Deutschland im Pflegenotstand

Deutschland im Pflegenotstand

Perspektiven und Probleme der Care Migration
Creator: Maria Luedtke/Heinrich-Böll-Stiftung. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.

In Deutschland – wie auch im Rest Europas – steigt die Zahl der Hochbetagten drastisch an. Diese auf der einen Seite erfreuliche Perspektive angesichts einer im Durchschnitt höheren Lebenserwartung bringt auf der anderen Seite mit sich, dass mehr Menschen in ihrem Alltag eingeschränkt und auf (fremde) Hilfe angewiesen sind. Die Alterung der Gesellschaft wird eine weitere Zunahme bewirken. Die Zahl Pflegedürftiger nimmt stetig zu, während es bereits akut an qualifizierten Pflegekräften mangelt. Das Angebot an bezahlbaren Pflegedienstleistungen steigt nicht äquivalent zur Nachfrage. Dazu wollen die Menschen in der Regel so lange wie möglich zu Hause leben und dort gepflegt werden. Laut Pflegestatistik waren 2011 etwa 2,5 Mio. Menschen als pflegebedürftig eingestuft. 70 Prozent aller Pflegebedürftigen wurden zuhause versorgt - entweder mit oder ohne Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. In teil- und vollstationären Einrichtungen wurden rund 30 Prozent der Pflegebedürftigen betreut.

Die Angehörigen von Pflegebedürftigen stecken in mehrdimensionalen Dilemmata zwischen humanitärem Verhalten gegenüber den nächsten Familienmitgliedern, Anforderungen von Arbeitgeber/innen, zeitlichen Möglichkeiten und ökonomischen Folgekosten z.B. einer Vollzeitpflege. Die Hauptlast der Sorgearbeit liegt in den Familien meist bei den Frauen. Um Beruf, Familie und Pflege überhaupt über einen längeren Zeitraum vereinbaren zu können, wird auf Pflege- und Hauswirtschaftskräfte aus dem Ausland zurückgegriffen. Diese sogenannte Care Migration ist somit bereits gesellschaftliche Realität. Deutschland gehört zu den großen "Import-Nationen“ von Care-Arbeit. Das Deutsche Institut für Angewandte Pflegeforschung geht davon aus, dass derzeit rund 150.000 Migrant/innen pflegebedürftige Menschen betreuen – häufig illegal, ohne vertraglich abgesicherten Lohn und geregelte Arbeitszeiten. Familien, die diese Form der häuslichen Pflege in Anspruch nehmen, bewegen sich in einem Graubereich zwischen illegaler und legaler Beschäftigung.

Die Tagung will die Mikroentscheidungsebene in Familien mit der transnationalen Arbeitsmarktebene von Care Migration auf der Makroebene zusammenbringen. Welche Ursachen sind für den Pflegenotstand in Deutschland verantwortlich und wie wirkt sich dieser aus? Was wird gegen den Pflegenotstand unternommen? Wie gehen wir mit unseren Pflegebedürftigen um? Wer übernimmt Verantwortung für eine menschenwürdige Pflege? Welche Rolle spielt die Pflegemigration und welche Situation finden Pflegemigrant/innen in Deutschland vor?

 

Mit:
Herr Professor Dr. Heinz Rothgang, Zentrum für Sozialforschung, Universität Bremen
Prof. Dr. Helma Lutz, Domestic and Care Work, Gender, Migration, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Universität Frankfurt
Elisabeth Scharfenberg, MdB, Sprecherin für Pflege und Altenpolitik, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Ministerialrat Hans-Dieter Fahnauer, Referatsleiter „Arbeitsmarktpolitik im internationalen Bereich, Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer“, Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Prof. Dr. Thomas Klie, Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg (FIVE) e.V.
Prof. Dr. Juliane Karakayali, Fachbereich Soziologie, Evangelische Hochschule Berlin
Dr. Elke Tießler-Marenda, Referat Migration und Integration, Deutscher Caritas Verband

 

Die Veranstaltung wird als Livestream übertragen.

Eine Kooperation mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP), der International Domestic Workers' Federation (IDWF) und dem Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung.

 

 

Anmeldung:                       
Bitte melden Sie sich durch Ausfüllen des elektronischen Anmeldeformulars oder mit beiliegendem Formular per Post oder per Fax (030.285 34-109) an.

 

Information:       
Lisa Beier
Projektbearbeiterin Sozialpolitik
Heinrich-Böll-Stiftung
E-Mail beier@boell.de
Telefon +49 (0)30 285 34 - 246