-ausgebucht- Vom Halleschen Tor zum Görlitzer Bahnhof: Ein Stadtspaziergang zur Geschichte der Einwanderung nach Deutschland

-ausgebucht- Vom Halleschen Tor zum Görlitzer Bahnhof: Ein Stadtspaziergang zur Geschichte der Einwanderung nach Deutschland

„Wer baute das siebentorige Theben?“
Das hat Bertolt Brecht in einem berühmten Gedicht gefragt.

„In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?“

Und wer baute die Kanäle in und um Berlin und das Reichstagsgebäude?
Darunter waren viele Arbeiter aus Italien und Osteuropa.  Im Zuge der Hochindustrialisierung kamen in den 1890ern zahlreiche Einwanderinnen und Einwanderer nach Deutschland. Sie hielten schon damals einzelne Wirtschaftszweige mit am Laufen. Es handelt sich um eine über hundertjährige Geschichte der Einwanderung unter teilweise dramatisch wechselnden Bedingungen: Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, die Nazizeit mit ihrer mörderischen Zwangsarbeiterpolitik bis hin zu den beiden deutschen Staaten und zur Bundesrepublik der Gegenwart.

Dieser Teil der deutschen Geschichte ist lange verleugnet worden – auch durch diese Verleugnung wurden Einwander_innen, Geflüchtete und ihre Kinder zu Fremden im eigenen Land gemacht. Damit waren und sind Feindbilder verbunden – wie etwa das „Feindbild Islam“, über das Rıza Baran (langjähriges Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und von 2001 bis 2006 Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg-Friedrichshain) schon im Jahr 1997 schrieb:
„Die Erklärung dafür findet sich weniger bei den MuslimInnen, als bei der Gesellschaft, die das Feindbild produziert, denn dort erfüllt es seinen Zweck.“

Seine Kollegin Sevim Celebi-Gottschlich stellte 1987 im Berliner Abgeordnetenhaus fest: „Man kann nicht jeden dritten arbeitenden Menschen in dieser Stadt ausgrenzen und ihm demokratische Rechte verweigern! Sie müssen endlich respektieren, akzeptieren und vor allem verstehen, dass wir uns nicht mehr bevormunden lassen wollen. Wir sind nicht mehr stumm!“

Auf dem Stadtspaziergang wird diese Geschichte bis in die Gegenwart an exemplarischen Orten vorgestellt. Es kommt darauf an, die Entwicklung staatlicher Politik(en) gegenüber Einwanderern und Flüchtlingen nachzuzeichnen, deren Erfahrungen wiederzugeben und dabei von ihren (Über-)Lebensstrategien sowie Protest- und Widerstandsformen zu erzählen.

Weitere Themen sind:

  • Die frühe Geschichte der Zuwanderung aus afrikanischen Ländern um 1900
  • Einwander_innen aus den preußischen Ostprovinzen im Kaiserreich in Berlin (Pol_innen wurden z.B. durch das Verbot der polnischen Sprache auf öffentlichen Veranstaltungen diskriminiert)
  • Die Zuwanderung osteuropäisch-jüdischer Arbeiter_innen im Kaiserreich – auch nach Kreuzberg
  • Einwander_innen und Flüchtlinge, die nach 1961 nach West- und Ost-Berlin kamen, u.a. aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten, aus dem Libanon, aus Palästina, aus Polen, aus der Sowjetunion bzw. Rußland, Bulgarien, aus Chile, Indien, Vietnam, Mozambique, Angola, Nigeria und vielen anderen Ländern.  

Frei nach dem Motto: "Von der Diktatur der Herkunft zu einem selbstbestimmten und solidarischen Leben" ist es auch wichtig, die Zuschreibungen über Herkunftsstaaten, staatliche Gesetze und andere Fremdbestimmungen zu überwinden und die Gegenwart in Friedrichshain-Kreuzberg zu zeigen, die sich in Initiativen für gleiche Rechte, gegen Verdrängung und Rassismus zeigen, wie etwa „Bizim Kiez“ („Unser Kiez“).

Mit:
Martin Forberg (MA Neuere Geschichte; Dozent und freier Journalist)

Anmeldung unter: Tanya Lazova, lazova@bildungswerk-boell.de

Falls Sie Wünsche zu einer barrierefreien Teilnahme haben, melden Sie sich unter lazova@bildungswerk-boell.de oder 030/308 779 485

Die Veranstaltung wird mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert.