Podiumsdiskussion

Donnerstag, 19. November 2015 18.00 – 20.30 Uhr In meinem Kalender speichern

Podiumsdiskussion

20 Jahre Dayton-Abkommen: Politik ohne die bosnische Bürgerschaft

Im November 1995 wurde auf der Air-Force-Militärbasis in der Nähe von Dayton (USA) das sogenannte Dayton-Abkommen unterzeichnet: Ein Friedensvertrag, der den bis dahin mehr als drei Jahre andauernden blutigen Krieg in Bosnien-Herzegowina beendete, es aber nicht vermochte, die Grundlagen für einen stabilen demokratischen Staat zu schaffen. Der Vertrag erkannte die durch Krieg und Vertreibung entstandene territoriale und ethnopolitische Aufteilung Bosnien-Herzegowinas (BiH) an und etablierte ein politisches System, unter dessen politischen Lasten das Land bis heute leidet.

Insbesondere beim EU-Integrationsprozess zeigt sich die Resistenz des Daytoner Systems im Unvermögen seiner Anpassung an das normative System der Europäischen Union. Die politischen Eliten widersetzen sich seit Jahren erfolgreich jeder größeren Veränderung, die ihre Vormachtstellung gefährden könnte. Regiert wird intransparent, die wichtigsten Entscheidungen werden jenseits von nachvollziehbaren Prozeduren und formellen Institutionen getroffen.

Da die wirklichen Orte politischer Entscheidung verdeckt sind, sind  die Möglichkeiten der Bürger und Bürgerinnen zur politischen Einflussnahme begrenzt. Klare Zuweisung politischer Verantwortung und demokratische Kontrolle scheitern an der Komplexität des Dayton-Systems und der Abhängigkeit von internationalen Akteuren.
 
Folgenden Fragestellungen soll nachgegangen werden:

  • Wo befindet sich BiH 20 Jahre nach Kriegsende?
  • Welche politischen und gesellschaftlichen Potenziale gibt es für die ausstehenden demokratischen Reformen?
  • Was ist die Zwischenbilanz der der internationalen Gemeinschaft in BiH?
  • Ist das "bürgerliche" Konzept in BiH gescheitert?
  • Was ist die Alternative zum Konzept von Dayton?

Filmausschnitte aus "Die Belagerung von Sarajevo: Kultureller Widerstand und die Rolle von Susan Sontag“ von Nihad Kreševljaković sowie aus Arbeiten der Regisseurin Jasmila Žbanic (Goldener Bär und Friedensfilmpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2006 für ihren Debütfilm "Grbavica - Esmas Geheimnis") ergänzen das Gespräch.

Mit:
Alma Mašić (Vorsitzende der Youth Initiative for Human Rights)
Jasmila Žbanić (Regisseurin)
Nihad Kreševljaković (Direktor von SARTR  Sarajevo Kriegstheater)
Zlatko Dizdarević (Journalist und ehemaliger Diplomat)

Moderation: Marion Kraske, Heinrich-Böll-Stiftung Sarajevo

Information: 
Gudrun Fischer, Programmkoordination Ost- und Südosteuropa,
E-Mail fischer@boell.de   Telefon 030-285 34 -382

 

Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Teilnahmegebühren
frei