Donnerstag, 19. März 2009 18.00 Uhr – Freitag, 20. März 2009, 18.00 Uhr In meinem Kalender speichern

20 Jahre 1989 - Europa im Aufbruch

Demokratie und Marktwirtschaft: Ideale von gestern?

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Internationale Konferenz der Veranstaltungsreihe 1989 - Europa im Aufbruch
 
„Die Phase nach dem Kalten Krieg war eine außergewöhnliche und bewundernswerte Dekade der europäischen Geschichte. Sie weitete die Grenzen der Freiheit und Demokratie und ermöglichte die Wiedervereinigung Europas. Heute stehen wir einer völlig anderen Realität gegenüber. Die kapitalistische Revolution hat zwar triumphiert, doch die demokratische Revolution ist auf dem Rückzug.“ Ivan Krastev, Centre for Liberal Strategies, Sofia

Die Ereignisse von 1989/90 waren Wegbereiter der Demokratie in Zentral- und Osteuropa und beschleunigten zugleich die Globalisierung des Kapitalismus, wenngleich in sehr verschiedenen Ausprägungen. Demokratie und Marktwirtschaft galten als Leitsterne, denen die ganze Welt mehr oder weniger schnell folgen würde. Damit verbunden war ein grundlegender Wandel der globalen Machtordnung als auch der Interpretationsmuster für das Weltgeschehen. Die europäischen demokratischen Umwälzungen von 1989 markieren deshalb nichts Geringeres als eine globale Zeitwende.

Die bipolare Weltordnung des Kalten Krieges wurde obsolet. Europa ist wieder zu einem gemeinsamen politischen und kulturellen, wenngleich keineswegs uniformem Raum geworden. Für viele ost-mitteleuropäische Nationen öffnete sich mit dem Fall der Mauer und der Implosion der Sowjetunion der „Rückweg nach Europa“ im Sinne einer gemeinsamen politischen Geschichte und Gegenwart. Es wird um ein gemeinsames Europa gerungen, das die Frage beantworten muss, wie die Demokratie über die Grenzen des Nationalstaats hinaus getrieben werden kann. Dabei ist die EU nicht das ganze Europa, aber sie bringt Europa als politisches Subjekt auf die internationale Bühne.

Inwieweit sind Demokratie und Marktwirtschaft auch 20 Jahre danach noch die unumstrittenen Eckpfeiler einer zukünftigen politischen Ordnung für Europa und darüber hinaus? Das Leitbild der liberalen Demokratie ist in vielen Ländern der Welt heute keineswegs unumstritten. In der Europäischen Union ist die Transformation der neuen Mitgliedstaaten auf der Ebene der politischen Institutionen mehr oder weniger gründlich gelungen. Gleichzeitig ist die Herausbildung einer demokratischen politischen Kultur ein andauernder Prozess, der sich keineswegs als linearer Fortschritt vollzieht. Das gilt in gewisser Weise auch für westeuropäische Staaten, deren Parteiensystem sich im Umbruch befindet und die von rechts- oder linkspopupulistischen Bewegungen herausgefordert werden.

Spätestens die internationale Finanzkrise stellt auch die Marktwirtschaft als freiheitliche Wirtschaftsordnung auf den Prüfstand. Sie bestärkt die Kräfte in Europa, die mit zunehmendem Erfolg eine stärkere Lenkung und Kontrolle der Wirtschaft durch den Staat fordern. In diesem Zusammenhang erhalten auch protektionistische Bestrebungen Aufwind, die auf eine stärkere Abschottung gegenüber der globalen Konkurrenz zielen. Die Frage, wie soziale Sicherheit mit wirtschaftlicher und politischer Freiheit in Einklang zu bringen ist, rückt mehr und mehr ins Zentrum der öffentlichen Debatte.

Im Rahmen dieser internationalen Tagung wird daher einerseits eine Bilanz der letzten 20 Jahre gezogen werden: wie weit wurden die Hoffnungen und Erwartungen von 1989 eingelöst? Wo stehen wir im Prozess der ökonomischen, sozialen und demokratischen Transformation? Gleichzeitig soll der Blick nach vorn gerichtet werden: Was sind Leitbilder für die Zukunft der europäischen Gesellschaften?

Programm in Englisch