Podiumsdiskussion
- Donnerstag, 11. Juni 2026 18.30 – 20.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Abschottung, Cyberattacken und Repressionen - wie Osteuropaforschung trotzdem möglich bleibt
im Rahmen der 33. Tagung Junger Osteuropa-ExpertInnen
Einige politische Analysten vertraten nach Ende des Kalten Krieges die aus heutiger Sicht allzu naive Perspektive, dass die Entwicklung der Geschichte mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion an ihr Ende gelangt sei. Die Systemkonkurrenz war vorbei und die liberale Demokratie westlicher Prägung hatte vermeintlich gesiegt. Auch für die westliche Wissenschaft und Publizistik, die sich dem einstigen Feind widmete, schienen goldene Zeiten anzubrechen: Reisen waren uneingeschränkt möglich, Archive offen und die Neugier des westlichen Publikums zunächst groß.
Mit dem russisch-georgischen Krieg 2008 und der russischen Annexion der Krim 2014 zeichnete sich jedoch immer deutlicher ab, dass es sich bei den optimistischen Prognosen Anfang der 1990er Jahre um Fehleinschätzungen gehandelt hatte. Besonders das autoritäre Regime in Russland beschnitt die neugewonnene Freiheit der Wissenschaft drastisch und auch in anderen Ländern des östlichen Europas wurde es wieder schwieriger unabhängig zu forschen und zu schreiben.
Seit der brutalen Unterdrückung der Proteste in Belarus 2020 und Eskalation des russischen Kriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 ist es offensichtlich: kritische wissenschaftliche Forschung ist (zumindest in Russland und Belarus) auf absehbare Zeit zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden. Wissenschaftler:innen und Journalist:innen aus dem In- und Ausland sind transnationalen Repressionen ausgesetzt, Aufenthalte vor Ort mit enormen Risiken verbunden und einschlägige Institutionen sehen sich vermehrt aggressiven Cyber-Attacken ausgesetzt.
Wie die deutsche Forschung und Publizistik mit dieser vom Kreml gesteuerten disruptiven Dynamik umgehen kann, wie trotz aller Hindernisse eine resiliente Beschäftigung mit dem östlichen Europa möglich ist und wie diese Thematik auch einer krisenmüden deutschen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, diskutiert Matthias Melcher (LMU München) mit:
- Sandra Dahlke (Max-Weber-Netzwerk Osteuropa),
- Ingo Petz (dekoder) und
- Gabriele Freitag (Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.)
Die Veranstaltung findet im Rahmen der 33. Tagung Junger Osteuropa-ExpertInnen statt. Organisiert wird die Diskussion von der Jungen DGO in Kooperation mit der Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., der ZEIT Stiftung Bucerius, der Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen, der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, der Universität Hamburg, sowie dem Nordost-Institut an der Universität Hamburg IKGN e.V.
- Adresse
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Kant-Saal im Ostpreußischen Landesmuseum,
Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg
- Veranstalter*in
- Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen
- Teilnahmegebühren
- kostenfrei. Teilnahme nur mit Anmeldung.