbau, mussten Wechselbäder nehmen, und vielen wurden die Beine amputiert und andere Glieder abgenommen. Die anderen ausgemergelten Häftlinge fanden nicht die Kraft, ihre Körper in Bewegung zu halten. Ich kann mich noch gut erinnern, im Winter 1939/40 trugen wir fast nach jedem Abendzählappell einige Häftlinge ins Revier. Der Andrang war so groß, dass der größte Teil in kein Bett kam. Die Zigeuner wurden im Wasch- und Klosettraum abgelegt. Dort blieben sie bis zum anderen Morgen liegen. Sie überlebten die Nacht nicht mehr, und die noch am Leben waren, wurden dann durch den 'Würgeengel', Dr. Hans Eisele, von SS-Hauptscharführer Wilhelm oder Dr. Wagner mit einer Spritze Evipan ins Jenseits gespritzt."
1940 verlegte die SS die meisten Sinti- und Roma-Häftlinge, die bis dahin überlebt hatten, in das Konzentrationslager Mauthausen, wo sie in den berüchtigten Steinbrüchen zugrunde gerichtet wurden. Einige der in Buchenwald zurückgebliebenen Sinti- und Roma-Häftlinge wurden für medizinische Experimente missbraucht, etwa für die Fleckfieberversuchsreihe des Lagerarztes Dr. Hoven im Herbst 1942.
Im April 1944 traf erneut ein größerer Transport von Sinti und Roma in Buchenwald ein: etwa 900 Männer, die im "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau als "arbeitsfähig" selektiert worden waren. Unmittelbar vor dessen "Liquidierung" in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 – als die SS die letzten 2.900 Sinti und Roma, die bis dahin überlebt hatten, in den Gaskammern ermordete – wurden noch einmal 900 Männer nach Buchenwald transportiert.
Die meisten der aus Auschwitz kommenden Sinti und Roma wurden im so genannten Kleinen Lager in den Blocks 57, 61 und 63 untergebracht und dann "zur Vernichtung durch Arbeit" in das Außenlager Mittelbau-Dora verlegt, das ab Oktober 1944 als eigenständiges Konzentrationslager geführt wurde. Hunderte Sinti und Roma wurden dort in den unterirdischen Stollen und anderen Arbeitskommandos zu Tode geschunden. Ein kleinerer Teil der Sinti- und Roma-Transporte aus Auschwitz – schätzungsweise 200 bis 300 Menschen – kam in Buchenwald nach anfänglicher Quarantäne in Block 47. Diese Häftlinge wurden in verschiedene Lagerkommandos eingegliedert. Wahrscheinlich haben sie die Befreiung in Buchenwald nicht mehr miterlebt, sondern wurden vorher, im Zuge der Evakuierung des Lagers, auf die "Todesmärsche" geschickt.
Am 26. September 1944 wurden in Buchenwald etwa 200 zumeist jugendliche Sinti auf einen Vernichtungstransport zurück nach Auschwitz-Birkenau geschickt und wenig später in den Gaskammern ermordet. Eugen Kogon schreibt dazu: "Auch hartgesottenen Männern ging es tief zu Herzen, als die SS im Herbst 1944 Judenkinder und alle Zigeunerjungen plötzlich herausfischte, zusammentrieb und die schreienden, weinenden Kinder, von denen ein Teil um jeden Preis zu ihren Vätern und Häftlingsbeschützern in den einzelnen Kommandos zurückwollte, mit in Anschlag gebrachten Karabinern und Maschinenpistolen umstellte, um sie nach Auschwitz zur Vergasung abzutransportieren."
Die Frauen der Sinti und Roma, die vor der "Liquidierung des Zigeunerlagers" Auschwitz-Birkenau zunächst nach Ravensbrück "überstellt" worden waren, mussten in Außenkommandos des KZ Buchenwald – den berüchtigten Lagern der HASAG-Werke in Leipzig-Taucha, Altenburg und Schlieben – ebenfalls schwerste Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten. Nach Untersuchungen von Irmgard Seidel befanden sich in Schlieben Mitte August 1944 mindestens 1.000 Sinti- und Roma-Frauen aus Ungarn, Österreich und Deutschland. In zwei Schüben, am 17. und 21. August 1944, wurde das Kommando Schlieben fast vollständig geräumt; die Mehrzahl der Sinti- und Roma-Frauen wurde nach Altenburg gebracht. Von dort ging am 7. September 1944 ein Transport mit 500 von ihnen weiter in das Kommando Leipzig-Taucha. Ein Großteil der weiblichen Häftlinge erlag in den Außenlagern des KZ Buchenwald den unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Andere Frauen kamen noch kurz vor Kriegsende auf Evakuierungsmärschen ums Leben oder wurden auf einen der Transporte in das Sterbelager Bergen-Belsen geschickt, wo nur wenige die Befreiung durch die Britische Armee erlebten.

Mehr Infos unter: http://gedenkorte.sintiundroma.de/index.php?ortID=1

Adresse: Gedenkstätte Buchenwald, 99427 Weimar

Ansprechpartner: Gjulner Sejdi (Projekt RomaRespekt)

eMail: sejdi@weiterdenken.de