Freitag, 09. November 2007 – Sonntag, 11. November 2007

Öffnung der Wissenschaft? Stand und Perspektiven der Hochschulreform

Tagung

Datum, Uhrzeit
Freitag, 09. November 2007, 18.00 Uhr – Sonntag, 11. November 2007, 13.30 Uhr
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung Hessen
Die Universität in der sich globalisierenden „Wissensgesellschaft“: Traum oder Alptraum? Die Diskussion über die Zukunft der Universität bewegt sich – gleichsam schwankend und unentschieden – zwischen den Polen der Erwartung einer Demokratisierung wissenschaftlichen Wissens und der Feststellung seiner neuartigen „unternehmerischen Disziplinierung“: Öffnung der Wissenschaft gegenüber Gesellschaft und Wirtschaft oder „Wissenschaftsvernichtung“ (Koschorke)? Die „Imperative des Wissenschafts-Marketings“ (Holland-Cunz) setzen neue Maßstäbe für wissenschaftlichen Erfolg, neue Akteure treten auf den Plan; es transformieren sich die universitären Kompetenzstrukturen und es entstehen neue Anerkennungsverhältnisse an den Hochschulen.

Im Zuge der großen wissenspolitischen Reformprojekte – Hochschulstrukturreformen und Bologna Prozess – verändern sich die deutsche Hochschullandschaft und die angebotenen Studiengänge seit den 1990er Jahren grundlegend. Unter dem Schlagwort der Internationalisierung von Studium und Lehre werden europaweit einheitliche Abschlüsse (BA/MA), Strukturen (Modularisierung) und Noten (ETCP) eingeführt. Diese Reformen, die Diskussion um Studiengebühren und insbesondere die Exzellenzinitiative der Bundesregierung werden vielfach als Abschied vom Humboldt’schen Bildungsideal einer universellen Bildung durch die Entfaltung aller Kräfte der Persönlichkeit gedeutet. Dabei wird nicht nur kritisch gesehen, dass sich die Inhalte der Bildung verändern und zunehmend die (berufliche) Verwertbarkeit von Wissen als Kriterium bei der Entwicklung des Lehr- und Studienangebotes herangezogen wird, sondern über Numerus Clausus und Studiengebühren auch die Zahl derer, die überhaupt Zugang zur Universität haben, deutlich reduziert wird – wenngleich seitens der Politik eine Erhöhung der AbsolventInnen als explizites Ziel formuliert wird.

Die Auswirkungen dieser tiefgreifenden Veränderungen auf Wissenschaft, Wissenschaftskultur und Hochschulen in Deutschland sind in ihrem ganzen Umfang noch nicht abzusehen.

Mit der Tagung will der Arbeitskreis „Politik und Geschlecht“  in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. die Zukunft der Universität in der „Wissensgesellschaft“ aus der Perspektive der Zukunft der Politikwissenschaft, der politikwissenschaftlichen Geschlechterforschung und der feministischen Theorieentwicklung reflektieren – unter besonderer Berücksichtung der Auswirkungen auf Berufsverläufe in der Politikwissenschaft und auch der Gestaltungsmöglichkeiten universitärer Gleichstellungspolitik.

In drei thematischen Blöcken sollen die beobachtbaren hochschulpolitischen Entwicklungen diskutiert werden, für die folgende Fragen und Themenbereiche vorformuliert wurden:
1. Mehr Geschlechtergerechtigkeit im Zuge der Hochschulreform?
2. Hochschulreform und soziale Gerechtigkeit – bessere Perspektiven für den Nachwuchs?
3. Perspektiven für Politik und Wissenschaft

Die Tagung richtet sich an Studierende und Lehrende an Deutschen Hochschulen, WissenschaftlerInnen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen sowie Gleichstellungsbeauftragte in wissenschaftlichen Institutionen, darüber hinaus an VertreterInnen von bildungspolitischen Verbänden und Vereinigungen, an bildungspolitische SprecherInnen der Parteien und an VertreterInnen seitens der Bildungs- und Forschungsministerien.