- Dienstag, 03. Mai 2005 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Berlin: Europa ohne Verfassung?
Das EU-Referendum in Frankreich und seine Folgen
Debatten zur internationalen
Politik<BR>
Jour Fixe der Heinrich-Böll-Stiftung und
der tagszeitung taz<BR><BR>
Der Ausgang der Volksabstimmung zur EU-
Verfassung am 29.Mai in Frankreich ist
ungewiss. Sollte tatsächlich -wie von allen
Umfragen prognostiziert- mehr als jeder
zweite Franzose gegen die geplante EU-
Verfassung votieren, würde Europa in
seine vielleicht tiefste Existenzkrise seit 50
Jahren stürzen. Und das, obwohl die
meisten potentiellen „Nein-Sager“
anscheinend weniger die EU als die
nationale Politik, den eigenen Präsidenten
und Premierminister im Visier zu haben
scheinen. Europa könnte an nationaler
Kurzsichtigkeit zu scheitern.<BR><BR>
Sowohl Frankreichs Grüne als auch die
Sozialisten sind über die Frage der
Zustimmung zur EU Verfassung tief
gespalten. Schon wird im Falle eines „Nein“
die Gründung einer neuen, pro-
europäischen Linkspartei diskutiert.
Innerhalb der EU würde das Gewicht
Frankreichs als „Integrationsmotor“ sinken,
die deutsch-französische Integrationsachse
wäre angeschlagen, wenn nicht
zebrochen.<BR><BR>
Mit dem Verfassungsvertrag für Europa,
der im Oktober 2004 von den Staats- und
Regierungschefs feierlich unterzeichnet
wurde, sollte die Grundlage für eine
europäische Neuordnung gelegt werden,
die der Erweiterung auf demnächst 27
Mitgliedsstaaten Rechnung trägt und den
Bürgerinnen und Bürgern mehr
Demokratie beschert.
Bis spätestens Sommer nächsten Jahres
müssen alle 25 Mitgliedsstaaten den
Verfassungsvertrag - entweder per
Referendum oder durch die nationalen
Parlamente - annehmen, damit die
Verfassung in Kraft treten kann. Litauen
und Ungarn waren die ersten beiden
Länder, die 2004 die Verfassung per
Parlamentsbeschluß ratifizierten, auch
Slowenien hat dies inzwischen erfolgreich
getan. In Spanien hat sich die Bevölkerung
im Februar 2005 per Referendum mit 77%
klar dafür ausgesprochen. Nun stehen
Referenden in Frankreich, Holland, Polen
und weiteren Ländern an. <BR><BR>
Holland, Dänemark, Großbritannien - die
Liste der Länder, in denen die Ratifizierung
scheitern könnte, ist lang. Doch
Frankreich, einem der Gründungsländer
der EU, wird eine besondere Schlüsselrolle
zugeschrieben. In ganz Europa herrscht
das Gefühl, dass das Schicksal des
Vertrages weitgehend in Paris entschieden
wird. Wenn die Verfassung hier abgelehnt
wird, hat dies möglicherweise
Signalwirkung auf andere Länder. Deshalb
geht das, was dort per Volksabstimmung
auf dem Spiel steht, uns alle
an.<BR><BR>
Was bewegt die Menschen in Frankreich zu
ihrer Skepsis gegenüber der EU-
Verfassung? Welche innenpolitischen
Konsequenzen wären zu erwarten? Was
würde eine Nichtratifizierung für die
Zukunft der EU bedeuten? Welche
Szenarien zur Schadensbegrenzung gibt
es?
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin