Mittwoch, 07. Oktober 2009 16.00 – 19.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Afrikas Region der Großen Seen: Land unter im Überfluss ?

veranstaltet von `Konrad Adenauer Stiftung`

Das Fachgespräch bringt Experten der Vereinten Nationen, aus dem akademischen Bereich und der Zivilgesellschaft ebenso wie aus der Minenindustrie zusammen, um relevante Fragen zur humanitären Krise im Kongo zu diskutieren.

Nach dem Pretoria Friedensabkommen von 2002 und dem nachfolgenden Transitionsprozess wurden in der Demokratischen Republik Kongo 2006 – weitgehend - freie und faire Wahlen durchgeführt. Eine Friedensdividende in Form einer besseren ökonomischen und politischen Entwicklung ließ sich davon jedoch nicht ableiten, insbesondere im Osten des Landes.

Im Mai 2009 erklärte die International Crisis Group, der Kongo-Konflikt eskaliere erneut, da die Opferzahlen der Zivilbevölkerung auch nach der Militäroperation Umoja Wetu stiegen. Die gemeinsame Militäroffensive der DR Kongo und Ruanda gegen die Hutu-Rebellengruppe FDLR war im Januar 2009 gestartet worden. Die anhaltende humanitäre Krise mit zehntausenden von Flüchtlingen, Zwangsrekrutierungen von Kindern und Zivilisten wird verschärft durch extreme sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt.

Die verschiedenen sich überlagernden Konfliktebenen machen eine Lösung der Krise höchst kompliziert: Welche regionalen, ökonomischen und den Staatsaufbau betreffenden Dilemmata befördern die kongolesische “Konfliktfalle”? Der von einem UN-Expertengremium im Dezember 2008 veröffentlichte Bericht hebt hervor, dass ein großer Teil der finanziellen und militärischen Unterstützung von Rebellengruppen durch Nachbarländer informell sei und keine Datenspur hinterlasse. Im Juli 2009 berichtete Global Witness, europäische und asiatische Unternehmen hätten Mineralien von kongolesischen Händlern gekauft, die Rebellen und Regierungstruppen finanzierten und somit Konflikte verstärkten. Zudem würden nicht nur Rebellengruppen, sondern auch die reguläre Armee illegalen Ressourcenhandel betreiben. Denn die Regierungssoldaten sind noch immer unterbezahlt und weitestgehend unstrukturiert - trotz langjähriger internationaler Reformbemühungen im Sicherheitssektor. Der Umgang mit Kongos Ressourcenreichtum (Kupfer, Coltan und Gold) hat bisher Entwicklung nicht gefördert, sondern Konflikte geschürt.

Dennoch bleibt die Situation in Kivu international weitgehend unbeachtet. Die humanitäre Krise drängt aber immer dringlicher zu fragen: Gibt es keine innovativen Möglichkeiten, die Kriegsökonomien und Konfliktstrukturen in der DR Kongo dauerhaft zu durchbrechen? Werden die Aussichten auf eine Kriegsdividende für wenige weiterhin die Bemühungen für eine Friedensdividende für viele verhindern? Welche Verantwortung sind regionale und internationale Akteure bereit zu tragen?

Die Veranstaltung bringt Experten der Vereinten Nationen, aus dem akademischen Bereich und der Zivilgesellschaft ebenso wie aus der Minenindustrie zusammen und möchte relevante Fragen zu diesem Thema diskutieren.


Konrad Adenauer Stiftung