- Mittwoch, 09. Mai 2007 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Afrika in der Wissenschaft 1: (K)ein Platz für kulturelle Grenzgänger!? – Von der möglichen Bereicherung und gefühlten Bedrohung der deutschen Wissenschaft durch AfrikanerInnen
AfricAvenir Dialogforum 2007
„Hybridität“ avancierte innerhalb
der letzten Jahre zum neuen, zumeist positiv besetzten Modewort der Sozial- und
Kulturwissenschaften. Der Begriff weckt Vorstellungen einer kulturellen
(bisweilen auch biologischen) „Vermischung“. „Hybridität“ wird gerade in
akademischen Kreisen als positiver Gegenentwurf einer auf kulturelle
Homogenisierung zielenden repressiven Integrationspolitik entgegengesetzt.
Diesem Diskurs entstammt die Vorstellung, dass auch afrikanische Intellektuelle
mit ihrer hybriden Identität, als „BrückenbauerInnen“ bzw. „kulturelle
GrenzgängerInnen“ zwischen Afrika und Europa für Forschung und Lehre eine
positive Bereicherung darstellen könnten.
Jenseits der dabei aufflackernden Gefahr eines neuen Essentialismus, der die betroffenen Personen überschätzen oder überfordern könnte, ist der Alltag afrikanischer WissenschaftlerInnen in Deutschland häufig weit entfernt von der in akademischen Diskursen geäußerten Wertschätzung. Sie werden nicht als BrückenbauerInnen zwischen den (Wissenschafts-)Kulturen angesehen, sondern als Störenfriede und UnruhestifterInnen, die die überlieferte Grenze bedrohen, die eine Trennung vorsieht zwischen europäischen Lehrenden und den AfrikanerInnen, die scheinbar auf ewig die Position der Lernenden einnehmen sollen. Dementsprechend erfährt die Partnerschaft zwischen den WissenschaftlerInnen häufig dort ihre Grenzen, wo AfrikanerInnen nicht mehr nur das „Rohmaterial“ über ihre „Stämme“, Sprachen und Kulturen aus Afrika beschaffen, sondern sich intensiv an der Theoriebildung beteiligen bzw. den Fokus ihres Interesses verstärkt auf Europa lenken. Während es für deutsche und europäische WissenschaftlerInnen völlig normal ist, außereuropäische Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu beforschen und zu bewerten, scheint eine illegitime Grenzverletzung stattzufinden, sobald AfrikanerInnen sich kritisch zu Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in Europa bzw. Deutschland äußern.
Im Dialogforum soll die aktuelle Situation des Umgangs mit afrikanischen WissenschaftlerInnen und dem von ihnen gewonnenem Wissen in Deutschland diskutiert werden.
Dabei sind folgende Fragen zentral:
- Welche Themen/ Forschungsfragen werden als legitim, welche als illegitim für afrikanische WissenschaftlerInnen angesehen? In welchen Feldern können sie sich in Deutschland als ExpertInnen etablieren?
- Lässt sich im deutschen Wissenschaftsbetrieb eine Verknüpfung der Kategorien `Race` und `Wissenschaftlichkeit der Arbeit` ausmachen? Wie äußert sich diese Verknüpfung?
- Wie wirkt sich der Umgang in Deutschland/ Europa mit den Forschungsergebnissen afrikanischer WissenschaftlerInnen auf das Selbstverständnis dieser WissenschaftlerInnen aus? Welche Reaktionen lassen sich beobachten?
- Gibt es Institutionen, die die Bedingungen der Möglichkeit eines Wissenschaftsdialoges selbstkritisch ausloten und explizit am partnerschaftlichen Umgang und der wechselseitigen wissenschaftlichen Anerkennung arbeiten? Welches sind die deutschen `best practices`?
Mit:
Dr. Michel Foaleng, Erziehungswissenschaftler aus Kamerun, ehem. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am SFB 520 an der Universität Hamburg, zurzeit verantwortlich für ein LehrerInnenausbildungsprogramm in Kamerun
Grada Kilomba, Autorin und Psychologin
Jenseits der dabei aufflackernden Gefahr eines neuen Essentialismus, der die betroffenen Personen überschätzen oder überfordern könnte, ist der Alltag afrikanischer WissenschaftlerInnen in Deutschland häufig weit entfernt von der in akademischen Diskursen geäußerten Wertschätzung. Sie werden nicht als BrückenbauerInnen zwischen den (Wissenschafts-)Kulturen angesehen, sondern als Störenfriede und UnruhestifterInnen, die die überlieferte Grenze bedrohen, die eine Trennung vorsieht zwischen europäischen Lehrenden und den AfrikanerInnen, die scheinbar auf ewig die Position der Lernenden einnehmen sollen. Dementsprechend erfährt die Partnerschaft zwischen den WissenschaftlerInnen häufig dort ihre Grenzen, wo AfrikanerInnen nicht mehr nur das „Rohmaterial“ über ihre „Stämme“, Sprachen und Kulturen aus Afrika beschaffen, sondern sich intensiv an der Theoriebildung beteiligen bzw. den Fokus ihres Interesses verstärkt auf Europa lenken. Während es für deutsche und europäische WissenschaftlerInnen völlig normal ist, außereuropäische Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu beforschen und zu bewerten, scheint eine illegitime Grenzverletzung stattzufinden, sobald AfrikanerInnen sich kritisch zu Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in Europa bzw. Deutschland äußern.
Im Dialogforum soll die aktuelle Situation des Umgangs mit afrikanischen WissenschaftlerInnen und dem von ihnen gewonnenem Wissen in Deutschland diskutiert werden.
Dabei sind folgende Fragen zentral:
- Welche Themen/ Forschungsfragen werden als legitim, welche als illegitim für afrikanische WissenschaftlerInnen angesehen? In welchen Feldern können sie sich in Deutschland als ExpertInnen etablieren?
- Lässt sich im deutschen Wissenschaftsbetrieb eine Verknüpfung der Kategorien `Race` und `Wissenschaftlichkeit der Arbeit` ausmachen? Wie äußert sich diese Verknüpfung?
- Wie wirkt sich der Umgang in Deutschland/ Europa mit den Forschungsergebnissen afrikanischer WissenschaftlerInnen auf das Selbstverständnis dieser WissenschaftlerInnen aus? Welche Reaktionen lassen sich beobachten?
- Gibt es Institutionen, die die Bedingungen der Möglichkeit eines Wissenschaftsdialoges selbstkritisch ausloten und explizit am partnerschaftlichen Umgang und der wechselseitigen wissenschaftlichen Anerkennung arbeiten? Welches sind die deutschen `best practices`?
Mit:
Dr. Michel Foaleng, Erziehungswissenschaftler aus Kamerun, ehem. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am SFB 520 an der Universität Hamburg, zurzeit verantwortlich für ein LehrerInnenausbildungsprogramm in Kamerun
Grada Kilomba, Autorin und Psychologin
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin