Freitag, 15. April 2011 19.30 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Anatomie im Nationalsozialismus

Vortrag von Prof. Christoph Redies

Die deutsche Ärzteschaft war auf vielfältige Weise in die Verbrechen des NS-Regimes verstrickt, z.B. in Menschenversuche, Zwangssterilisation und „Euthanasie“. Weniger bekannt ist, dass am Rande dieser Verbrechen die anatomischen Institute im Deutschen Reich zum Teil sehr bereitwillig die Leichname von NS-Opfer zu Lehr- und Forschungszwecken übernahmen. Dies betraf vor allem die Leichname von Personen, die wegen geringfügiger oder politischer Vergehen gegen das NS-Regime hingerichtet wurden, und „Euthanasie“-Opfer. Der Vortrag konzentriert sich auf die Anatomie der Universität Jena, schließt aber Beispiele von anderen Universitäten des Deutschen Reiches ein. Auch auf die historische Aufarbeitung, die derzeitigen Regelungen und aktuelle ethische Diskussionen in der Anatomie wird eingegangen.
Referent, Prof Christoph Redies, ist Leiter des Institutes für Anatomie 1 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Redies war maßgeblich an der Aufklärung der Herkunft von Leichnamen beteiligt, die in der Jenaer Anatomie während des Nationalsozialismus verwendet worden waren. In der Folge dieser Nachforschungen wurde 2005 in der FSU eine Gedenktafel für die Opfer des NS-Regimes angebracht, deren Körper für anatomische Untersuchungen missbraucht worden waren.
Veranstalter*in
Landesstiftung Thüringen