Donnerstag, 25. Mai 2006 – Sonntag, 30. Juli 2006 In meinem Kalender speichern

Ausstellung: Sireli Yeghpayrs (Lieber Bruder). Armenier in der Türkei vor 100 Jahren

Mit Postkarten des Sammlers Orlando Carlo Calumeno

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts lebten im Gebiet der heutigen Türkei nahezu zwei Millionen Armenier mit eigener Sprache und Schrift, meist der armenisch-gregorianischen oder katholischen Kirche angehörend. Vertreibungen und Massaker mit schätzungsweise 1,2 bis 1,5 Millionen Opfern führten während des ersten Weltkrieges zur nahezu gänzlichen Zerstörung der armenischen Kultur. Als das multiethnische osmanische Reich durch die türkische Republik abgelöst wurde, wanderten von den verbliebenen Armeniern viele aus. Heute leben nur noch etwa 50.000 Armenier in der Türkei. Der türkische Nationalstaat, durch den Reformer Kemal Atatürk 1923 als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches geschaffen, verstand die Türkei als Einheit von Sprache, Geschichte, Kultur und Territorium. Die Identität der Kurden, der Armenier und der Griechen sowie von Angehörigen anderer christlicher Religionsgemeinschaften wurden geleugnet und durch eine minderheitenfeindliche Politik unterdrückt. Die Existenz der Armenier und ihr Beitrag zur Kultur in der Türkei sollten in Vergessenheit geraten. Kirchen, Schulen und andere armenische Einrichtungen wurden zerstört, Ortsnamen geändert.<br> <br> Heute ist das Interesse an der armenischen Geschichte wieder gewachsen, und auch die Politik in der Türkei beginnt sich zögernd mit dieser Phase der Geschichte des Landes ernsthaft zu beschäftigen.<br> <br> Mit den Postkarten dieser Ausstellung wird erkennbar, dass vor dem ersten Weltkrieg multiethnisches, vielsprachiges, multireligiöses und multikulturelles Zusammenleben der Normalfall im Gebiet der Türkei war. Anhand von Postkarten aus den Jahren 1900 bis 1910 wird das soziale, wirtschaftliche, kulturelle und auch private Leben der Armenier gezeigt.<br> <br> Erstmals war die Präsentation im Januar 2005 in Istanbul zu sehen, wo sie innerhalb von nur elf Tagen mehr als 7.000 Besucher anzog.<br>
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