- Montag, 28. Oktober 2013 10.00 – 12.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Afghanistan’s Transition in the Making? Natural Resources, Conflict and Development
Diskussionsrunde (Expert Discussion)
Mit Blick auf die Übergabe der politischen und militärischen Verantwortung von der internationalen Gemeinschaft in afghanische Hände wird der Ressourcensektor als wichtiger Faktor einer wirtschaftlichen Transition Afghanistans proklamiert. Eine in 2010 durchgeführte Erhebung verspricht bei vorteilhaften Erschließungsbedingungen hohe Staatseinkünfte. Die afghanische Regierung hat sich daher im Rahmen des Tokioer Abkommens 2012 verpflichtet, internationale soziale und ökologische Anforderungen zu erfüllen, um eine nachhaltige Entwicklung des Bergbausektors zu garantieren. Bei internationalen Wirtschaftsdialogen und Vertragsverhandlungen stehen aber nach wie vor die Interessen der Investoren im Vordergrund, während eine Debatte über die mit der Ressourcennutzung verbundenen Konflikte fehlt.
Der Zugang zu und die Kontrolle über die Ressourcen - seien es Land, Wasser oder extraktive Rohstoffe - bedeutet politischen Einfluss und Macht und spiegelt traditionelle ethnische, altnationale und regionale Konflikte wider. Dies betrifft zum Beispiel die Auseinandersetzungen über den Zugang zu Weideland zwischen nomadischen und siedelnden Bevölkerungsgruppen, Konflikte über die Kontrolle von Bergbaugebieten zwischen afghanischen Sicherheitskräften und bewaffneter Opposition, militante Auseinandersetzungen über die Wiedereinsetzung eines Staudamms oder den illegalen Holzhandel mit Nachbarländern. In allen Bereichen fehlt es an etablierten Kontrollmechanismen.
Der afghanische Ressourcensektor wird sich aber nur entwickeln und zu einem wesentlichen Faktor einer nachhaltigen politischen Transition etablieren können, wenn eine generelle Bestandsaufnahme bereits existierender militanter Auseinandersetzungen über Ressourcen stattfindet. Dieser Prozess muss gleichzeitig nationale, und regionale Machthaber mit internationalen Investoren zusammenbringen und eine Debatte über die Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Beteiligungen anstoßen.
Zusammen mit internationalen und afghanischen Expert/innen möchten wir die beteiligten Akteurinnen und Akteure definieren und die Möglichkeiten einer demokratischen Beteiligung der Zivilbevölkerung an der Verwaltung der natürlichen Ressourcen des Landes eruieren. Wie kann die Zivilbevölkerung mobilisiert werden, ihre Rechte einzufordern? Und inwieweit ist es möglich, die im Ressourcensektor reflektierten Machtstrukturen und politischen Interessen der verschiedenen Akteur/innen positiv für den politischen Einigungsprozess in Afghanistan zu nutzen?
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin