Freitag, 05. Oktober 2012 – Sonntag, 07. Oktober 2012 In meinem Kalender speichern

-AUSGEBUCHT- Transformatives Community Organizing

Methoden und Beispiele aus der Praxis

Organizing ist ein schillernder Begriff und spätestens mit der Gründung der Bürgerplattform „WIN“ (Wir in Neukölln) steigt neben dem gewerkschaftlichen Organizing auch das öffentliche Interesse am Community Organizing. Viele Nachbarschafts- und Mieterinitiativen sowie stadtpolitisch engagierte Gruppen und Netzwerke beobachten die Entwicklungen kritisch-interessiert.

Wir möchten die Aktualität des Themas nutzen und in dem Wochenendseminar zunächst durch den historischen Rückgriff auf das von Saul Alinsky in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte Konzept des Community Organizing die Herkunft der des zum Organizing zusammengeschnürte Methodenbündels beleuchten.

In seiner Weiterentwicklung lassen sich mittlerweile zwei wichtige, daraus hervorgegangene Strömungen des Community Organizings, unterscheiden: das eher reformorientierte Community Organizing, dem beispielsweise eine wichtige Rolle in der Umgestaltung US-amerikanischer Städte zukommt, und das „transformative“ Community Organizing, das stärker auf systemoppositionelle Perspektiven ausgerichtet ist und das in den letzten Jahren viele Menschen mobilisieren konnte, um reale Verbesserungen in den Lebensverhältnissen der Subalternen in den USA zu erkämpfen.

Der Schwerpunkt des transformativen Community Organizing liegt auf dem Aufbau basisdemokratischer und partizipativer Organisationen. Daran orientierend möchten wir uns verschiedenen Methoden zuwenden, durch die die oftmals unsichtbaren, alltägliche und vertreuten sozialer Konflikte sichtbar gemacht, vernetzt und unterstützt werden können. Von zentraler Bedeutung in diesem Zusammenhang ist das Zugehen auf und das zielgerichtete sprechen mit den Menschen durch das sogenannte „Gleich-zu-Gleich-Gespräch“. Es wird eingesetzt, um Menschen zu aktivieren, Problemlagen zu identifizieren und die Art und Weise der subjektive Betroffen- und Involviertheit näher zu bestimmen. In einem ersten Rollenspiel werden wir diese Methode ausprobieren.

Eine zweite Kernkompetenz im Kontext des Organizings betrifft die Gestaltung und Moderation einer Community Versammlung. In Rollenspielen werden wir deshalb verschiedene Settings nachstellen und dort unterschiedliche Moderationsprinzipien und -techniken vermitteln. Nach dem Ausprobieren verschiedener Settings und Methoden wollen wir eine gemeinsame Diskussion  und Auswertung darüber in Gang bringen, wo Probleme und Chancen in der Anwendung der Methoden liegen. Gleichzeitig möchten wir dadurch verdeutlichen, dass ein gemeinsamer Reflexions- und Auswertungsprozess wesentlicher Bestandteil jedes Organizing-Projekts sein sollte.

Während us-amerikanische Community-Organizing-Projekte in der Literatur und Praxis oft Erwähnung finden, möchten wir auch weniger bekannte Beispiele thematisieren und auf ihre Anwendbarkeit heute in der BRD hin diskutieren wie z.B. die „Militancia en los Barrios“ wie das Community Organizing in Argentinien von Aktiven genannt wird.

Zum Abschluss des Wochenendseminars möchten wir den Teilnehmenden Raum zur Verfügung stellen, in dem wir gemeinsam diskutieren können, welche Projektideen sie haben und/ oder wie und wo sie in Zukunft Methoden des Community Organizings anwenden wollen.

Die Zielgruppe des Wochenendseminars sind Menschen, die an Organizing-Projekten interessiert oder auch bereits involviert sind. Auch für Multiplikator_innen der politischen Bildungsarbeit ist dieses Seminar geeignet, um Methoden der Aktivierung, des zielgerichteten Gesprächs und Moderationstechniken systematisch zu vertiefen. Das Seminar setzt keine spezifischen Kenntisse oder Fähigkeiten sondern nur die Begeisterung für das Thema voraus.
Veranstalter*in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
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