Workshop Freitag, 30. September 2016 – Sonntag, 02. Oktober 2016 in
Berlin

-ausgebucht- Pfade in eine selbstorganisierte Arbeit(s)Welt

Ein kreatives Erkundungsseminar zu Arbeit, Wirtschaft, Unternehmen in einer Postwachstumsgesellschaft

Datum, Uhrzeit
Fr., 30. Sep 2016, 17.00 Uhr  –
So., 02. Okt. 2016, 17.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Teilnahmegebühren
Ticket Created with Sketch.
Eintritt frei
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)

Die Unzufriedenheit in der heutigen Arbeitswelt zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Ob ProjektleiterIn, SekretärIn, Pflegekraft, UniabsolventIn, Prekärbeschäftigte/r oder UnternehmenschefIn - der überwiegende Teil der ArbeitnehmerInnen leidet heute an den unterschiedlichsten Auswirkungen einer rational-durchorganisierten, rein auf Wettbewerb und Profitmaximierung ausgerichteten Wirtschaft. Mit der von Bundesregierung und Wirtschaft verheißungsvoll prognostizierten Industrie 4.0, der völligen Digitalisierung unserer Arbeitswelt, wird  die Spaltung der Gesellschaft möglicherweise noch größer. All jene Menschen, die in dieser schönen, neuen Arbeitswelt nicht mithalten können, werden eventuell in eine parallel entstehenden Wachstumsbranche des untersten Dienstleistungsgewerbes abwandern müssen. Hier könnten sie auf einfachste, standardisierte, rein körperlich ausführbare Tätigkeiten reduziert werden. Oder sie werden perspektivisch ihre Erwerbsarbeit verlieren.

Dass es auch anders gehen kann, davon zeugt eine stetig wachsende Zahl von PostwachstumsvordenkerInnen, selbstbewussten ArbeitnehmerInnen und innovativen Unternehmen, die selbstorganisierte, potenzialfördernde und ressourcenschonende Formen des Wirtschaftens und Arbeitens bereits erproben bzw. schon seit Jahrzehnten vorleben.

Integral-evolutionär handelnde Unternehmen, die der belgische Berater und Coach, Fredric Laloux, untersucht hat, praktizieren völlig neue Formen der Zusammenarbeit: Selbstführend, ganzheitlich und einem "evolutionären Sinn" folgend. Formale Hierarchien wurden abgeschafft, die MitarbeiterInnen organisieren sich in Teams, agieren selbstbestimmt und -verantwortlich, finden ihre Aufgaben und Rollen innerhalb eines sich stets wandelnden Prozesses und entscheiden im Konsent. Statt auf Profit und Konkurrenz zu fokussieren, kooperieren diese Unternehmen, binden alle Beteiligten mit ein, wirtschaften nachhaltig und entdecken den "tieferliegenden Sinn" ihrer Organisation. Den bisher im Unternehmen vernachlässigten Werten wie Authentizität, Verbundenheit, tiefes Zuhören und Ganzheit wird ein ebenso großer Raum eingeräumt wie den bisher dominierenden wie Rationalität, Struktur, Zielstrebigkeit und Ergebnisorientierung.
Gleichzeitig entwickelt sich weltweit eine immer größer werdende Community, die mit einer bedürfnisorientierten, ökologisch vertretbaren Produktion experimentiert. Sie handeln kleinteilig und organisieren sich vernetzt und regional innerhalb einer teilenden, wertschätzenden Gemeinschaft. Gemeinwohl, Commons, Open Source Ökonomie, Solidarische Landwirtschaft und Cradle to Cradle sind nur einige der Begriffe, die hier eine zentrale Rolle spielen.

In diesem Wochenendseminar wollen wir uns einige der verschiedenen Strömungen anschauen, Ähnlichkeiten feststellen, Brücken schlagen und uns mit einer demokratisch, selbstorganisierten Postwachstums(arbeits-)welt vertraut machen. Dabei werden wir uns auch mit dem zugrundeliegenden Menschenbild und den uns behindernden, von Harald Welzer so bezeichneten "mentalen Infrastrukturen" befassen. Schließlich sollen auch die Schattenseiten dieser neuen Arbeitswelt betrachtet werden, die dann entstehen, wenn es nicht gelingt, die kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnisse zu verändern und dafür einen potenzialfördernden, freien und nachhaltigen Lebens- und Arbeitsstil zu integrieren.

Seminarziel:
Das Seminar richtet  sich an Menschen, die sich mit den neuen Formen selbstorganisierter bis postkapitalistischer Arbeits-, Unternehmens- und Wirtschaftsformen in Theorie und Praxis auseinandersetzen wollen. Ziel ist es, die neuen Erkenntnisse in den persönlichen und beruflichen Kontext zu integrieren und diese mit Anderen zu teilen.

Seminarleitung:
Marion Rädisch, M.A., Germanistin/Theaterwissenschaftlerin, langjährige Erfahrung als Berufsfindungs- und Bewerbungscoach sowie intensive Beschäftigung mit der Arbeitsgesellschaft und Alternativen dazu, Dozentin für Postwachstumsthemen, Mitglied des Arbeitskreises Wirtschaft und Soziales
und

Caroline Winning, Diplom-Psychologin, Trainerin & Coach für Emotionale Kompetenz und Gewaltfreie Kommunikation. Über 13 Jahre (Leitungs-)erfahrung im Bereich der Personal- & Organisationsentwicklung in internationalen Großkonzernen, die ich heute auf ihrem Weg in ihre Lebendigkeit begleite.

Seminarzeiten:
Fr. 17-20 Uhr
Sa. 10-17 Uhr
So 10-17 Uhr

Falls Sie Wünsche zur Barrierefreiheit haben, melden Sie sich unter lazova@bildungswerk-boell.de

Das Seminar wird mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert.