Vortrag Sonntag, 29. Juli 2018

Auf der Spur der Menschenrechte Die "Rote Insel" in Berlin Schöneberg

Stadtspaziergang

Datum, Uhrzeit
Sonntag, 29. Juli 2018, 14.00 Uhr – 16.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Die "Rote Insel" in Schöneberg ist ein kleiner, dicht bebauter Berliner "Kiez", in dem sich Geschichte und Gegenwart ein spannendes Stelldichein geben. Auf dem Spaziergang werden die Menschenrechte in ihrer Vielfalt am Beispiel konkreter Orte vorgestellt, z.B. das Recht auf Bildung, auf den Schutz vor rassistischer Diskriminierung und vor allen anderen Formen von Benachteiligung. Weitere Themen sind u.a.: Frauenrechte, das Recht auf bezahlbaren Wohnraum, die Menschenrechte von Geflüchteten, Kinderrechte und das Recht auf eine inklusive Gesellschaft, die den verschiedenen Bedürfnissen der Menschen gerecht wird.

Die "Rote Insel" war ein Schwerpunkt des sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstandes gegen die Nazidiktatur. Berühmt wurden Julius und Annedore Leber. Rund um deren ehemalige Kohlenhandlung entwickelt sich der "Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber" - initiiert vom gleichnamigen Arbeitskreis (http://gedenkort-leber.de/). Unser Weg führt auch zum Geburtshaus von Marlene Dietrich. Berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler mit Roma-Herkunft werden vorgestellt, von denen dies kaum bekannt ist. Das ehemalige Kaufhaus Lesser ist ein Beispiel für die Diskriminierung von jüdischen Schönebergerinnen und Schönebergern in der Nazizeit. Es geht natürlich auch um Initiativen gegen antijüdischen, antimuslimischen und romafeindlichen Rassismus in der Gegenwart.

Vielfalt war immer ein Markenzeichen der Roten Insel: Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Menschen aus vorwiegend katholischen Gegenden zu. Heute leben und arbeiten hier Einwander*innen und ihre Kinder aus verschiedenen Ländern: z.B. aus der Türkei, aus Ländern der EU, des Nahen Ostens, Afrikas und Lateinamerikas u.a. Vielfältig ist auch die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung: traditionell ein Wohngebiet der kleinen Leute, sind in den letzten Jahren Angehörige der Mittelschichten hinzu gekommen. Heute spielt hier auch die Frage steigender Mieten eine Rolle. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat vor einigen Jahren eine "Milieuschutzverordnung" für die "Rote Insel" erlassen, um die Bewohner*innen vor Verdrängung zu schützen. Auch Initiativen von Mieter*innen sind hier sehr aktiv.

Treffpunkt: Fahrradständer am S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke, in der Nähe des Cafés "Ess Eins"

Der Referent, Martin Forberg, M.A. (Neuere Geschichte, Soziologie und Ethnologie) ist in der Politischen Bildung, als Publizist und als Stadtspaziergangsleiter tätig. Mitglied in den Arbeitskreisen Wirtschaft und Soziales und Migration & Bewegungsfreiheit des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Veranstaltung wird mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin realisiert.