Wendewahljahr 2012 in Amerika

Wendewahljahr 2012 in Amerika

Hat Präsident Obama einen ernsthaften Herausforderer, was steht politisch auf dem Spiel und wohin steuert die Außenpolitik der Supermacht?

Mit
Christoph von Marschall
, White-House-Korrepondent des Tagesspiegel

Susan Neiman, Direktorin des Einstein-Forums Potsdam
Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Mit brutaler Wucht prallen die Vorstellungen der Demokraten und Republikaner im Wahlkampf aufeinander. Die Wahl 2012 wird, so scheint es, noch weit mehr als in früheren Jahren zu einer gesellschaftspolitischen Richtungsentscheidung. Viele Konservative, darunter die Anhänger der Tea Party, sehen im Staat und seinen regulierenden Vorgaben die Ursache aller Übel. Sie fordern die Rückkehr zum freien Markt und dem `Amerika der Gründerväter`, stellen soziale Errungenschaften wie staatliche Pensions- und Krankenversicherung in Frage und loben die `Einzigartigkeit` der USA. Auch Präsident Obama gibt der Privatwirtschaft den Vorrang, hält den Staat aber für einen unverzichtbaren Garanten, damit es fair und gerecht zugeht und jeder Bürger und jede Bürgerin eine Chance hat, den `amerikanischen Traum` zu leben. Zugleich wirbt der erste schwarze Präsident für eine Modernisierung der USA. Investitionen in die Infrastruktur wurden jahrelang vernachlässigt. Der hohen Verschuldung will er mit wachstumsfördernden Investitionen und höheren Steuern für die Reichen begegnen. Die politischen Lager blockieren sich mit ihren gegensätzlichen Positionen und der Frage, welche Ziele angesichts knapper Kassen Priorität haben.

In Europa findet Obama weiter breite Unterstützung, obwohl viele seiner Anhänger dort darüber enttäuscht sind, dass die erwartete Wende weg von Bush nicht sehr weit führte. In Amerika ist seine Wiederwahl aus ganz anderen Gründen fraglich.   Die Bürger leiden unter der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit. Viele legen ihm auch die Rekordverschuldung und die Herabstufung des Kreditratings der USA zur Last.
Wir wollen mit zwei wohl informierten Gästen über die Ausgangslage im Wahljahr diskutieren, die Chancen der Bewerber ausloten und ihre Wahlkampfstrategien erörtern. Die unterschiedlichen Antworten auf die Schuldenkrise in Europa und den USA werden ein weiteres Thema sein. Schließlich fragen wir, weshalb viele Amerikaner über gesellschaftspolitische Kernfragen ganz anders denken als wir in Europa.