Diskussionsreihe Donnerstag, 21. Juni 2018 in
Berlin

Sex, Safety and the City - Muster öffentlicher Diskurse

Reihe: Von "Pulverfässern" und "Glaubenskriegen" - Berichterstattung zu Westasien und Nordafrika

Datum, Uhrzeit
Do., 21. Juni 2018,
19.00 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen wird gegenwärtig so stark diskutiert wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Dabei ist ihre Darstellung in deutschsprachigen Debatten ebenso vielfältig wie die (unbewussten) Beweggründe und (bewussten) Zielsetzungen von Politiker*innen, Journalist*innen und Co, die an der Debatte teilhaben. Gewalt gegen Frauen etwa ist in allen gesellschaftlichen Milieus verbreitet. Was diese Fälle verbindet ist in erster Linie, dass fast alle Täter männlich und fast alle Opfer weiblich sind. Dennoch scheinen in der medialen Berichterstattung über sexualisierte Gewalt Täter (muslimische Männer) und Opfer (weiße Frauen der Mittelschicht) häufig kategorisch festgeschrieben.

Ausgehend von dieser Setzung versucht der Vortrag, Muster öffentlicher Diskurse als Ergebnis einer heteronormativen, rassistischen und klassengebundenen Matrix zu begreifen und ihre Wirkungsweisen zu skizzieren. Als Fallbeispiel dienen dabei mediale Darstellungen von Vorkommnissen sexualisierter Gewalt im öffentlichen, urbanen Raum - Fälle, bei denen Männer aus Westasien und Nordafrika als mutmaßliche Aggressoren auftreten.

Street harassment als Konzept wurde von der Zweiten Welle der anglo-amerikanischen Frauenbewegung Ende der 70er Jahre geprägt und bedingte fortan feministische Initiativen und Kämpfe in Westasien und Nordafrika ebenso wie Initiativen wie #Metoo. Während feministische Kämpfe wichtige Erfolge etwa zum rechtlichen Schutz von Frauen errangen, wurden Bedürfnisse nach Sicherheit und Schutzbedürftigkeit häufig auch von antifeministischen Akteur*innen gekapert. Ein wichtiges Beispiel ist die Reform des Sexualstrafrechts in der Folge von "Köln", die erstmals die Nein-Heißt-Nein-Regelung im Strafrecht verankerte und sie gleichzeitig mit einer Verschärfung des Asyl- und Aufenthaltsrechts verknüpfte.

Die Stadt und ihre urbanen Mythen agieren bei den Auseinandersetzungen um sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum als ein zentraler Schauplatz von Kämpfen um Begriffe, Rechte und Repräsentation. Inwiefern verschleiern sentimentale Lesarten von unschuldigen Opfern Klassengegensätze und menschliches Leid? Wie kann ein Schutz vor sexualisierter Gewalt gegen Frauen geschaffen werden, der nicht an Verschärfungen des Aufenthalt- und Asylrechts gebunden ist? Wer hat ein Recht auf die Stadt und ihre Möglichkeits- und Entfaltungsräume?

Eva Tepest hat Arabistik und Middle Eastern Studies in Leipzig, Lund und Kairo studiert. Sie arbeitet als Autorin und Journalistin mit Sitz in Berlin.

Kooperationsveranstaltung mit Alsharq e.V.

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin