Diskussion Dienstag, 05. März 2019 in
Berlin

Alle Macht den Räten*innen?

Wie partizipativ sind Rätesysteme?

Datum, Uhrzeit
Di., 05. März 2019,
19.00 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Seit mehr als 150 Jahren spielen rätedemokratische Ansätze immer wieder eine wichtige Rolle in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Bei dieser Veranstaltung möchten wir uns näher mit der Geschichte der Rätebewegungen auseinandersetzen. Wo kam die Idee einer Räteorganisierung historisch her? Wie wurde sie versucht umzusetzen? Wie umfangreich waren Frauen an den Rätebewegungen beteiligt? Welche Relevanz haben rätedemokratische Vorstellungen in der heutigen Zeit? Gibt es Beispiele für eine "funktionierende" Räteordnung?
Als historisches Vorbild der Rätebewegung gilt die Pariser Kommune von 1871. Während der russischen Revolution von 1905 wurde der Begriff „Räte“ als Bezeichnung für die Selbstverwaltungsorgane der Massen verwendet. Und auch bei der Oktoberrevolution 1917 spielten die sogenannte „Arbeiter- und Soldatenräte“ eine wichtige Rolle. Spätestens 1918 erfuhren rätedemokratische Ansätze auch in Deutschland eine weite Verbreitung. Im Kontext des Kieler Matrosen Aufstandes bildeten sich in vielen deutschen Städten „Arbeiter- und Soldatenräte“. Rätedemokratie oder Parlamentarismus? Diese Frage prägte die politische Auseinandersetzung in den Anfangsjahren der Weimarer Republik und spaltete die deutsche Arbeiterbewegung.

Ausgehend von der Oktoberrevolution in Russland und der Novemberrevolution im Deutschen Reich, bildeten sich in etwa 30 weiteren Ländern Arbeiter*innenräte. Auch nach dem zweiten Weltkrieg, existierten rätedemokratische Ansätze weiter, etwa während des Ungarischen Aufstandes 1956 oder auch im Verlauf der Revolution 1979 im Iran. Auch heutzutage finden sich beispielsweise in Chiaps oder in Nordsyrien rätedemokratische Ansätze. Doch was genau hat es mit diesen „Räten“ auf sich?

Die Idee hinter den Räten kann so beschrieben werden: Die Menschen sind in Basiseinheiten organisiert, beispielsweise die Arbeiter*innen eines Betriebes, die Soldat*innen einer Kaserne oder die Bewohner*innen eines Stadtviertels. Die Räte fungieren als öffentliche Funktionsträger, sie haben ein imperatives Mandat und werden auf mehreren Ebenen gewählt. So werden auf Wohn- und Arbeitsebene bei Versammlungen Repräsentant*innen in die lokalen Räte entsandt. Von dort aus werden wiederum Mitglieder in die nächsthöhere Ebene delegiert. Das Prinzip der Delegierung setzt sich bis zu einem zentralen Gremium auf staatlicher Ebene fort. So sollen politische Entscheidungen von unten nach oben umgesetzt werden.

Doch wer war bzw. ist an einer solchen Struktur beteiligt? Wie geschlechterdemokratisch und partizipativ waren bzw. sind Rätesysteme? Über diese und weitere Fragen möchten wir mit unseren Gästen diskutieren.


Mit:
Gisela Notz (Sozialwissenschaftlerin)
Nick Brauns (Historiker und Journalist)

Moderation: Sophia Schmitz (Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung)

Realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.