Workshop Dimanche, 26. mai 2019 /
Berlin

Linke und feministische Ansätze gegen soziale Ungleichheit in Russland

Tagesseminar zu russischen Protestbewegungen

Date, heure
dim, 26. mai 2019,
10:00 am – 5:00 pm Enregistrer dans mon agenda
Adresse
Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Langue
Deutsch
Organisateur/Organisatrice
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Legal
Terms and Conditions
Gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters fanden im Sommer 2018 in ganz Russland Proteste statt. Linke Gruppen, Gewerkschaften und die kommunistische Partei demonstrierten teils gemeinsam, teils getrennt und verfolgten teilweise recht unterschiedliche Ziele. Die Rentenreform führte in der Bevölkerung zu einem deutlichen Vertrauensverlust gegenüber der russischen Führung. Vor dem Hintergrund einer immer repressiver agierenden Staatsmacht und einer bei jungen Leuten deutlich anwachsenden Protestbereitschaft versuchen linke Gruppen und Gewerkschaften einerseits Koalitionsarbeit über das eigene politische Spektrum hinaus zu leisten, andererseits linke Positionen durchzusetzen.
Die Rentenreform wirft auch Fragen nach der ungerechten Einkommensverteilung auf. Frauen verdienen häufig erheblich weniger als Männer. In erster Linie liegt dies daran, dass in vielen schlecht bezahlten Berufssparten Frauen überdurchschnittlich vertreten sind. Das betrifft insbesondere den Bildungs- und Gesundheitsbereich. Armut unter Frauen ist ein weitverbreitetes Phänomen. Konservative Rollenmodelle treffen in Russland auf die Überreste sowjetischer Emanzipation. Formal sind Frauen überwiegend gleichgestellt, gleichzeitig dürfen sie aber nach der geltenden Gesetzeslage etliche Berufe nicht ergreifen und auch die Entkriminalisierung von häuslicher Gewalt vor knapp zwei Jahren weist auf eklatante staatliche Diskriminierungsformen hin. Feministische Kritik hat sich vor diesem Hintergrund in den vergangenen Jahren in Russland zumindest in einigen Kreisen mehr Gehör verschafft.
Das Tagesseminar will die Ansätze junger Feministinnen aus Russland vorstellen, die Möglichkeit für einen inhaltlichen Austausch schaffen und gleichzeitig die Bedingungen für linken und gewerkschaftsorientierten Widerstand gegen die wachsende soziale Ungleichheit in Russland sondieren.

mit: Anna Iwanowa, Doktorin der Philologie, Feministin, Aktivistin der "Russischen Sozialistischen Bewegung" und Kirill Medwedjew, Publizist, Dichter, Aktivist der "Russischen Sozialistischen Bewegung"

Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.