- Donnerstag, 25. November 2004 18.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Berlin: Namibia nach den Wahlen
Podiumsdiskussion
mit <br>
<b>Dr. Uschi Eid</b>, Staatssekretärin im
BMZ<br>
<b>S.E. Hanno Rumpf</b>, Botschafter der
Republik Namibia<br>
<b>Dr. Henning Melber</b>,
Forschungsdirektor Nordic Africa Institute,
Uppsala<br><br>
Begrüßung und Einführung:<br>
<b>Barbara Unmüßig</b>, Vorstand der
Heinrich-Böll-Stiftung<br><br>
Moderation: <br>
<b>Dr. Stefan Mair</b>, Stiftung
Wissenschaft und Politik
<br><br>
Nun ist es offiziell: Die alte
Regierungspartei ist die neue. Mit einer -
wie gewohnt - überwältigenden Mehrheit von
mehr als 75% der Stimmen für die SWAPO und
einer sogar noch etwas größeren für ihren
Präsidentschaftskandidaten Hifikepunye
Pohamba endeten die namibischen Wahlen.
Damit behält die SWAPO ihre 55 Sitze in der
Nationalversammlung; die
Oppositionsparteien teilen sich die
verbleibenden gerade mal 17 Sitze. Die
(einzige) Änderung ist zunächst einmal eine
Machtverschiebung innerhalb der
Oppositionsparteien. Andererseits kann
angesichts der Stimmenverhältnisse von
„Macht" ohnehin kaum gesprochen werden.
Also alles beim alten?
<br><br>
Zu den positiven Erscheinungen gehört
zunächst einmal, dass es erstmals seit der
Unabhängigkeit einen neuen Präsidenten
geben wird. Die Wahlen verliefen nach
Ansicht von Beobachtern insgesamt „frei und
fair" - auch wenn einige
Oppositionsparteien mittlerweile eine
Untersuchung fordern - und die
Wahlbeteiligung war deutlich höher als beim
letzten landesweiten Urnengang 1999. Also
alles bestens?
<br><br>
Andererseits wird deutlich, dass sich die
SWAPO nicht auf ein „zu viel" an Demokratie
einlassen möchte. Der neue Präsident
Pohamba, dessen Amtszeit im kommenden März
beginnt, gilt als "handverlesen" und gehört
zu den treuesten Weggefährten Nujomas. Sein
größter Konkurrent um die Kandidatur - der
ehemalige Außenminister Hidipo Hamutenya -
wurde zuerst als möglicher
Präsidentschaftskandidat demontiert, und
dann auf der SWAPO-Wahlliste so weit im
Hinterfeld platziert, dass er nach
derzeitiger Sitzverteilung sein Mandat
verlieren wird. Sind damit die
innerparteilichen Grabenkämpfe schon
vorprogrammiert?
<br><br>
Auch jenseits der Personalien besteht
Anlass zur Sorge: In den letzten Jahren kam
und kommt es in Namibia immer wieder zu
minderheitenfeindlichen Statements von
ranghohen politischen Offiziellen; dabei
hatte sich auch Noch-Präsident Nujoma
mehrfach hervorgetan. Ein weiteres
entscheidendes Thema ist die weiterhin
ungelöste Landfrage. Obwohl die Landreform
bislang auf dem Boden der namibischen
Verfassung angegangen wurde, waren in den
letzten Monaten auch in dieser Hinsicht
wieder schärfere Töne von Seiten der
Regierung zu vernehmen. Wahlkampfrhetorik?
<br><br>
Wie wird sich der neue Präsident zukünftig
verhalten, welche Akzente setzt er? Will
die neue Regierung mit einem bewusst harten
Kurs Stärke demonstrieren oder versucht sie
einen Gegenentwurf zum autokratischen
Charakter der Nujoma-Regierung? Wird die
Landreform in der bisherigen
"zurückhaltenden" Art und Weise
weitergeführt oder sind ähnliche
Entwicklungen wie in Simbabwe zu
befürchten? Welche Konsequenzen hat dies
für Zivilgesellschaft in Namibia, etwa für
die privaten Medien? Was sind die
Anforderungen und Handlungsmöglichkeiten
der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in
diesem neuen politischen Umfeld?
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin