- Dienstag, 06. April 2004 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Berlin: Die Anschläge von Madrid und die Folgen
Ist der Kampf gegen den Terror gescheitert?
Über 200 Tote, 1.400 Verletzte, mitten in
Madrid. Die Anschläge vom 11. März haben
gezeigt, dass der Terror in Europa
angekommen ist. Die Anschläge und die
Reaktion der konservativen Regierung
Aznar haben den Ausgang der spanischen
Wahlen beeinflusst - womöglich gar die
entscheidende Wende gebracht, die den
Wahlsieg der Sozialisten ermöglichte.
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Die Ankündigung des designierten
spanischen Ministerpräsidenten José Luis
Zapatero, die 1.300 spanischen Soldaten
aus dem Irak abzuziehen, sollte es nicht
bald eine neue UN-Resolution geben, die
den Vereinten Nationen eine zentrale Rolle
zubilligt, ist seither heftig umstritten.
Zapatero habe lediglich angekündigt, seine
weit vor den Anschlägen abgegebenen
Wahlversprechen auch einzulösen, sagen
die einen. Zapatero beuge sich dem
Terrorismus und betreibe eine Politik des
Appeasement, kritisieren die anderen.
Dabei geht das Rätselraten über die
politische Logik hinter den Anschlägen
weiter: "Ihr liebt das Leben - wir lieben
den Tod" heißt es in einer von al-Qaida
verbreiteten Videobotschaft. Kann es
überhaupt eine politische Antwort auf diese
Message geben? Wie ist die spanische
Reaktion nun wirklich einzuordnen? Gelingt
es Al Quaida, Einfluß auf die europäische
Politik zu nehmen?
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Die ehemaligen Kriegsgegner Frankreich
und Deutschland freuen sich, dass Spanien
unter der neuen Regierung wieder zum
Bündnispartner innerhalb Europas wird -
während die früheren Kriegsbefürworter
die Anti-Terror-Allianz vor der Spaltung
sehen und ein Einknicken aus Angst
befürchten. Gleichzeitig wird in fast allen
europäischen Ländern über neue
Sicherheitsgesetze, die verstärkte
Zusammenarbeit der Geheimdienste und
Polizeien und schärfere
Ausländergesetzgebungen diskutiert –
nicht mehr nur von konservativer Seite.
Wie verlaufen die neuen Konfliktlinien in
Europa? Bleibt am Ende der Abbau
bürgerlicher Freiheitsrechte als
Konsens übrig?
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Sicher ist nur, dass der so genannte "Krieg
gegen den Terror" bislang nicht zum
gewünschten Ergebnis geführt hat. Es ist
offensichtlich weder gelungen, die
Organisationsstruktur al-Qaidas zu
knacken, noch, die Finanzströme zum
Versiegen zu bringen. Ist der Kampf gegen
den Terror gescheitert? Wie könnten
politische Lösungen jenseits von Polizei
und Militär aussehen? Gibt es ein
europäisches Konzept der
Terrorbekämpfung? Verändert die neue
Terrorangst in Europa das gespannte
Verhältnis zu den USA?
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Mit: Ricardo Jordana (Korrespondent
comradio, Barcelona), Dr. Georg Witschel
(Auswärtiges Amt, Botschafter,
Beauftragter für die Bekämpfung des
internationalen Terrorismus), Dr. Ulrich
Schneckener (Stiftung Wissenschaft und
Politik), Andreas Zumach
(Korrespondent „die tageszeitung“, Genf)
Moderation: Antje Bauer (freie Journalistin)
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin