Vortragsreihe Montag, 23. April 2018 in
Berlin

Wahrheit

Demokratische Macht und "alternative Fakten"

Urheber/in: Audrey Fretz/Unsplash. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons License.
Datum, Uhrzeit
Montag, 23. April 2018, 19.30 Uhr – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sprache
Deutsch
Teilnahmegebühren
Ticket Created with Sketch.
Der Eintritt ist frei
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Teil der Reihe
Auf der Höhe - Diagnosen zur Zeit

Ob Wahrheit eine Frage des politischen oder weltanschaulichen Standpunkts ist, wird gegenwärtig wieder intensiv diskutiert. Denn jedem, der etwas von der Generierung politischer Macht versteht, ist klar: Wer die Hegemonie im politischen Diskurs erringt, kann beeinflussen, was als wahr gilt. Nicht nur in der Frage nach einer normativen Wahrheit steckt politisch-intellektuelle Brisanz. Auch über die deskriptive Wahrheit von Fakten wird neu gestritten.

Heute wird gerne behauptet, dass wir in einem postfaktischen Zeitalter lebten und dies den des Niedergangs der Demokratie bedeute. In der Tat: Die Verbindlichkeit eines rationalen Diskurses wird neuerdings als Hegemonie von linksliberalen Leitmedien und Universitäten bekämpft. Ein besonders drastisches Beispiel dafür lieferte die Trump-Administration: Nachdem Sean Spicer als Pressesprecher des Weißen Hauses behauptete, US-Präsident Trump sei 2017 vor einer Rekordkulisse vereidigt worden, widerlegten Luftbilder und Zahlen der Verkehrsbetriebe diese Aussage. Daraufhin erläuterte Trumps Beraterin Kellyanne Conway im TV-Interview, Spicer habe sich nicht etwa geirrt oder gelogen, sondern „alternative facts“ dargestellt.

Aber halten wir einen Moment inne. Wann gab es je eine Gesellschaft, in der nicht über Fakten gestritten wurde und diese dreist geleugnet oder umgedeutet wurden? Und leben wir heute in einer Zeit, in der dies qualitativ und quantitativ zunimmt?

Schließlich die Grundsatzfrage: Welches Maß an tiefgreifendem Dissens über Wahrheit und Wirklichkeit verträgt eine Demokratie? Welches Maß muss sie ertragen? Und was muss geschehen, damit die Demokratie der Wahrheit dient?

Der Philosoph Rainer Forst spricht über diese Fragen, die auf das Wesen politischer Macht als „noumenaler Macht“ verweisen und darauf, dass die Demokratie auf einem „Recht auf Rechtfertigung“ beruht, das auf normative und deskriptive Wahrheiten abzielt.

Mit:

  • Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Hintergrund
In welcher Welt leben wir? So banal es klingt, es gehört zum Schwierigsten, Abstand zu gewinnen – auf die Höhe zu gehen – um das eigene Jetzt klarer zu sehen. Zeitgeistige Bestseller gibt es viele, erhellende Zeitdiagnosen sind selten. Schauen wir also, wo interessante Perspektiven auf unsere Gegenwart eröffnet werden. Versuchen wir einen ungewohnten, gerne auch schrägen Blick, der uns die Gegenwart anders sehen lässt. 35 Jahre nach den "Stichworten zur 'geistigen Situation der Zeit'" nehmen wir mit der Vortragsreihe "Auf der Höhe" das Experiment nochmals auf. Abermals fragen wir Intellektuelle zu zentralen gesellschafts- und kulturdiagnostischen Stichworten unserer Zeit. In den nächsten Monaten und Jahren buchstabieren wir das Alphabet durch, von A wie Authentizität über D wie Drastik, J wie Jugend, ewige bis R wie Resonanz und Z wie Zombie. Hier geht es zum Videoarchiv der Reihe "Auf der Höhe - Diagnosen zur Zeit".

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

 

Kontakt:
Stephan Depping
E-Mail: depping@boell.de
Telefon 030-285 34 223

In Medienpartnerschaft mit taz und Freitag.