Film und Gespräch Freitag, 19. Januar 2018 in
Berlin

Vor den verschlossenen Toren Europas: Die dramatische Lage auf Lesbos

Datum, Uhrzeit
Fr., 19. Jan. 2018,
18.30 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)

Über den dramatischen Kampf von Geflüchteten und griechischen Bewohner*innen der Insel Lesvos: Seit März 2016 führt die griechische Insel Lesvos einen unerbittlichen Kampf gegen die fatalen Folgen des sogenannten EU-Türkei-Abkommens. Laut diesem Abkommen unterliegen alle über dieTürkei kommenden Geflüchteten einer geographischen Einschränkung (geographical limitation) und können bis zu einem positiven Entscheid ihres Asylgesuchs die Insel nicht verlassen. Dies hat zur Folge, dass tausende Geflüchtete unterversorgt auf der Insel Lesvos bei eisigen Temperaturen unter menschenunwürdigen Bedingungen in selbstgekauften Sommerzelten ausharren müssen. Das größte, für 2.300 Personen konzipierte Flüchtlingscamp Moria liegt mit einer geschätzten Bewohner*innenzahl von über 6.000 um ein vielfaches über seiner Kapazität: endlose Warteschlangen bei der Essensausgabe, unzureichende medizinische Betreuung und nächtliche Ausschreitungen der Campbewohner*innen sind die Folgen.
Am 15. November 2017 erklärte der Bürgermeister der Insel, Spyros Galinos, einen Generalstreik mit der Forderung nach einer Entlastung der betroffenen Inseln. Seit dem 28. November 2017 halten Geflüchtete und sich solidarisierende Aktivist*innen der griechischen Pro-Flüchtlingsbewegung Musaferat aus Protest gegen die geographische Einschränkung das Parteibüro der Regierungspartei Syriza besetzt. Doch nicht zuletzt die vor den Küsten von Mytilini patrouillierenden Kriegsschiffe der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (kurz: Frontex) erinnern deutlich daran, dass die politischen Entscheidungen, welche das Leben der Inselbewohner*innen direkt betreffen, nicht auf Lesvos oder in Athen, sondern in den Machtzentren Europas getroffen werden.
Durch Video- und Audiomaterial, welches der Sozialwissenschaftler David Leupold selbst während seines einmonatigen Aufenthalts als Farsi-Dolmetscher und Aktivist auf Lesvos gesammelt hat und dem Podcast "Voices of Lesvos" des irischen Aktivisten Rob Moloney soll aus erster Hand ein Eindruck von der Situation auf der Insel entstehen.
Medien: Original Filmmaterial, Vortrag, Diskussion

Das Videomaterial und Podcast Radio sind in englischer Sprache.
Gespräch auf Deutsch.

Referent: David Leupold
Moderation: Gökhan Tuncer

Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin