Rassismus und Männlichkeiten

Rassismus und Männlichkeiten

Netzwerktreffen und Tagung

Rassismus wird im alltäglichen Sprachgebrauch oft mit „Ausländerfeindlichkeit“ oder „Gewalt gegen Ausländer“ gleichgesetzt. Jedoch steckt viel mehr hinter diesem Phänomen.

Es wird in Deutschland wenig darüber diskutiert, dass rassistische Strukturen mitten in unserer Gesellschaft wirksam sind, dass deren Effekte kulturell, sozial und politisch zum Tragen kommen. Rassismus beeinflusst massiv Entscheidungen darüber, wem Chancen zugeteilt oder verweigert, wessen Lebensrealitäten anerkannt werden oder nicht. Rassismus hierarchisiert Menschen nach Herkunft, Hautfarbe, Sprache, kulturellen und religiösen Praxen. Und er durchzieht dabei die gesamte Gesellschaft, auch die Teile, die von sich behaupten, damit nichts zu tun zu haben.

In der sozialen, pädagogischen und politischen (Männer-)Arbeit haben Fachkräfte mit Menschen zu tun, die von Rassismus und Sexismus profitieren oder betroffen sind, manchmal auch beides. Die Situation in einer von Migration und zunehmender Geschlechtervielfalt geprägten Gesellschaft ist komplex, generalisierenden Antworten ist stets zu misstrauen. So stehen zu Beginn der Tagung diese Fragen: Welche Folgen hat ein sensibler Blick auf Migration und Geschlecht für die soziale und pädagogische Praxis? Wie können Männlichkeitskritik und Antirassismus politisch zusammen gedacht werden? Weshalb werden die Kritik an Rassismus und Sexismus noch so oft getrennt voneinander verhandelt, auch in männerpolitischen Kreisen? Welche Funktion erfüllt Rassismus zur Legitimation von Sexismus und andersherum in Teilen des politischen Diskurses? Wie können eigene Privilegien als weiße, heterosexuelle Frauen und Männer der Mehrheitsgesellschaft in der Praxis selbstverständlicher hinterfragt werden? Wie kann eine antisexistische und antirassistische Praxis aus männerpolitischer Perspektive aussehen?

Die Tagung „Rassismus und Männlichkeiten“ will Akteur_innen aus der sozialen, pädagogischen und politischen Arbeit zusammenbringen. Ziel ist es, die eigene Praxis kritisch zu hinterfragen und das Zusammenwirken von Rassismus und Geschlecht mit dem Fokus auf Männlichkeiten zu bearbeiten. 

u.a. mit Robert Claus, Prof. Dr. Harry Friebel, Jens Gerdes, Andreas Haase, Olaf Jantz, Özcan Karadeniz, Dr. Inga Niehaus, Prof. Dr. Susanne Spindler, Johannes Strohmeier, Michael Tunç

Veranstalter:

 

Veranstaltungsinformationen
 

Freitag, 6. November 2015, 18:00: Netzwerktreffen Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse für Netzwerkmitglieder und Interessierte.

Samstag, 7. November 2015, 9:00: Tagungsbeginn
 

Veranstaltungsort: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin

Anmeldung: Die Anmeldung ist mittlerweile geschlossen.
 

Kontakt: Henning von Bargen, Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung E vonbargen@boell.de T 030.285 34-180
 

Vorbereitungsgruppe: Robert Claus, Tahir Della, Harry Friebel, Jens Gerdes, Andreas Goosses, Özcan Karadeniz, Bernd Stude, Michael Tunç, Henning von Bargen
 

Weitere Informationen zu Inhalten und Programm finden sich auf dem Ausführlichen Programm der Veranstaltung (PDF).

 

Programm

Freitag, 6. November
18:00 Netzwerktreffen Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse
21:00 Informeller Ausklang
 

Samstag, 7. November
Ab 9:30 Anmeldung
10:00 Begrüßung, Henning von Bargen (Gunda-Werner-Institut)
10:15 Politische Satire zu Alltagsrassismus und Dominanzkultur, Szenischer Einstieg

11:15 – 13:15 Parallele Workshops:

  • WS 1: Alltäglicher Rassismus in Schulbüchern / Bildungsmedien: Männlichkeit als Teil des Problems?
    Dr. Inga Niehaus ( Projektleiterin der jüngsten Schulbuchstudie, Georg- Eckert-Institut- Leibnitz- Institut für internationale Schulbuchforschung), Prof. Dr. Harry Friebel (Universität Hamburg, WISO-Fakultät, Projektgruppe Weiterbildung)
  • WS 2: Transkulturelle Jungenarbeit - wie Rassismus/Antisemitismus mit männlichen Jugendlichen angemessen bearbeitet werden kann
    Olaf Jantz (Jungenbildungsreferent bei mannigfaltig e.V., Hannover)
  • WS 3: Intersektionelle Diskriminierungsverhältnisse und Soziale Arbeit
    Prof. Dr. Susanne Spindler (Hochschule Darmstadt, Professorin für Interkulturalität, Jugendarbeit, sozialraumorientierte Arbeit)
  • WS 4: Perspektiven auf Väter mit Migrationsgeschichte
    Johannes Strohmeier (Leiter einer psychologischen Beratungsstelle für Männer und Mitglied des hessischen Netzwerks gegen Diskriminierung, Frankfurt/M.)
    Özcan Karadeniz (Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V., Projektkoordinator "Vaterzeit im Ramadan?!", Vorstand BN Männlichkeiten, Migration und Mehrfachzugehörigkeiten)
  • WS 5:  Der Spagat zwischen Mitgefühl und Verunsicherung
    Andreas Haase (Gestalttherapeut, Coach und Männerarbeiter, Detmold)
  • WS 6:  National und patriarchal
    Robert Claus (Leibniz Universität Hannover)
  • WS 7: Identitätsausbildung bei Schwarzen und PoC Jungs
    Carl Camurça (Vertreter und Aktivist des ISD Bund e. V.)

13:15 Mittagspause

14:00 – 15.45 Parallele Workshops (Fortsetzung vom Vormittag)
15:45 Kaffeepause
16:15 Warum braucht es Rassismuskritik in Männlichkeitsdebatten und in Rassismusdebatten Männlichkeitsperspektiven?
Fishbowl zu persönlichen und politischen Schlussfolgerungen aus den Workshops.
17:00 Tagungsende