Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

Wer gewinnt, wer verliert?

Bei der Fußballweltmeisterschaft der Männer 2014 handelt es sich um die teuerste WM aller Zeiten. Finanziert werden die notwendigen Infrastrukturprojekte aus öffentlichen Geldern, die Kosten trägt die Allgemeinheit. Die größten Nutznießer der Veranstaltung sind bisher der Internationale Fußballverband FIFA und große Bauunternehmen dank Steuerbefreiungen bzw. -erleichterungen. Einen Monat vor der WM sorgt das Megaevent deshalb nicht nur für Euphorie unter den Brasilianern, sondern auch für heftige Spannungen im Land. Die sozialen Proteste der letzten Monate richten sich nicht nur gegen diese immensen Ausgaben. Auch die sozialen Auswirkungen der Eingriffe in städtische Strukturen im Namen der Großereignisse werden kritisiert. Statt einer partizipativen, demokratischen Stadtentwicklungspolitik setzt sich hier das Modell einer Stadt als Wirtschaftsunternehmen durch. Die FIFA wie auch die Regierung versprachen den Brasilianerinnen und Brasilianern langfristige Gewinne aus der WM, ein besseres öffentliches Verkehrsnetz, Jobs und Einnahmen aus dem WM-Tourismus. Ein kurzer Blick reicht jedoch aus, um zu erkennen, dass die breite Bevölkerung nicht von der WM profitieren wird: Verschuldung der Städte für die Bauarbeiten, Privatisierung des öffentlichen Raumes um und in den unter FIFA-Reglements gestellten Stadien sowie steigende Preise auf den Immobilienmärkten der WM-Städte. Die Großereignisse verstärken den ohnehin schon bestehenden Trend, Häuser in armen Stadtvierteln abzureißen und die Familien in die Peripherien der Großstädte zu drängen - zum Teil gegen ihren Willen, ohne demokratische Mitsprache und angemessene Entschädigung.

Das Projekt „Porto Maravilha“ (wunderbarer Hafen) in Rio de Janeiro, ist ein Beispiel für diese sozialen Veränderungen und die mit den sportlichen Großereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft und den Olympischen Spielen 2016 einhergehenden Menschenrechtsverletzungen. Bis zur Olympiade soll die Hafengegend Rios „revitalisiert“ und in ein neues, attraktives Wohn- und Geschäftsviertel verwandelt werden. Alteingesessene Bewohner/innen müssen von einem auf den anderen Tag weichen, Kulturprojekte werden verdrängt, sofern sie nicht Teil der neuen Vermarktung werden.

In der Abendveranstaltung diskutieren die Referent/innen das „Vermächtnis“ der WM 2014 und die Erwartungen der Brasilianer/innen an das Sportereignis. Sie beleuchten Veränderungen und Eingriffe in Rio de Janeiro, die durch die sportlichen Großveranstaltungen legitimiert werden.
 


Mit:
Dawid Bartelt, Leiter des Brasilienbüros der Heinrich-Böll-Stiftung, Brasilien
Julianna Malerba, Federação de Órgãos para Assistência Social e Educacional FASE, Brasilien


Moderation: Bernd Pickert, die tageszeitung taz

 


Information:       
Julia Ziesche
Projektbearbeitung Lateinamerika
Heinrich-Böll-Stiftung
E-Mail ziesche@boell.de
Telefon +49(0)285 34 -327