Donnerstag, 24. Februar 2011 16.00 – 18.00 Uhr In meinem Kalender speichern

1871 - 2011: 140 Jahre Einheit und Uneinigkeit in Deutschland

veranstaltet von `Rosa Luxemburg Stiftung`

Ein linker Blick auf Nation, Klassenkampf und das Scheitern einer Mittelmacht

Zu den ungeliebten Themen linker Geschichtspolitik und Positionierung in den politischen, sozialen und geistigen Kämpfen gehört die Haltung zum deutschen Nationalstaat und zur nationalen Frage in der deutschen Geschichte. Von Haus aus Internationalisten haben Linke sich immer schwer getan, hier einen positiven Bezug herzustellen. Denn die Gefahr nationaler Überhebung und nationaler oder rassistischer Ausgrenzung ist groß. Und wer andere unterdrückt, der kann nicht emanzipatorische Politik für sich in Anspruch nehmen. Wenn sie auf die nationale Karte setzten - so in der Unterstützung der Herrschenden im 1. Weltkrieg -, haben sie dafür ein ebenso bitteres Lehrgeld zahlen müssen wie bei dem Verzicht auf eine eigene nationale Position in den politischen Kämpfen der Weimarer Republik und gegen den Faschismus oder in der Positionierung der DDR als einem sozialistischen Staat aus der Erbmasse des NS-Regimes, aber eben ein Deutschland. Spätestens 1989 wurde die Linke in Ost wie West überrascht und übermannt, als nationale Losungen die Beerdigung des Realsozialismus in der DDR begleiteten. Trotzdem bleibt die Zeit einer deutschen Einheitsstaatlichkeit immer noch die Ausnahme in de deutschen Geschichte. Unter den Voraussetzungen des Ringens um ein anti-neoliberales, um ein anti-militaristisches Europa zeigen sich erneut die Schwierigkeiten in der Positionierung zu den nationalen wie den internationalen Feldern und Losungen der politischen Auseinandersetzung. Für Linke gibt es offenbar kein entweder oder sondern nur ein sowohl als auch. Und das fiel und fällt ihnen schwer.

Mit Beiträgen von:

Prof. Dr. Walter Schmidt: Nationalstaat von oben und linker Widerstand

Prof. Dr. Georg Fülberth: Der deutsche Einheitsstaat trug den Keim seiner Auflösung von Anfang an in sich. Und so sieht er heute auch aus

Prof. Dr. Jürgen Hofmann: Wie viel Staaten verträgt eine Nation - großdeutsche, kleindeutsche und zweistaatliche Lösungen

Dr. Stefan Bollinger: Nie wieder Deutschland, Vaterland, Europa? Von der Schwierigkeit linker Suche nach neuen Identitäten

Rosa Luxemburg Stiftung