Nicht wachsen oder anders wachsen? Optionen für Unternehmen in einer Postwachstumsgesellschaft

Nicht wachsen oder anders wachsen? Optionen für Unternehmen in einer Postwachstumsgesellschaft

In der rege geführten Transformations-Debatte wird nach Strategien gesucht, um Wirtschaft und Gesellschaft so zu transformieren, dass eine sozial-gerechte Lebensweise innerhalb ökologi­scher Leitplanken in einem früh-industrialisierten Land wie Deutschland realisiert wird. Die De­bat­tenbeiträge sind vielfältig und durchaus kontrovers. Doch eines ist ihnen gemeinsam: Die Ebene der Unternehmen wird bisher kaum in den Blick genommen. Dabei sind Unternehmen zentrale Ak­teure, wenn es darum geht, Transformationsprozesse in der Wirtschaft umzusetzen.

Die Herausforderungen und die Erwartungen an Unternehmen sind groß: Sie sind sowohl Trei­ber als auch Getriebene der vorherrschenden Wachstumserwartungen und sie müssen gleichzeitig einen eigenen Umgang etwa mit Ressourcenbegrenzungen, Klimaschutz und demografischen Entwicklungen finden. Der Workshop „Nicht wachsen oder anders wachsen?“ fragt, welche Mög­lichkeiten Unternehmen haben, sozial-ökologische Transformationsprozesse zu unterstützen und sich in einer entstehenden Postwachstumsgesellschaft zu positionieren.

Eine solche Postwachstumsgesellschaft verfolgt die Vision, die Wachstumsfixierung und -zwänge in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu beenden und dazu die bislang wachs­tums­ab­hängigen Bereiche und Institutionen umzubauen. Es gibt in einer solchen Gesell­schaft weder ein Wachs­tumsgebot noch ein Wachstumsverbot, die Maßstäbe des Wirtschaftens orientieren sich an sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit.

Einen Ansatzpunkt können kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zeigen, von denen manche bereits heute aus den verschiedensten Gründen Wege jenseits rein quantitativen Wachstums gehen. Sie sind in diesem Sinne „wachstumsneutral“, d. h. sie steuern ihr Unterneh­menshandeln nicht vordergründig anhand betriebswirtschaftlicher Kenngrößen wie Umsatz, Ge­winn oder Mitarbeiterzahl. Vielmehr richten sich diese Unternehmen an alternativen Zielgrößen aus, wie etwa der Ressourceneffizienz, Prozess- und Produktqualität oder Lebens- und Arbeitsqualität, und sie entwickeln darüber eine Vorstellung von qualitativem, innerem Wachstum.

  • Welche Motive verfolgen diese Unternehmen und lassen sich derartige Vorstellungen einer wachstumsneutralen oder wachstumsunabhängigen Unternehmensführung auch auf andere Unternehmen übertragen?
  • Können und sollten sich Unternehmen generell durch Wachstumsneutralität positionieren, um hierüber einen Beitrag zu sozial-ökologischen Transformationsprozessen zu leisten?
  • Welche Verantwortung tragen Unternehmen für diese Prozesse?
  • Und welche Strategien sind erfolgversprechend, um durchaus wachsend innerhalb sozialer und ökologischer Leitplanken zu agieren?

Diese und weitere Fragen werden auf dem Workshop der Heinrich-Böll-Stiftung und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Unterneh­mensverbänden, der Politik sowie der Wissenschaft diskutiert. Der Workshop dient als Einstieg in die Debatte um neue Wachstumspositionen von Unternehmen angesichts sozialer und ökolo­gi­scher Herausforderungen und Begrenzungen. Er verfolgt in diesem Sinne zunächst einen fragen­den und einordnenden Zugang und versucht, Motive und Möglichkeiten sowie Chancen und Gren­zen für Unternehmen zu identifizieren, die Postwachstumsstrategien einschlagen.

Der Workshop ist Teil des Projekts „Postwachstumspioniere – Kommunikationsprojekt zur Erwei­terung des Postwachstumsdiskurses um die Rolle mittelständischer Unternehmen“ (www.postwachstumspioniere.de), das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geför­dert und vom IÖW gemeinsam mit der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senf­ten­berg durchgeführt wird.