Gespräch Samstag, 15. September 2018 in
Berlin

Mexiko am Wendepunkt

Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und ein Ende der Gewaltspirale? Ein Gespräch mit Antonio Ortuño.

Urheber/in: Ayuntamiento de Madrid. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons License.
Datum, Uhrzeit
Sa., 15. Sep 2018,
18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Spanisch
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin

Achtung! Programmänderung: Da Carmen Boullosa kurzfristig absagen musste, findet das Gespräch mit dem Autor Antonio Ortuño statt.

Mit dem Wahlsieg Andrés Manuel Lopez Obradors (AMLO) und seiner Partei Morena im Juli 2018 wird nach langem eine Partei aus dem linken Spektrum die Regierung stellen. Viele Menschen in Mexiko verbinden damit Hoffnungen auf ein Ende der Gewalteskalation im „Krieg gegen die Drogenkartelle“ sowie auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, effektive Korruptionsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit.

Anfang August startete die designierte Regierung einen Konsultationsprozess mit Opfern der Gewalt, Politiker/innen und diversen gesellschaftlichen Gruppen, um Wege zur „Befriedung des Landes und zur Versöhnung“ zu erörtern. Angedacht sind eine Amnestie für Akteure des organisierten Verbrechens, eine Liberalisierung der Drogenpolitik, eine Reform und Entmilitarisierung der inneren Sicherheit, eine Bildungsoffensive unter dem Motto „Becarios sí, Sicarios no!“ (Stipendiaten statt Auftragsmörder) sowie eine Wahrheitskommission im Fall der 43 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa.

Neu ist auch: Kabinett und Kongress sind ab der neuen Amtsperiode erstmals geschlechterparitätisch besetzt, was die bisherigen progressiven geschlechterpolitischen Ansätze von Morena fortzuschreiben scheint. Gleichzeitig koaliert Morena mit der evangelikal-rechtskonservativen Kleinpartei PES, die sich gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe ausspricht. Hinsichtlich zivilgesellschaftlicher Partizipation sendet der zukünftige Präsident unterschiedliche Signale. Einerseits hat AMLO traditionell enge Verbindungen zu gewerkschaftlichen Gruppen, gegenüber unabhängigen sozialen Bewegungen und internationalen NGOs äußerte er sich dagegen mehrfach kritisch.

Der mexikanische Autor Antonio Ortuño wurde 1976 als Sohn spanischer Immigranten in Guadalajara geboren. Seine Romane und Kurzgeschichten sind teils satirisch und stets sozialkritisch. Sein jüngeres Werk behandelt die ausufernde Gewalt in Mexiko, das Verschwindenlassen sowie das Leid, das lateinamerikanische Migrant/innen auf ihrem Weg in die USA erfahren. Daneben umfasst es auch historische und futuristisch-dystopische Fiktionen. Ortuño lebt derzeit in Berlin und ist Stipendiat im Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Im Gespräch mit Antonio Ortuño wollen wir folgenden Fragen nachgehen: Wie sind der politische Wandel in Mexiko und die geplanten Maßnahmen der designierten Regierung zur Überwindung von Gewalt und Korruption einzuschätzen? Wo liegen die Herausforderungen und Hindernisse bei der Umsetzung dieser Vorhaben? Wird die paritätische Besetzung von Kabinett und Kongress einen Unterschied in der Geschlechterpolitik machen? Wie ist AMLOs Verhältnis zur Zivilgesellschaft einzuschätzen und welche Rolle kann letztere bei der Überwindung der Herausforderungen spielen, vor denen das Land steht? Was ist von internationaler Seite nötig, um einen politisch-gesellschaftlichen Wandel in Mexiko zu unterstützen?

Mit:

  • Antonio Ortuño, mexikanischer Schriftsteller, Gast des Internationalen Literaturfestivals Berlin 2018
  • Moderation: Andreas Baum (Autor und Redakteur bei Deutschlandfunk Kultur)

Sprache: Deutsch und Spanisch mit Simultanübersetzung

Ort:
Aquarium (Südblock), Skalitzer Str. 6, 10999 Berlin
Web: www.suedblock.org

Information:
Felix Speidel, Tel. 030-285 34 324, speidel@boell.de

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.