Internationales Symposium zum Auftakt der Grünen Woche

Internationales Symposium zum Auftakt der Grünen Woche

Agrarökologie – vergessen oder verdrängt?

Ökologische Potentiale einer nachhaltigen und gerechten Ernährungswende

„In der Kathedrale der 'Grünen Revolution' öffnet sich ein Fenster“, so umschrieb der Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO die Rolle der Agrarökologie innerhalb seiner eigenen Organisation. Im September 2014 belebte die FAO mit einem internationalen Symposium zur Agrarökologie die jahrzehntelang vernachlässigte Debatte über ökologische und soziale Potenziale agrar-ökologischer Landwirtschaft wieder. Gleichzeitig diskutiert die Staatengemeinschaft über gemeinsame Ziele, die nach 2015 eine nachhaltige Entwicklung weltweit sichern sollen. 2015 ist zudem das internationale Jahr der Böden. Grund genug, sich mit der Agrarökologie zu beschäftigen.

Die heutige Landwirtschaft ist auf dem falschen Weg. Trotz der auf dem Papier beeindruckenden Steigerungsraten der globalen landwirtschaftlichen Produktionsmengen hungern weltweit noch immer mehr als 800 Millionen Menschen. Gleichzeitig sind die ökologischen Auswirkungen der input-intensiven Landwirtschaft nicht länger zu übersehen und teilweise lebensbedrohend: der Verlust von Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens und der biologischen Vielfalt sowie die Verschmutzung und Übernutzung von Wasserressourcen führen bereits in einigen Regionen zu Ertragsrückgängen, die sich nur noch mit einem erhöhten Einsatz von sogenannten Technologiepaketen ausgleichen lassen. Der Verlust der biologischen Vielfalt - auch im Boden selber - und der Klimawandel führen zu einer Instabilität der Ökosysteme und gefährden damit die natürlichen Grundlagen der Landwirtschaft.

Eine sozial und ökologisch nachhaltige Neuausrichtung der Landwirtschaft ist unabdingbar. Eine Schlüsselfunktion kommt hierbei der Agrarökologie zu. Sie bietet erhebliche Potenziale, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern, die Anpassung an den Klimawandel zu fördern, eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten und die Einkommen von Bauern und Bäuerinnen in armen Ländern zu erhöhen. Agrarökologische Produktionsstrukturen sind von strategischer Bedeutung, weil sie die Vielfalt auf dem Feld und in der Landschaft wiederherstellen. Ein zentrales Ziel der Agrarökologie ist zudem die Umgestaltung der Agrarpolitik und Ernährungssysteme in einer Weise, die wirtschaftlich tragfähig und sozial gerecht für Bauern und Bäuerinnen und Verbraucher/innen ist.

Die FAO hat auf ihrem Symposium im September das Fenster für die Diskussion einen Spalt breit geöffnet. Die Heinrich-Böll-Stiftung, Oxfam Deutschland und der WWF Deutschland möchten Sie herzlich einladen, das Fenster weiter zu öffnen und mit uns über die Potenziale agrarökologischer Produktion zu diskutieren.

Wir freuen uns, Sie am 15. Januar 2015 um 10.30 in der Heinrich Böll Stiftung, begrüßen zu dürfen. Mit neuen Ideen und Perspektiven wollen wir in die Grüne Woche starten.
 

Mit u.a

  • Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung
  • Prof. Pablo Tittonell, Universität Wageningen
  • Prof. Walter Pengue, Universidad Nacional General Sarmiento UNGS, Provinz Buenos Aires, UNEP Ressource Panel, UNEP Ressource Panel
  • Dietrich Pradt, Geschäftsführer Fachbereich Pflanzenernährung, Industrieverband Agrar e.V.
  • Dr. Birgit Wilhelm, WWF
  • Julia Bar-Tal, Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

 

Hinweis: Die Veranstaltung ist ausgebucht, leider können wir keine weiteren Anmeldungen annehmen. Die Veranstaltung wird als Livestream übertragen.

 

Programm:

10.30 Registrierung

11:00 Begrüßung
Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung

11:15 Agrarökologie zwischen Klimaanpassung, Biodiversität und Ernährungssicherheit: 
Pablo Tittonell, Universität Wageningen

11:45 Düngemittelsubventionen oder agrarökologische Forschung – Strategien afrikanischer Länder im Kampf gegen Hunger
Marc Curtis, unabhängiger Gutachter

12:10 Die Auswirkungen agrarindustrieller Produktion auf Böden und Biologische Vielfalt am Beispiel Argentinien:
Prof. Walter Pengue, (Universidad Nacional General Sarmiento UNGS, Provinz Buenos Aires, UNEP Ressource Panel)

12:30 Fragen und Diskussion

13:15 Mittagessen

14:00 Agrarökologie – Bedrohung oder zukunftsweisende Strategie für die Agrarindustrie?
Dietrich Pradt, Geschäftsführer Fachbereich Pflanzenernährung, Industrieverband Agrar e.V.

14.20 Vergessen oder abgedrängt? Warum sind agrar-ökologische Anbauverfahren nicht stärker verbreitet, wenn sie so viele Vorteile bringen?
Olivier de Schutter, Oxfam-Botschafter, Universität de Louvain, per Videobotschaft

14:30 Agrarökologie stärken – was braucht es an politischem Wandel?
Fishbowl-Diskussion mit:
- Stephan Krall, GIZ
- Dietrich Pradt, Industrieverband Agrar e.V.
- Birgit Wilhelm, WWF Deutschland
- Julia Bar-Tal, Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

16:00  Ende

 

Informationen:
Christine Chemnitz
Referentin Internationale Agrarpolitik
chemnitz@boell.de
T 030-285 34-312