Diskussion Dienstag, 24. Oktober 2017 in
Berlin

"Staatsfeminismus" und die Herausforderungen für Frauenrechtsaktivismus im Sudan

Datum, Uhrzeit
Dienstag, 24. Oktober 2017, 19.00 Uhr
Veranstalter/in
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Im Sudan ist jede dritte Parlamentsabgeordnete eine Frau, insofern erfüllt das Land vorbildhaft die Frauenquote von 30 Prozent, welche die Vereinten Nationen als universelle Richtlinie ausweisen. Wie kann es angesichts dieser Tatsache dennoch sein, dass sudanesische Frauen schlimmsten Formen von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind?

Die Frauenbewegung im Sudan kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Unabhängigkeit der Landes 1956 war es Frauenrechtsaktivistinnen gelungen, grundlegende Rechte, wie das Recht auf gleichen Lohn, Mutterschutzurlaub und ein universelles Wahlrecht, durchzusetzen. Nach jahrzehntelangem Autoritarismus, Militärherrschaft und Krieg war zur Jahrtausendwende jedoch von dieser einst dynamischen Frauenbewegung kaum noch etwas übrig, sie war geschwächt und gespalten. Erst das 2005 unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der Regierung in Khartum und der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLA) führte zu einem Wiederaufblühen der Bewegung. Als wichtige Errungenschaft wurde eine Änderung des Wahlgesetzes angesehen, die einen bestimmten Anteil von Frauen unter den Parlamentsmitgliedern festschreibt. Aktivistinnen hatten große Hoffnungen in diese Quotierung gesetzt, doch wurden diese bald enttäuscht: Denn insbesondere die Situation von ärmeren Frauen und all jenen, die in den Konfliktgebieten leben, hat sich seit der Einführung der Quote nur verschlechtert.

Vor diesem Hintergrund wird die Referentin Sara Abbas folgende Fragen diskutieren: Wie ist die aktuelle Situation von Frauenrechtsaktivismus im Sudan einzuschätzen? Was sind die Hürden, um eine radikale und inklusive Frauenrechtsbewegung aufzubauen? Führen Frauenquoten, wie sie von der sudanesischen Regierung, internationalen Organisationen und westlichen Regierungen gleichermaßen propagiert werden, notwendigerweise zum Empowerment von Frauen? Wie können Menschen, die in Deutschland leben, sich solidarisch mit sudanesischen Frauen zeigen und deren Kämpfe für Gleichheit und Würde unterstützen?

Sara Abbas promoviert an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies der Freien Universität Berlin. In ihrer Forschung untersucht sie die Praktiken und Diskurse von Frauenrechtsaktivistinnen im Sudan, die der Islamischen Bewegung bzw. der Regierungspartei nahestehen.

Zeit: 24. Oktober, 19.00-20.30 Uhr
Ort: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Sebastianstr. 21, 10179 Berlin (U8, Moritzplatz)
Sprache: Englischer Vortrag mit Flüsterübersetzung ins Deutsche

Veranstalter: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung; realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

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"State Feminism" and the challenge of women’s activism in Sudan

One out of every three members of parliament in Sudan is a woman. This is perfectly in line with the global target of 30% set by the UN. So why do Sudanese women still suffer some of the worst human rights abuses on earth?
The women’s movement in Sudan has a rich political history. In the decade following the country’s independence in 1956, women’s activism helped secure key rights, including the right to equal pay, maternity leave, and universal suffrage. By the turn of the new millennium however, the once vibrant women’s movement was weak and divided, following decades of authoritarianism, military rule and war. In 2005, the peace agreement between the government and the Sudan People’s Liberation Movement (SPLM) breathed new life into women’s activism. The main result was a change in the electoral law, a "women’s quota" which reserved a percentage of parliamentary seats for women, and on which many women activists pinned their hopes. Yet, in the years since the adoption of the quota, life has become increasingly more difficult for poor women and those living in war-torn parts of the country.

This talk by Sara Abbas will give some perspective on the following questions: What does women’s activism in Sudan look like today? And what are the main obstacles to building a radical and inclusive women’s movement? Are gender quotas (which are promoted by the Sudanese government, international organizations and western governments alike) always a pathway to women’s empowerment? How can people living in Germany show solidarity with Sudanese women and support their struggles for equality and dignity?

Sara Abbas is a doctoral student at the Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies, Freie Universität Berlin. Her research focuses on the discourses and practices of the women-activists affiliated to the Islamist Movement and the ruling party in Sudan.

Time: Tuesday, October 24, 7-8.30 pm
Venue: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Sebastianstr. 21, 10179 Berlin (U8, Moritzplatz)
Language: English (with whispering translation into German)

The event is organized by Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung and has been made possible through funding from Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.