Film und Gespräch Freitag, 30. November 2018 in
Berlin

Straflos korrupt

Willkür statt Gewaltenteilung in Guatemala

Urheber/in: Gus MacLeod. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons License.
Datum, Uhrzeit
Fr., 30. Nov. 2018,
18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sprache
Deutsch
Spanisch
Simultanübersetzung
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin

Kurzfilm und Gespräch mit der guatemaltekischen Menschenrechtsverteidigerin Helen Mack.

Guatemala durchläuft zurzeit eine akute institutionelle Krise. Nachdem der Vorsitzende der UN-Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala (CICIG), Iván Velasquez, Mitte August eine Aufhebung der Immunität von Präsident Morales für ein Strafverfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung gefordert hatte, verweigert ihm dieser die Einreise nach Guatemala und kündigte zugleich an, das Mandat der CICIG nicht mehr zu verlängern.
 
Damit stellt sich Morales nicht nur gegen die UN, sondern auch gegen die explizite Anordnung des eigenen Verfassungsgerichtes, das Einreiseverbot aufzuheben und die Kooperation mit der CICIG fortzusetzen. Während sich in der Bevölkerung starker Protest regte, reagierte Morales mit erhöhter Militärpräsenz auf den Straßen. Iván Velásquez erhielt Ende September zusammen mit Guatemalas ehemaliger Generalstaatsanwältin Thelma Aldana, den alternativen Nobelpreis. Damit erlangt ihr erfolgreicher Kampf gegen Straflosigkeit und Korruption zu einem dramatischen Zeitpunkt breite internationale Anerkennung.

Die jüngsten politischen Entwicklungen, ihre Hintergründe und Folgen analysiert an diesem Abend die renommierte Menschenrechtsverteidigerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises 1992, Helen Mack. Sie ist Gründerin der Stiftung Myrna Mack, benannt nach ihrer Schwester, die 1990 während des Bürgerkriegs wegen ihrer Arbeit von Todesschwadronen des Militärs ermordet wurde. Als Anthropologin hatte sie zu Vertreibungen indigener Gemeinden geforscht und prangerte schwere Menschenrechtsverletzungen der Regierung an. Helen Mack und ihre Organisation kämpfen seit über 25 Jahren um die Aufklärung dieses Mordes. Dabei gelang es ihnen, beim interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof sowie auch bei der guatemaltekischen Justiz Präzedenzfälle zu schaffen, die erstmals zur Verurteilung hochrangiger Täter führten.

Diese Fragen stehen im Gespräch mit Helen Mack im Vordergrund: Welche Folgen hat das Vorgehen der Regierung für das Funktionieren der demokratischen Institutionen und die Menschenrechte in Guatemala? Welche Ziele verfolgt die guatemaltekische Regierung? Weshalb bleibt die Reaktion der internationalen Gemeinschaft – inklusive der UN – auf die Behinderung der CICIG so verhalten? Was sollten die deutsche Bundesregierung und die deutsche Zivilgesellschaft tun, um die Kommission zu unterstützen und das institutionelle Gefüge in Guatemala zu stärken? Bestehen Chancen auf eine politische Wende bei den Wahlen im Juni 2019, insbesondere vor dem Hintergrund einer möglichen Kandidatur Thelma Aldanas für die Präsidentschaft?
 
Zu Beginn der Veranstaltung zeigen wir den Kurzfilm „Helen Mack und die Menschenrechte“. Der Film wurde anlässlich des 70. Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte produziert und zeigt am Beispiel des Wirkens von Helen Mack die Verteidigung dieser Rechte in der nördlichen Region Zentralamerikas.

Sprache: Das Gespräch wird spanisch-deutsch simultan gedolmetscht.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Information:
Felix Speidel, Tel. 030-285 34 324, speidel@boell.de