Diskussion Donnerstag, 25. Oktober 2018 in
Berlin

Umkämpfte Visionen: Wohnen und Teilhabe in der Megastadt Jakarta

Datum, Uhrzeit
Do., 25. Okt. 2018,
19.00 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Mit etwa 30 Millionen Einwohnern ist der Großraum Jakarta der zweitgrößte Ballungsraum weltweit, und der Bevölkerungszuwachs setzt sich fort. Die Hauptstadt Indonesiens soll zum Aushängeschild des aufstrebenden Schwellenlands werden, Stadtplanung wird zunehmend auf eine expandierende Mittelschicht zugeschnitten. Aktuelle stadtpolitische Auseinandersetzungen nehmen die Räumungen informeller oder semi-formeller Wohnviertel der ärmeren Bevölkerung (Kampung) zum Ausgangpunkt, denen je nach legalem Status eine Umsiedlung in "moderne" Mietshäuserblöcke angeboten wird. Einige dieser Nachbarschaften haben jahrelangen Widerstand organisiert und gemeinsam mit lokalen Community-Aktivist*innen und Community-Architekt*innen alternative Konzepte zur Erneuerung ihrer Nachbarschaften entworfen.

Im Vortrag werden zwei Beispiele vorgestellt, wie sich Bewohner*innen gemeinsam mit Aktivist*innen des Urban Poor Consortium (UPC) einer Räumung widersetzen konnten. Das Kampung Tongkol sollte bereits im Jahr 2015 geräumt werden, doch wehren sich dessen Bewohner*innen bis heute erfolgreich. Als Gegenvision zu einem Abriss der einfachen Häuser und einer Umsiedlung der langjährigen Bewohner*innen errichteten Aktivist*innen ein neuartiges Beispielhaus, das sowohl den Vorgaben der Stadtverwaltung als auch den Vorstellungen der Bewohner*innen entspricht. Ähnlich innovative Umbauten folgten, so dass das Kampung Tongkol ganz konkret aufzeigt wie neue Stadtkonzepte aussehen können. Anders erging es den Bewohner*innen des Kampung Akuarium. Sie wurden 2016 geräumt, doch halten Anwohner*innen und Aktivist*innen das Gebiet seitdem weiter besetzt. Durch intensive Kampagne-Arbeit konnten sie erwirken, dass die Stadtverwaltung einige behelfsmäßige Bauten wiedererrichtete. Langfristig sollen auch hier amtlich genehmigten Wohnbauten entstehen, die in einem partizipativen Prozess von Community-Architekt*innen entworfen wurden.

Referent: Mark Philip Stadler promoviert an der Universität Kopenhagen über urbane Armut in Jakarta und darauf bezogene Formen von Selbstorganisierung und Aktivismus. Über zahlreiche Forschungs- und Praktikaufenthalte hat er sich intensiv mit den Themen Zivilgesellschaft, Soziale Bewegungen und Islam in Indonesien befasst.

Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin